Kopf der Woche

Christof Hiltmann: «Engagement ist langfristig ausgelegt»

Er wollte nicht bereits als Kind Chef eines Baugeschäfts werden: CEO Christof Hiltmann auf dem Rofra-Areal in Aesch.

Er wollte nicht bereits als Kind Chef eines Baugeschäfts werden: CEO Christof Hiltmann auf dem Rofra-Areal in Aesch.

Der FDP-Politiker begräbt für den CEO-Posten bei der Rofra seine Regierungsambitionen – vorerst. Im Interview mit der bz spricht er darüber, was ihn an der neuen Aufgabe reizt, und wie sich die Wahrnehmung seiner Person als Politiker ändern wird.

Herr Hiltmann, dass Sie CEO der Rofra AG werden, hat im Baselbiet einige überrascht. Wie ist es dazu gekommen?

Christof Hiltmann: Ich habe Ende Juli vom Eigentümer und bisherigen CEO Remo Franz eine Anfrage erhalten. Lange musste ich über diese reizvolle Aufgabe nicht nachdenken.

Was fanden Sie denn reizvoll daran?

Als Gemeindepräsident von Birsfelden bin ich auf den Geschmack gekommen: Mir liegt es, Verantwortung zu übernehmen. Die Führung einer Gemeinde hat viele Gemeinsamkeiten mit jener eines KMU. Ich habe im vergangenen Januar bei der Syngenta gekündigt. Ich hatte dort einen attraktiven Job im mittleren Kader mit guter Bezahlung und einiger Reisetätigkeit, war letztlich aber bloss eine Nummer. Mir ist es lieber, wenn ich persönlich den Unternehmenserfolg sehr direkt beeinflussen kann. Für mich war klar, dass ich beruflich in diese Richtung steuern möchte, hätte aber nicht gedacht, dass derart rasch ein solches Angebot kommt.

Als Ökonom sind Sie für den CEO-Posten gut gerüstet, Sie hatten bisher aber kaum Bezug zur Baubranche.

Das ist richtig. Ich würde jetzt nicht behaupten, dass ich seit meiner Kindheit davon geträumt habe, Chef eines Bauunternehmens zu werden. Entscheidend ist jedoch nicht die Branche, sondern die Aufgabe. Und die ist bei der Rofra Gruppe sehr attraktiv: Es handelt sich um ein bestens funktionierendes regionales KMU mit Familientradition, mit guten Mitarbeitenden und einer idealen Grösse.

Welche Ziele hat Eigentümer Remo Franz mit Ihnen vereinbart?

Das Rückgrat der Rofra-Gruppe ist das Baugeschäft, das Unternehmen möchte aber noch stärker Fuss fassen in anderen Bereichen, etwa in der Projektentwicklung (siehe Kasten, d. Red.). Der Verwaltungsrat hat ambitionierte Ziele gesetzt. Alle fünf Bereiche sollen wachsen, jede der fünf Gesellschaften für sich muss rentieren und die Wachstumsziele erfüllen.

Befürchten Sie nicht, als Marionette von Remo Franz angestellt zu sein?

Die Situation ist für uns beide neu. Die Rofra hatte noch nie einen CEO von ausserhalb der Familie. Ich erwarte von ihm, dass er als VR-Präsident eine aktive Rolle übernimmt. Als bisher Branchenfremder möchte ich von seinem grossen Know-how profitieren. Zugleich haben wir die Rollen klar definiert. Die Verantwortung über das operative Geschäft liegt bei mir.

Kann man ein grosses KMU wie die Rofra im Teilpensum führen?

Es ist richtig, dass ich nicht 100 Prozent meiner Zeit physisch in der Rofra anwesend sein kann. Andererseits erleichtern die modernen Kommunikationsmittel vieles. Ich habe zudem einen langjährigen Bekannten von mir mit zur Rofra mitgenommen. Er wird mein Stellvertreter und zudem die Rofra Invest AG als Geschäftsführer leiten. Wir ergänzen uns perfekt.

