Coronavirus

Corona auf dem Dorfe: «Eine Situation wie jetzt hat es noch nie gegeben»

Frenkendorf mit seiner Kirche und dem Restaurant Central: Vieles liegt auf Eis, Sitzungen sind gestrichen. Schulrat und Sozialhilfebehörde sind mit Videokonferenzen ausgerüstet. (Archivbild)

Frenkendorf mit seiner Kirche und dem Restaurant Central: Vieles liegt auf Eis, Sitzungen sind gestrichen. Schulrat und Sozialhilfebehörde sind mit Videokonferenzen ausgerüstet. (Archivbild)

Wie Frenkendorfs Gemeindepräsident Roger Gradl die Coronakrise im 6500-Seelen-Dorf erlebt.

Wie hat sich Ihre Arbeit als Gemeindepräsident in der jetzigen Lage verändert?

Roger Gradl: Viel ist nicht anders. Aber ich suche derzeit mein Büro in der Gemeindeverwaltung selten auf und erledige von zu Hause aus, was möglich ist.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit im Gemeinderat?

Wir diskutieren jetzt miteinander via Videokonferenz von daheim aus. Soeben haben wir ein neues Tool eingeführt. Vergangenen Montag sassen wir noch in einem grossen Raum zusammen, mit dem nötigen Abstand wohlverstanden. Jetzt habe ich eine angeschlagene Stimme – weil ich sehr laut reden musste, nicht wegen des Coronavirus (lacht). Wir müssen keine Sitzung ausfallen lassen.

Wie halten es die anderen kommunalen Gremien?

Vieles liegt auf Eis, Sitzungen sind gestrichen. Schulrat und Sozialhilfebehörde sind mit Videokonferenzen ausgerüstet.

Sie mussten – wie viele andere Kommunen auch – kürzlich Ihre Gemeindeversammlung absagen. Kann das kommunale politische Geschehen unter solchen Voraussetzungen noch funktionieren?

Gemäss Schreiben von Regierungsrat Anton Lauber an die Gemeinden herrscht zurzeit Notrecht. Wenn keine Gemeindeversammlungen stattfinden können, fallen dringende Entscheide, die üblicherweise von der Versammlung gefällt werden, in die Kompetenz des Gemeinderats. Wir werden nun beispielsweise für eine Überbauung diverse Leitungen, die unbedingt gebaut werden müssen, bewilligen. Dies wäre an der Versammlung von Ende Monat traktandiert gewesen.

Sie als Behörde tragen damit eine noch grössere Verantwortung. Was ist das für ein Gefühl?

Eine Situation wie jetzt hat es noch nie gegeben. Das Notrecht bezieht sich bloss auf dringende Entscheide. Ein Quartierplan wäre der Gemeindeversammlung ebenfalls vorgelegt worden. Solche Geschäfte müssen jetzt warten, sie sind nicht zeitkritisch.

Der Kanton hat ein grosses Massnahmenpaket geschnürt. Was tut die Gemeinde Frenkendorf für ihre Einwohnerschaft?

Wir haben alle rund 1500 über 65-Jährigen persönlich angeschrieben und sie auf sämtliche Möglichkeiten hingewiesen, die ihnen derzeit zur Verfügung stehen. Es gibt eine Whatsapp- und eine Facebook-Gruppe, die beide privat organisiert sind. Wo unsere Gemeinde als Vermieterin auftritt – wir haben viele Liegenschaften im Dorf –, wird sie den betreffenden KMU auf Nachfrage hin einen Mietzinsaufschub gewähren.

Wären Steuererleichterungen auf Gemeindeebene generell realisierbar?

Grundsätzlich nicht. Man könnte höchstens – analog dem Kanton – an den Verzugszinsen schrauben. Das ist die einzige Möglichkeit.

Kurz nach der Absage der Fasnacht wandten Sie sich mit einer Videobotschaft an Fasnächtler und Dorfbevölkerung und baten um Besonnenheit. Wie war die Resonanz?

Ein riesiges Echo und grundsätzlich sehr positiv. Man hatte Freude daran und schätzte es – vor allem die Fasnächtler –, dass es bei uns nicht derart zu- und herging wie in Liestal oder Sissach.

Damals war nicht absehbar, was alles noch folgen sollte.

Genau. Man dachte zuerst: Die spinnen ja komplett, jetzt sagen die Behörden die Fasnacht ab. Im Nachhinein war das noch das kleinste Problem.

Hält sich Ihre Einwohnerschaft an die zurzeit geltenden Restriktionen?

Ja. Es wird spaziert, alleine oder zu zweit. Spielplätze und die Sportanlage müssen wir vermehrt überwachen. Für die Kinder ist es natürlich hart, sich draussen so bewegen zu müssen. Sobald drei, vier zusammen sind und ein Ball im Spiel ist, wird es schwierig. Dann müssen wir leider darauf hinweisen, dass das jetzt nicht geht. Unser Gemeindepolizist macht vermehrt Kontrollgänge, zurzeit täglich drei bis vier.

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