Tenniken

«Chilchacher» soll überbaut werden: Anwohner sind empört

Auf dieser Wiese am Rande von Tenniken, wo einst die Pfarrer ackerten, plant die Stiftung Kirchengut in den nächsten Jahren eine Überbauung.

Die Stiftung Kirchengut will die einstige Pfarrmatte in Tenniken überbauen. Anwohner wehren sich dagegen. Sie wollen in den nächsten Wochen eine Petition lancieren.

In Tenniken hat sich in den letzten Wochen ein Konflikt um ein Bauvorhaben hochgeschaukelt, das noch in den Kinderschuhen steckt: Die Stiftung Kirchengut will ihre Parzelle 1884, eine 11'000 Quadratmeter grosse Wiese am Dorfrand, im Baurecht überbauen lassen. Dabei geht es um die einstige Pfarrmatte namens «Chilchacher», auf der früher die Pfarrer zur Einkommenssicherung Landwirtschaft betrieben. Diese Wiese liegt denn auch in unmittelbarer Nähe von Pfarrhaus, Kirche und Friedhof und damit bautechnisch in einem heiklen Bereich, umso mehr Pfarrhaus und Kirche unter kantonalem Schutz stehen.

Handkehrum hat die Stiftung Kirchengut in den letzten Jahren einiges an Erfahrung angesammelt mit Überbauungen von ehemaligen Pfarrmatten: Die unabhängige, aber von der Finanz- und Kirchendirektion kontrollierte Stiftung finanziert mit den Einnahmen aus den Baurechtszinsen ein Stück weit den Unterhalt der 33 Kirchen und 28 Pfarrhäuser in ihrem Besitz. Derzeit wird auch in Lausen eine solche Parzelle überbaut.

Was in Tenniken konkret gebaut wird, sei im Moment noch völlig offen, sagt der Verwalter der Stiftung Kirchengut, Martin Innerbichler. Man habe im letzten Jahr eine erste Besprechung mit der Gemeinde und weiteren Involvierten geführt, um deren Wünsche zu evaluieren, und stiftungsintern nun im vergangenen September einen ersten Pflock eingeschlagen: «Der Stiftungsrat hat an seiner letzten Sitzung grünes Licht für die erste Planungsphase gegeben. Wir werden nun ein Gremium unter unser Federführung bilden, in dem auch Gemeinde und kantonale Denkmalpflege mitarbeiten können, wenn sie dies wollen.»

Happige Vorwürfe

Zu den nächsten Schritten gehören laut Innerbichler zonenrechtliche Abklärungen – die Parzelle liegt in der Zone für öffentliche Werke und Anlagen –, die Einladung von Planern für die Ausarbeitung eines Projekts, die Suche von Investoren und die ganze Aufgleisung des Quartierplanverfahrens. Innerbichler rechnet mit einem Zeithorizont von acht bis zehn Jahren, bis die Wohnungen bezogen werden können. Zur Ausrichtung des Bauprojekts sagt er: «Der Stiftungsrat ist sich seiner sozialen Verantwortung bewusst. Ein Luxusobjekt kommt nicht infrage, ein Teil Alterswohnungen ist denkbar.»

Allernächster Schritt ist nun aber ein runder Tisch mit Vertretern der Stiftung Kirchengut, der kantonalen Denkmalpflege, des Baselbieter Heimatschutzes und von Anwohnern. Die Aussprache findet morgen statt und ist sozusagen die Antwort auf ein Schreiben mit kritischen Fragen eines Anwohners. Dieser heisst Kaspar Geiger und ist der Sprecher von derzeit zwei Handvoll Opponenten. Seine Vorwürfe sind happig: «Hier findet in einem Netz aus Filz eine Planung unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, bei der letztlich die Stiftung unsere Dorfentwicklung bestimmt.»

Mit dem Filzvorwurf nimmt Geiger vor allem die Tenniker Gemeindepräsidentin Sandra Bätscher ins Visier: Sie sitzt im Kirchenrat der reformierten Kantonalkirche und ist dadurch mit der Stiftung Kirchengut verbunden. Denn der Kirchenrat schlägt der Regierung die Stiftungsratsmitglieder vor, die in der Regel von dieser gewählt werden. Zudem ist der Kirchenrat mit seinem Präsidenten direkt im Stiftungsrat der Stiftung Kirchengut vertreten. Bätscher, so Geigers Vorwurf, habe mit ihrem Engagement für die Überbauung nicht das Dorfwohl, sondern vor allem die Finanzen der Kirche im Auge.

Geiger will nun in den nächsten Wochen zusammen mit seinen Mitstreitern eine Petition lancieren. Deren Stossrichtung: Die Behörden sollen verantwortungsvoll mit den Ressourcen umgehen und die Bebauungsziffer im Dorf erhöhen, statt grüne Wiesen am Rande zu bebauen.

Zu spät für Grundsatzdiskussion

Bätscher will nichts von einer Verfilzung wissen. Sie verweist darauf, dass im Kirchenrat eine andere Person für Tenniken zuständig sei, um Interessenskonflikte zu vermeiden. Zudem sei die Stiftung Kirchengut dem Kanton und nicht der Kirche unterstellt. Zur geplanten Überbauung hält sie fest: «Ich verstehe nicht, wieso man jetzt eine Grundsatzdiskussion über die Bebauung des ‹Chilchacher› führen will. Die Parzelle liegt im Siedlungsperimeter und ist damit schon seit langem Bauland.» Zudem habe die Stiftung Kirchengut schon vor ein paar Jahren, als der kommunale Richtplan verabschiedet wurde, angekündigt, dass sie eines Tages bauen wolle. Seither habe sich nichts verändert.

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Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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