Gibt es Abmachungen mit Franz im Hinblick auf einen weiteren Schritt in Ihrer politischen Karriere? Sie werden als FDP-Regierungskandidat gehandelt.

Dazu gibt es keine Abmachung. Hingegen haben wir vereinbart, dass ich meine bestehenden Mandate, das Gemeindepräsidium und das Amt als Landrat, weiterführe, was er explizit unterstützt. Als ehemaliger Landrat weiss Remo Franz um den Wert solcher Ämter.

Herr Franz hätte keine Freude, wenn sein CEO bereits nach einem oder zwei Jahren wieder abspringt.

Das ist richtig. Mein Engagement ist langfristig ausgelegt. Auf der anderen Seite möchte ich auch nicht das Vertrauen der Birsfelder Bevölkerung aufs Spiel setzen, die mich erst im vergangenen Frühjahr als Gemeindepräsident für weitere vier Jahre im Amt bestätigt hat.

Dann haben Sie Ihre Regierungsambitionen also vorläufig etwas verbaut.

Ich mache mir wenig Gedanken darüber, wie mein politisches Engagement in vier, fünf oder noch mehr Jahren aussieht. Es kann sich vieles rasch ändern. Aber: Wenn es hier bei der Rofra so rauskommt, wie ich mir das vorstelle, dann denke ich nicht, dass ich den CEO-Job schon bald wieder verlassen werde.

Welche Auswirkungen hat Ihr neuer Job auf Birsfelden?

Ich habe 2016 überdurchschnittlich viel Zeit investiert ins Gemeindepräsidium. Ich habe das gerne gemacht, weil ich seit der Kündigung bei der Syngenta mehr Zeit hatte. Ich möchte aber klarstellen, dass das Gemeindepräsidium in maximal 50 Stellenprozenten bewältigbar ist.

Als CEO eines Baugeschäfts und zugleich Gemeindepräsident sind Interessenskonflikte programmiert.

Ich habe spasseshalber zu Remo Franz gesagt: «Jetzt wird Birsfelden für die Rofra zur No-go-Area». Im Ernst: Wir haben Submissionsgesetze mit klaren Regeln. Bei einer Strassensanierung, die öffentlich ausgeschrieben wird, gibt es keinen Grund, weshalb die Rofra nicht mitbieten könnte. Die Kriterien und die Vergabe sind gesetzlich klar geregelt und transparent. Kleinere Aufträge im Einladungsverfahren wird die Rofra in Birsfelden hingegen eher nicht wahrnehmen können, solange ich Gemeindepräsident bin.

Sie werden im Landrat künftig als Vertreter der Baubranche wahrgenommen.

Das ist so, sehe das aber nicht problematisch. In unserem Milizsystem sind die meisten Parlamentarier beruflich noch anderweitig engagiert. Dabei entstehen also überall potenzielle Interessenvertretungen. Sei es als Lehrerin, Bauer oder Unternehmer. Solange der berufliche Hintergrund transparent ist, obliegt es dem Wähler, zu entscheiden, wer im Parlament Einsitz nimmt. Generalverdächtigungen schaden unserem wertvollen Milizsystem.

Es steht noch ein anderer Vorwurf im Raum: Dass Sie Teil eines gewerblich-bürgerlichen Milieus sind, in dem man sich gegenseitig Pösteli zuschanzt.

Ich bin als operativer Leiter einer Firma mit über 200 Mitarbeitern angestellt worden. Das ist ein intensiver Job mit viel Verantwortung. Würde ich primär eine Verbesserung meines Beziehungsnetzes anstreben, gäbe es bequemere Möglichkeiten – zum Beispiel Verwaltungsratsmandate. Remo Franz würde doch sein Familienunternehmen, das er über Jahrzehnte aufgebaut hat, nicht aus Beziehungs- oder Gefälligkeitsüberlegungen aufs Spiel setzen.

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