Uni Basel

Christoph Eymann widerspricht der FDP: Uni ist bei Drittmitteln top

In der Studie würden Äpfel mit Birnen verglichen: Christoph Eymann verteidigt «seine» Hochschule.

In der Studie würden Äpfel mit Birnen verglichen: Christoph Eymann verteidigt «seine» Hochschule.

Die Baselbieter FDP irre, sagt der Basler Bildungsdirektor, denn sie stütze sich bei ihrer publizierten Studie auf falsche Statistiken.

Christoph Eymann bleibt dabei: Es scheine, als sei nicht sauber recherchiert worden, sagt der Basler Bildungsdirektor. Die Zahlen, mit denen die FDP Baselland hantiere, seien «kreuzfalsch». Es geht um die Drittmittel, welche die Universität Basel generiert. Beiträge also, die weder von den beiden Trägerkantonen Baselland und Basel-Stadt noch vom Bund stammen, sondern von externen Akteuren wie privaten Stiftungen, Unternehmen, Mäzenen und dem Nationalfonds.

In der am Montag von der Baselbieter FDP publizierten Studie zum Sparpotenzial an der Uni heisst es, die Uni Basel sei im schweizweiten Vergleich Mittelmass. Es scheine, «als hinke die Universität Basel seinen Mitstreiterinnen etwas hinterher», steht im Gutachten mit dem Namen «Design to Cost – Verbesserung der Finanzsituation der Universität Basel». Insgesamt betrage der Anteil der Drittmittel an den Gesamtkosten 19,8 Prozent – besser weg kommen die Unis Neuchâtel, Zürich, St.Gallen, Lausanne, Genf und Spitzenreiter Bern. Die Uni Bern erwirtschaftet laut der Studie pro Vollzeitstelle sogar das Doppelte an Drittmitteln als die Uni Basel.

Erstellt hat das Gutachten das Institut für Wirtschaftsstudien Basel (IFWB) im Auftrag der Baselbieter FDP-Fraktion. Es gibt als Quelle der beanstandeten Daten das Bundesamt für Statistik (BFS) an, genauer gesagt die Datenbank des Schweizerischen Hochschul-Informationssystems (SHIS). Diese wurde laut BFS zu Beginn der 1970er-Jahre konzipiert, «um den steigenden Koordinations- und Planungsbedürfnissen des Bundes und der Kantone im Hochschulbereich Rechnung zu tragen».

Diese Statistik sei «irreführend», sagt Eymann. Denn sie vergleiche, so der LDP-Regierungsrat, Äpfel mit Birnen. «Dies, weil die Rechnungen der Universitäten verschieden aufgebaut sind. Zum Beispiel werden an anderen Universitäten die Drittmittel auch der klinischen Dienstleistungen und Forschungsprojekte eingerechnet, die in Basel über die Spitäler laufen.» Wegen rechnerischen Unschärfen wie diesen komme die Uni Basel beim Total der Drittmittel schlechter weg als die Konkurrenten. «In Wirklichkeit», sagt Eymann, «steht die Uni Basel bei den Drittmitteln schweizweit an erster Stelle.»

Relevant ist laut Eymann die Bemessung der Grundbeiträge durch das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Industrie (SBFI). 2016 habe die Uni Basel einen Anteil von 8,4 Prozent an den Drittmitteln aufgewiesen. Das sei der beste Wert unter den Schweizer Unis; er liege deutlich höher als bei den Unis Bern (5,7 Prozent) und Zürich (4,8 Prozent).

Das Institut für Wirtschaftsstudien Basel (IWSB) schreibt, man habe sich der offiziellen, massgeblichen Zahlen des Bundesamts für Statistik bedient. «Es wurden die Drittmittel jeweils in Relation zu den Mitarbeitern gesetzt», sagt Nils Braun-Dubler, Ökonom und Partner von IWSB. «Das macht die Unis, die schon von ihrer Grösse und Struktur her sehr verschieden sind, miteinander vergleichbar.»

Das BFS konnte gestern auf Anfrage der bz keine weiteren Angaben zu den Methoden und Grundlagen liefern, die es zur Berechnung des Drittmittel-Anteils an den Schweizer Hochschulen heranzieht.

Kritik vom eigenen alt Ständerat

Die Sparideen der FDP Baselland haben vor allem im Stadtkanton für Unmut gesorgt. In einem gestern publizierten Communiqué der Jungfreisinnigen Basel-Stadt werden die Vorschläge als «scheinheilig» bezeichnet. Dies, weil die FDP von einer «Stärkung» der Uni Basel schreibe, während sie ihr gleichzeitig 40 bis 60 Millionen Franken entziehen möchte.

Mittlerweile hat sich auch René Rhinow zu Wort gemeldet. Der alt Ständerat gilt als graue Eminenz der Baselbieter FDP. Der emeritierte Professor für Staats- und Verwaltungsrecht der Universität Basel tadelt seine Partei in einem Facebook-Eintrag von Dienstagabend. Ursprünglich habe die FDP massgeblich zur Beteiligung des Landkantons an der Institution beigetragen. Nun sei sie «auf dem besten Weg, sich als Bildungspartei zu verabschieden». Ihr Postulat, das Einsparungen zwischen 40 bis 60 Millionen Franken vorsieht, bezeichnet er als «unglaubwürdig» und als «Schnellschuss». Zudem stütze sich die Partei bei ihrem Vorgehen auf ein «technokratisches und schmalbrüstiges ‹Gutachten› mit lauter Wenn und Aber» ab. Im Gespräch mit der bz geht Rhinow noch weiter: «Die Studie trägt der Bedeutung und Stellung der Uni überhaupt keine Rechnung.»

Auch bei der SVP Baselland sorgte die FDP am Montag für Stirnrunzeln. Ihre Vorstösse seien mit den bürgerlichen Partnern abgesprochen, liess sie verlauten. «Dass die FDP Sparvorschläge für die Uni ausarbeiten will», sagt Dominik Straumann, Präsident der SVP-Landratsfraktion, «ist ja schon seit geraumer Zeit bekannt.» Von der Existenz einer Studie und dem Inhalt der Postulate habe er jedoch zeitgleich wie die Medien erfahren.

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