Oberdorf

Da warens nur noch zwei: Sozialhilfebehörde Waldenburgertal schrumpft weiter

Die Gemeinde Oberdorf im Waldenburgertal. (Archivbild)

Die Gemeinde Oberdorf im Waldenburgertal. (Archivbild)

Die Regionale Sozialhilfebehörde Waldenburgertal schrumpft weiter – auch Oberdorf tritt per Ende 2020 aus.

Oberdorf will seine Sozialhilfe wieder auf eigene Beine stellen. Der Gemeinderat hat beschlossen, per Ende 2020 aus der Regionalen Sozialhilfebehörde Waldenburgertal, zu der momentan Bennwil, Hölstein, Niederdorf und Oberdorf zählen, auszutreten. Dies, um Geld zu sparen, schlankere Strukturen und schnellere Entscheidungswege zu schaffen. Damit bröckelt diese Sozialhilfebehörde, die beim Start Anfang 2010 noch sieben Dörfer gezählt hat, weiter. Im Frühling hat schon Bennwil seinen Austritt auf Ende des kommenden Jahres bekannt gegeben.

Divergierende Meinungen wegen Organisation

Oberdorfs Kosten für die Sozialhilfe sind seit 2014 um 645'000 auf 1,6 Millionen Franken im vergangenen Jahr angewachsen. Mehr Fälle generierten höhere Kosten. «Wir haben beobachtet, dass wir Sozialhilfeempfänger anziehen wegen der günstigen Wohnungen und des öV-Angebots», erklärt der Gemeindepräsident von Oberdorf, Piero Grumelli. Deshalb hätten sie sich damals als eine der führenden Gemeinden für die Ausgleichsinitiative für eine gerechtere Verteilung der Sozialhilfekosten unter den Baselbieter Gemeinden starkgemacht.

Oberdorf hat sich in der Regionalen Sozialhilfebehörde Waldenburgertal dafür eingesetzt, diese mit eigenem Personal auszustatten. Hölstein und Niederdorf wollen das System jedoch mit einem professionellen Anbieter weiterführen. Sie seien zufrieden damit. «Die Profis leisten gute Arbeit», gesteht Grumelli. Dieser kritisiert jedoch, dass es für Oberdorf als einzelne Gemeinde schwierig sei, Einfluss zu nehmen in der bestehenden Behörde und bei der Firma.

«Ein eigener Sozialhilfedienst wird nicht günstiger, aber die Wege werden kürzer», sagt Piero Grumelli, der mit 250'000 bis 300'000 Franken rechnet. So viel bezahle Oberdorf auch an die jetzige Organisation. Die 2430-Seelen-Gemeinde registrierte Ende letzten Jahres gegen 140 Fälle. «Damit nehmen wir im Kanton einen Spitzenplatz ein.»

Wie weiter mit Hölstein und Niederdorf?

Für Fritz Kammermann, den Gemeindeverwalter von Hölstein, kommt Oberdorfs Austritt nicht überraschend. Sie seien schon zuvor informiert worden, dass für Oberdorf nur noch eine Lösung mit eigenem Personal infrage komme. Nun müssen sich die zwei noch verbleibenden Gemeinden Hölstein und Niederdorf überlegen, wie es ab 2021 mit ihrer Sozialhilfe weitergehen soll.

«Nach Oberdorfs Austritt ist das bisherige System nicht mehr möglich», hält Kammermann fest. Entweder fänden die zwei Dörfer eine gemeinsame Lösung. Dann müsse aber die ganze Administration mit einer gemeinsamen Behörde neu aufgebaut werden. Oder Hölstein und Niederdorf beschritten wieder den Alleingang, wie vor 2010.

«Wir beschäftigen uns gegenwärtig mit allen Optionen, wobei die Variante mit eigenem Personal kein Thema, sondern weiterhin ein Dienstleistungsauftrag vorgesehen ist», ist für Hölsteins Gemeindeverwalter klar. Die steigenden Kosten im Sozialbereich seien primär eine Folge der zunehmenden Fälle, so Fritz Kammermann, und weniger wegen hoher Administration.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1