Gemeindewahlen

CVP tritt in Aesch mit sieben Kandidaten an dank Proporzverfahren

Ob Proporz oder Majorz - wie fast im ganzen Baselbiet tobt auch in Aesch eine Wahlplakatschlacht.

Ob Proporz oder Majorz - wie fast im ganzen Baselbiet tobt auch in Aesch eine Wahlplakatschlacht.

Die Partei als Ganzes ist wichtiger als einzelne Gesichter: Das Proporzverfahren schafft in Aesch eine besondere Ausgangslage.

Ein grosses Fragezeichen gibt es bei den Aescher Gemeinderatswahlen vom 28. Februar: Die CVP. «Wir sind in einer speziellen Situation», sagt Präsidentin Heidi Häring. Die Partei hat im katholischen Aesch eine über ein Jahrhundert lange Tradition, hatte lang zwei Sitze im Gemeinderat und zudem das Gemeindepräsidium. Doch vor vier Jahren verlor sie einen Sitz, dies nach dem Heckenstreit, der die Gemüter in Aesch erregt hatte.

Der einzige CVP-Gemeinderat trat wenige Wochen nach der Wahl 2012 zurück. Auf ihn folgte Markus Lenherr – ohne Neuwahl. Denn Aesch ist eine der wenigen Gemeinden ausserhalb des Laufentals, wo der Gemeinderat im Proporzverfahren gewählt wird. Lenherr war in der ordentlichen Wahl, wo die CVP nur noch einen Sitz errungen hatte, als Bisheriger Zweiter auf der CVP-Liste geworden. Deshalb rückte er automatisch nach. «Das entsprach nicht dem, was der Wähler gewollt hatte», ist Häring überzeugt. Jetzt wagt die CVP den Neustart. Sie hat Lenherr fallen gelassen und tritt mit einer vollständigen Liste mit sieben neuen Köpfen an. Im Proporzsystem hat Lenherr ohne Partei im Rücken keine Chance mehr, er tritt nicht mehr an.

Einen Spitzenkandidaten gibt es auf der CVP-Liste nicht – bewusst nicht, wie Präsidentin Häring betont: «Alle sollen die gleiche Chance haben, alle sind bereit für das Amt im Gemeinderat. Die Wähler sollen frei entscheiden, wen sie wollen.» In einer Majorzwahl, wo Gesichter wichtiger sind als Parteien, wäre ein solches Vorgehen kaum möglich. Aber Häring ist überzeugt, dass die Aescher grundsätzlich die CVP im Gemeinderat haben wollen. So kann die Partei auf Stimmen zählen, die die Parteiliste einlegen, ohne die Kandidaten zu kennen. «Wir werden sehen, ob die Wähler unsere Strategie goutieren», sagt Häring. Sie hofft auf einen zweiten CVP-Sitz – denkbar ist aber auch, dass die Traditionspartei ganz aus dem Gemeinderat fällt.

FDP auf der Kippe

Denn auch die übrigen Parteien schielen auf einen zusätzlichen Sitz, allen voran die SVP. Vor vier Jahren verpasste sie nämlich mit viel Proporzpech einen zweiten Sitz nur knapp. Gewählt wurde nur Andreas Spindler, der jetzt wieder antritt. «Wir wollen einfach proportional zu unserer Stimmenzahl im Gemeinderat vertreten sein», sagt Parteipräsident Peter Lehner. Den zweiten Sitz soll Nadja Studer holen. Diese ist zwar in Aesch politisch ein unbeschriebenes Blatt. Aber angesichts des schweizweiten Aufwärtstrends der SVP – und weil im Proporzsystem Parteien wichtiger sind als Gesichter – hat sie durchaus Wahlchancen. Die Kandidaten weiter hinten auf der Liste, das räumt er ein, wollen nicht alle gewählt werden. «Aber bei einer Proporzwahl ist es auch nicht unbedingt das Ziel, es beim ersten Anlauf zu schaffen. Man kann sich erst mal bekannt machen, wenn man auf der Liste ist.»

Denkbar ist auch, dass die SVP nicht auf Kosten der CVP, sondern der FDP zulegt. Der dritte Sitz, den diese 2012 nur knapp erreichte, steht jetzt auf der Kippe. Das Ziel der Freisinnigen lautet deshalb, die Position zu halten. Mit einem vierten Sitz hätten die FDP die absolute Mehrheit im Gemeinderat, was für Parteipräsident Cristian Manganiello «unrealistisch» und «überheblich» wäre. Die Freisinnigen haben immerhin den Vorteil, mit drei Bisherigen anzutreten, nämlich mit der Gemeindepräsidentin und ehemaligen Landratspräsidentin Marianne Hollinger, mit Sabrina Häring und Bruno Theiler. «Für uns wäre das Majorzverfahren von Vorteil, um unsere Bisherigen durchzusetzen, weil wir dann auf unsere bekannten Gesichter setzen könnten», sagt Manganiello. Seine Partei wollte bereits mehrfach an der Gemeindeversammlung erreichen, dass Aesch auf Majorz umstellt – vergeblich.

Lachende Vierte könnte bei diesem Proporzgemenge die SP sein. «Ein dritter Gemeinderat wäre natürlich schön», sagt Parteipräsidentin Christine Koch. «Aber realistischerweise verteidigen wir unsere beiden bisherigen Sitze.» Im Gegensatz zu anderen Parteien gibt es auf der SP-Liste keine Hierarchie. Nach den Bisherigen Eveline Sprecher und Paul Svoboda stehen die neuen Kandidaten in alphabetischer Reihenfolge. Koch hofft, dass allenfalls Patricia Büeler oder sie selber einen zusätzlichen Sitz erobern können. Zu verlieren haben die Sozialdemokraten in dieser nicht voraussehbaren Wahl kaum etwas.

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