Liestal

Container kommen angeflogen – als zusätzliche Zellen für Häftlinge

Zehn Gefängnis-Container hat der Kanton bestellt, in diesen provisorischen Zellen werden je zwei Insassen untergebracht. Betten, eine Toilette, ein Lavabo, einen Heizkörper und drei Deckenlampen werden im Container installiert.

Gerhard Mann steht in einem Liestaler Industriequartier und reckt den Kopf in die Luft. Gespannt beobachtet er, wie ein Pneukran einen Container von einem Lastwagen hebt, durch die Luft trägt und schliesslich vor einer Lagerhalle auf den Asphalt setzt. «Es wird nicht gekuschelt bei uns», sagt Mann. Und wendet seinen Blick Beat Krattiger zu, dem Leiter der Baselbieter Sicherheitspolizei. «Gar nicht», ergänzt dieser. «Ich möchte auf keinen Fall für längere Zeit in so einem Kasten hocken.»

Gerhard Mann ist Leiter der Abteilung Freiheitsentzug der Baselbieter Sicherheitsdirektion (SID) – und damit der oberste «Gefängnisser» im Baselbiet. In Kürze wird er zehn Zellen mehr im Angebot haben. Am Freitag nahm er zusammen mit Krattiger die letzten der zehn neuen Gefängnis-Container in Empfang. Bestellt hatte diese die SID im vergangenen Dezember; sie sollen die überfüllten Baselbieter Gefängnisse entlasten.

Halle: Betreten verboten!

Gemietet wurden die Metallquader in Deutschland. In den kommenden Tagen werden sie in die ehemalige Schafir-Mugglin-Halle an der Frenkendörferstrasse im Westen Liestals eingebaut. Die SID lud die Medien zur Besichtigung.

Einen Container durften die Journalisten betreten – die Halle jedoch nicht. Auch Fotos vom Halleninnern waren untersagt. Das habe «polizeitaktische Gründe», gab Krattiger zu verstehen. Jede Information, die nach aussen dringe, könne später für die Planung eines Ausbruchs verwendet werden.

Rund elf Quadratmeter pro Häftling

Karg sind die Container. Zwei Insassen teilen sich die 22,5 Quadratmeter, ebenso die Toilette. Neben der Türe mit Durchreiche gibt es zwei vergitterte Fenster, dazu ein Lavabo, einen Heizkörper und drei Deckenlampen. «Später kommen noch ein Gestell und zwei Betten hinzu», sagt Mann. Und fügt an: «Keine Kajütenbetten». Was für die Insassen bedeutet: Sie haben noch weniger Platz.

Die ersten Häftlinge werden voraussichtlich Mitte Februar einziehen. Notwendig geworden sind die zusätzlichen Zellen, weil die Polizei den Kampf gegen Einbrecher im vergangenen Herbst intensiviert hat und Gefängnisplätze knapp wurden. In den Containern sollen Untersuchungs-Häftlinge unterkommen; die Anlage erfüllt laut SID alle üblichen Sicherheitsstandards.

Die Miete der Container kostet 78 000 Franken pro Jahr. Insgesamt belaufen sich die Kosten auf 1,5 Millionen Franken. Die Bewilligung läuft Ende Juli ab. Die Miete ist jedoch nur jahrweise möglich, was mit den Containern danach geschieht, ist noch nicht klar. Definitiv ist: Spätestens Ende Juli müssen die Insassen umplatziert werden. Bis dahin sollten die 47 Haftplätze im neuen kantonalen Strafjustiz-Zentrum in Muttenz bezugsbereit sein.

Wasser Strom, Fernsehen

In den kommenden Tagen werden die Container an Wasser, Strom und Sicherheits-Systeme angeschlossen. Und auch einen Fernseher kriegt jede Zelle. Das sei Standard, betont Gerhard Mann: «Auch die fixen Haftplätze haben alle einen Fernseher. Das hat also nichts mit Luxus zu tun.»

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