Bubendorf und Oberwil

Coop vergeht der Appetit: zwei Restaurants machen dicht

Bald ist ausgetrunken im Coop-Restaurant in Bubendorf: Per Ende Jahr wird es geschlossen.

Bald ist ausgetrunken im Coop-Restaurant in Bubendorf: Per Ende Jahr wird es geschlossen.

Der Grossverteiler schliesst Restaurants in Oberwil und Bubendorf – und setzt neu ganz auf Take-away. In der Filiale im Oberwiler Zentrum bleibt die Küche seit vergangenem Freitag kalt, in Bubendorf ist das per Ende Jahr der Fall.

Schon 2017 hatte der Grossverteiler seinen Restaurationsbetrieb im Liestaler Stedtli dichtgemacht. Und in neuen Supermärkten wird häufig gar nicht erst ein Restaurant eingebaut. Glaubt Coop nicht mehr an den Erfolg des Self-Service-Konzepts mit günstigen, täglich wechselnden Menüs?

Die Medienstelle wiegelt ab. Sie schreibt, es gebe auch Standorte, wo die Restaurants erst kürzlich modernisiert worden seien, etwa in Muttenz oder in Basel an der Gundeldinger-strasse. Aber der Trend führe weg vom stationären Selbstbedienungsrestaurant hin zu Bistro und Take-away. «Die beiden Filialen in Oberwil-Zentrum und Bubendorf werden demnächst umfassend modernisiert», sagt Mediensprecherin Marilena Baiatu zur bz. «Bei dieser Gelegenheit passen wir unser Angebot den veränderten Kundenbedürfnissen an.»
Beim «Stabhof» in Liestal bedeutete die Anpassung, dass im Rahmen des Filialumbaus der obere Stock geschlossen und umgenutzt wurde. Das Restaurant musste weichen.

Die Kundschaft bleibt weniger lang sitzen

Coop setzt schon länger stark auf Take-away. So etwa bei der 2013 eröffneten Grossfiliale im «Südpark»-Komplex beim Bahnhof SBB. Dort gibt es zwar Theken mit frischen Esswaren und Sitzbänke, nicht aber ein klassisches Restaurant.

Die Kundschaft bedauert die Schliessungen in Oberwil an der Bahnhofsstrasse und in Bubendorf. Die Restaurants dienten auch als Treffpunkte. An beiden Orten wurden Unterschriften für den Erhalt der Einrichtungen gesammelt und Coop zugestellt, teilten die «Volksstimme» und der «Birsigtal-Bote» mit. Wer die Urheber sind, weiss Hanspeter Ryser nicht. Der Oberwiler Gemeindepräsident sagt zur bz, es sei schade, dass das Restaurant verschwinde. «Wenn ich dort war, war es immer gut besucht.» Es fehle nun ein Anbieter im preisgünstigen Segment im Zentrum. In den Coop-Restaurants gibt es auch jeweils eine warme Mahlzeit, die weniger kostet als zehn Franken.

Coop sei keine Ausnahme, sagt Enrique Marlès. Die ganze Branche spürt laut dem Präsidenten von Gastro Baselland die Verlagerung zu Take-away. «Das ist, was die Kunden verlangen. Früher gingen Büroangestellte und Handwerker über Mittag ins Restaurant, bestellten den Tagesteller. Heute wollen viele stattdessen etwas Warmes zum Mitnehmen. Gegessen wird dann irgendwo unterwegs, auf einem Bänkli oder ähnlich.» Die Betriebe stelle das vor grosse Herausforderungen. Man müsse immer flexibler werden, könne weniger gut planen.

Beide Detailhandelsriesen bauen Gastro-Angebot ab

Coop und Migros sind in der Schweiz wichtige Player in der Gastronomie. Laut dem Fachmagazin Food-Service setzte Migros 2018 mit seinen Betrieben total 749 Millionen Franken um. Coop kam auf 355 Millionen Franken. Damit rangiert Migros hinter McDonald’s auf Platz zwei, vor der SV Group auf dem dritten und Coop auf dem vierten Rang. Zu beachten ist, dass die beiden Grossverteiler auch zahlreiche Gastroketten besitzen, etwa Hitzberger und My Thai (Migros) oder Marché (Coop). Unter dem Strich gingen in den vergangenen zehn Jahren Standorte verloren. Coop führt im Geschäftsbericht 2008 total 193 Restaurants auf, 157 sind es noch laut der aktuellen Auflistung. Migros wiederum zählt landesweit 153 Gastronomiebetriebe, 2008 waren es gemäss Geschäftsbericht – wie bei Coop – 193.
Ganz auf ihren Treffpunkt verzichten müssen die Coop-Kunden in Oberwil und Bubendorf aber nicht. Sprecherin Marilena Baiatu versichert, in beiden Supermärkten gebe es auch künftig Sitzgelegenheiten zum Verweilen und eine Kaffeemaschine.

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