Schweizer Cup

Cup-Volksfest in Muttenz: Vor den YB-Fans hat niemand Angst

Endspurt in Muttenz: Bis zum grossen Spiel am Sonntag wird das provisorische Tribünendach stehen.Juri Junkov

Endspurt in Muttenz: Bis zum grossen Spiel am Sonntag wird das provisorische Tribünendach stehen.Juri Junkov

Am Sonntag spielt der kleine SV Muttenz im Schweizer Cup gegen die grossen Young Boys. Doch Angst vor dem Gegner kennen die Muttenzer nicht. Zwischen Hochrisiko-Spiel und Volksfest – Muttenz bereitet sich auf den Cup-Knüller vor

Es ist ein trüber, kalter Novembermorgen. Philippe Kirmser, der Stadionwart des SV Muttenz läuft allein über den Sportplatz und räumt verschiedene Sportgeräte wie Hürden oder die Diskusanlage in einen Container. Warum er das macht? «Ich schaffe alles weg, was man als Wurfgegenstand missbrauchen könnte.»

Denn für das grosse Spiel am Sonntag um 14.30 Uhr lautet das Motto in Muttenz: «Wir wollen auf alles vorbereitet sein.» Wenn der kleine SV Muttenz im Schweizer Cup die grossen Berner Young Boys empfängt, soll nichts schief gehen.

Cup-Spiele von Unterklassigen gegen grosse Vereine sind immer eine grössere Sache, als man denken könnte. Wenn plötzlich über 3000 Fans, unter Umständen gewaltbereite, in ein Stadion strömen, das bestenfalls über eine kleine Haupttribüne verfügt, wird es knifflig für die Organisatoren. In Muttenz sind die Vorbereitungen auf dem besten Weg. Der Kanton bezahlt über 160'000 Franken, die Polizei wird mit einem grossen Aufgebot für die Sicherheit sorgen, der Aufbau ist organisiert.

Der Verein weiss sich zu helfen

Gerade wird ein zusätzliches Tribünendach angeliefert. Man will die Haupttribüne auf beiden Seiten verbreitern. Schliesslich muss rund um die Leichtathletikbahn genügend Platz für die Fans geschafft werden. Die Gerüstteile bringt ein alter Kollege eines Vereinsmitglieds, beide waren zusammen Lastwagenfahrer im Militär.

Der Vereinspräsident Manfred Wieland packt beim Abladen mit an und erklärt: «Die Metallbausteine wiegen etwa fünf Tonnen. Sie werden hier gelagert.» Das provisorische Dach wird am Samstag nach dem Training von der zweiten Mannschaft aufgebaut. Die erste Mannschaft betreibt vor und nach dem Match eine Bar. Der Verein weiss sich zu helfen.

Auch die musikalische Begleitung kommt aus den eigenen Reihen. Die Jugendmusik Muttenz wird eine Runde durch das Stadion drehen und dann vor der Haupttribüne ein Ständchen zum Einlaufen der Mannschaften bringen. «Das Baselbieterlied, was sonst?», entsetzt sich Wieland über die Frage des Journalisten nach dem Stück. Fürs nächste Jahr hofft der Präsident scherzhaft, im Mergelacker die Champions-League-Hymne zu hören.

In erster Linie gehts ums Feiern

Ein Volksfest soll es werden, das Spiel der Spiele. Dies hofft auch die Baselbieter Regierung. «Von solchen Anlässen lebt der Schweizer Cup», sagt Stephan Mathis, Generalsekretär der Sicherheitsdirektion. Er wäre trotzdem auf eine mögliche Eskalation vorbereitet: «Die Bevölkerung erwartet, dass man bereit für alle Szenarien ist.» So wird der Gäste-Sektor mit einem Zaun abgetrennt, und die erwarteten 300 YB-Fans werden von der BLT vom Bahnhof Muttenz direkt zum Margelacker transportiert – in Extrabussen.

Die Sicherheitsmassnahmen machen die Situation für Wieland «einfacher». Sie seien aber nicht nötig. «Wir haben keine Angst vor den YB-Fans.» Und dass Hitzköpfe aus dem eigenen Anhang provozieren könnten, hält Wieland für ausgeschlossen: «Unsere Leute haben wir im Griff.» Er kann sich nicht vorstellen, dass etwas passiert, da es in erster Linie ums Feiern gehe: «Wir wollen ein Fest, und die Berner wollen ein Fest.»

Entsprechend ist auch das Schlussresultat nur zweitrangig. Die leise Hoffnung auf einen Sieg auszusprechen, das wagt niemand. Es heisst jedoch, es existierten Pläne, wie eine Muttenzer Siegesfeier aussehen könnte. Wie gesagt: Man ist auf alles vorbereitet.

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