Die Panik war gross, als im Oktober 2017 die umfangreichen Bauarbeiten beim Schänzlitunnel begannen. Staus und längere Wartezeiten, gar ein kompletter Verkehrskollaps wurden vorausgesagt.

Der Kanton Baselland hat daher ein Mobilitätskonzept ausgearbeitet – die Kosten trägt der Bund. Ziel war, dass zumindest einige Autopendler auf andere Verkehrsmittel umsteigen und so die Spitzen auf der A18 brechen.

In Aesch und Zwingen wurde deshalb das Park-and-ride-Angebot ausgebaut und vergünstigt. Ein weiteres Angebot: E-Bikes werden während der Bauzeit günstiger vermietet. Insgesamt 150 E-Bikes wurden dafür zur Verfügung gestellt. 525 Franken pro Jahr kostet ein langsames Mietvelo, für 915 Franken jährlich gibt es ein Schnelles. «Es gilt die Reihenfolge des Bestelleingangs», heisst es online.

Doch leer ausgehen musste bisher niemand. Im Gegenteil: Von Oktober 2017 bis November 2018 waren jeweils rund 25 bis 30 der 150 E-Bikes vermietet. «Wir gehen davon aus, dass dies auch aktuell in etwa der Fall ist», sagt Nico Buschauer, Sprecher der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD).

Die E-Bikes scheinen mit einer Auslastung von nur rund 20 Prozent also nicht extrem beliebt zu sein. Trotzdem heisst es bei der BUD: «Die Vermietung läuft wunschgemäss.» Die geringe Nachfrage erklärt man sich mit den geringen Verkehrsbehinderungen im Umfeld der Grossbaustelle.

Veloroute zeitgleich mit Baubeginn gesperrt

Kaum überrascht von den Zahlen zeigt sich der Aescher SP-Landrat Jan Kirchmayr. «Zeitgleich mit dem Baubeginn wurde einer der wichtigsten Velowege der Region umgeleitet», erzählt er. Es handelt sich dabei um eine Veloroute entlang der Birs, die ein Jahr gesperrt war. «Dass die Autofahrer da keine Lust hatten, auf das E-Bike umzusteigen, ist klar», sagt Kirchmayr. Schon damals nannte er die Lösung in einer Gastkolumne einen «schlechten Witz».

Es wäre sinnvoller gewesen, die öV-Kapazität auszubauen, findet er. Dazu kam es im Vorfeld der Sanierung zu einem Vorstoss: Die S3 zwischen Basel und Aesch sollte werktags im Viertelstundentakt verkehren. Der Landrat lehnte den Vorstoss jedoch ab.

Trotzdem sei es gut, dass der Kanton versucht habe, gegen den drohenden Stau anzukämpfen, meint Kirchmayr. Doch der Stau, den alle befürchteten, ist nicht gekommen. Wurde zu viel Panik geschürt? «Ich denke schon», sagt Kirchmayr im Nachhinein.

Wurde im Vorfeld zu viel Panik geschürt?

Anders sieht das Martin Dätwyler, der Direktor der Handelskammer beider Basel. Man habe nicht für Panik gesorgt, sondern sachlich und klar Forderungen gestellt. So beispielsweise eine Verkürzung der Bauzeit, die auch erreicht wurde. «Aber natürlich haben wir uns Sorgen gemacht.» Heute ist er mit der Baustelle jedoch zufrieden: «Das Management ist hervorragend», sagt Dätwyler. «Bei der Petition ‹Gegen sieben Jahre Dauerstau› haben wir aber nicht mitgemacht», betont der Handelskammer-Direktor.

Die Petition wurde 2015 von verschiedenen Automobilverbänden, der Wirtschaftskammer Baselland sowie von bürgerlichen Parteien lanciert. Innert kurzer Zeit wurden rund 18'000 Unterschriften gesammelt – 6300 davon vom TCS beider Basel.

Dass es nicht zum vorhergesagten Verkehrschaos kam, hänge auch mit der Petition zusammen, sagt Lukas Ott, Geschäftsführer des TCS beider Basel. «Es ist gut, dass wir die Petition lanciert haben», findet er. «So konnte BUD-Vorsteherin Sabine Pegoraro auch beim Astra Druck machen.» Das habe sich gelohnt, findet Ott: «Es kam zu einer verkürzten Bauzeit. Auch die zusätzliche Schlaufe beim St. Jakob wurde deswegen realisiert.» Er ist sicher: «Wir haben nicht zu viel Panik geschürt.»

Auch der Kanton spricht nicht von Panik: Man sei von Einschränkungen, aber nicht von einer äusserst problematischen Situation ausgegangen, sagt Nico Buschauer. Trotzdem handle es sich in Fällen wie diesen nur um Prognosen. Sicher könne man sich nie sein – es sei daher richtig, auf die möglichen Zustände vorbereitet zu sein. Was in diesem Fall bedeutet, dass nun rund 120 E-Bikes auf einen Mieter warten.