Die grösste Überraschung gab es bei den gestrigen Landratswahlen im Wahlkreis Pratteln: Wirtschaftskammer-Direktor Christoph Buser (FDP) wurde abgewählt. Seinen Parlamentssitz nimmt in der neuen Legislatur der Prattler Gemeindepräsident Stephan Burgunder ein. Er distanzierte Buser um rund 100 Stimmen. Ebenfalls abgewählt wurde in diesem Wahlkreis der Unternehmer Christoph Häring (SVP).

Die FDP hat nebst Buser noch eine weitere prominente Abwahl zu verkraften: Paul Hofer, im vergangenen Dezember überraschend als Parteipräsident zurückgetreten, schaffte die Wiederwahl in seinem Wahlkreis Oberwil nicht. Er wurde von der Medizinprofessorin Christina Jeanneret-Gris überholt.

Orkan fegte durch Mitte

Nicht gelohnt hat sich für die aus der SVP ausgeschlossenen Roman Klauser und Tochter Pascale Uccella das Experiment, mit der neu gegründeten Allschwiler Volkspartei (AVP) anzutreten. Beide verloren ihren Landratssitz.

Aber auch die SVP hat nebst Häring etliche weitere Verluste zu beklagen. Der prominenteste ist Paul Wenger. Doppelt bitter ist für ihn, dass er nach seiner Nichtwiederwahl in den Reinacher Gemeinderat nun auch auf seinen Sitz im Kantonsparlament verzichten muss. Dasselbe Schicksal ereilte den fast schon als Berufspolitiker agierenden Hans Ruedi Schafroth; er ist ab Sommer nur noch Liestaler Bürger- und Einwohnerrat. Und im Oberbaselbiet schaffte der Rothenflüher Hans-Urs Spiess die Wiederwahl nicht mehr.

Auch die SP verlor im oberen Kantonsteil einen zumindest semiprominenten Parlamentarier: Der manchmal laute und originelle Sissacher Ofenbauer Stefan Zemp schaffte die Wiederwahl nicht. Ein eigentlicher Orkan fegte durch die Mitteparteien. So verloren Marie-Therese Müller (BDP), Claudia Brodbeck (CVP), Priska Jaberg (EVP) und die beiden Grünliberalen Daniel Altermatt und Matthias Häuptli ihre Sitze.

Wo Verlierer, da Gewinner

Wo Verlierer sind, sind bei Wahlen immer auch Gewinner. Von der Prominenz her obenaus schwingen ein Freisinniger und zwei Grüne. Einer dieser Grünen ist Bálint Csontos, Präsident der Kantonalpartei. Er konnte im Wahlkreis Waldenburg den vor vier Jahren verlorenen Sitz wieder zurückgewinnen, obwohl er als Ramlinsburger nicht im Wahlkreis wohnt.

Damit sind alle grossen Parteien ausser der CVP, also SVP, SP, FDP und Grüne, mit ihren Präsidenten im neuen Landrat vertreten. Bei der CVP steht im Mai eine Neuwahl für die demissionierende Parteipräsidentin Brigitte Kaderli-Müller an. Der zweite prominente grüne Neu-Landrat ist Karl-Heinz «Kalle» Zeller. Der langjährige ehemalige Gemeindepräsident von Arlesheim, der bei der grünen Ortspartei Frischluft politisiert, holte mit einem Glanzresultat ebenfalls den im Wahlkreis im Jahr 2015 verlorenen Sitz zurück.

Der neue prominente freisinnige Landrat heisst Martin Dätwyler. Der Direktor der Handelskammer beider Basel fuhr stimmenmässig zwar nicht ein überragendes Resultat ein, aber für den einzigen FDP-Sitz im Wahlkreis Laufen reichte es.

Grüne überrascht in Sissach

Nicht zur Prominenz kann die im Wahlkreis Sissach neu gewählte Grüne Laura Grazioli gezählt werden. Umso beachtenswerter ist ihr Resultat: Die junge und trotz ihres Vizepräsidiums der Baselbieter Grünen wenig bekannte Bäuerin mit einem Masterabschluss der Hochschule St. Gallen erzielte mit 1982 Stimmen das beste Resultat im Wahlkreis.

Auch die Grüne Meret Franke und mit ihr Pro Natura Baselland können jubeln. Die seit rund einem Jahr als deren Präsidentin wirkende Liestalerin zieht in den Landrat ein. Und mit Julia Gosteli taucht dort ein altbekanntes grünes Gesicht wieder auf; die Allschwilerin war vor vier Jahren abgewählt worden.

Kathrin Schweizer (SP) schliesslich erzielte nicht nur ein hervorragendes Resultat als Regierungsrats-, sondern auch als Landratskandidatin. Mit 2543 Stimmen machte sie mit Abstand das beste Resultat im Wahlkreis Muttenz. Wegen ihrer Wahl in die Regierung kann sie ein auch nicht ganz Unbekannter beerben: der pensionierte Pfarrer und Gemeinderat Roger Boerlin.