Sascha Jäger traute wohl seinen Augen nicht. Da tummelte sich am Mittwochnachmittag bei «seinem» Kraftwerk ein Kajakfahrer im Wasser, gleich hinter der Staumauer. Dabei könnten sich die Wehre jederzeit öffnen – die Person im roten Böötlein befand sich in Lebensgefahr. Der Kraftwerkdirektor griff sofort zum Telefon. Die Polizei schickte ein Boot los. Minuten später war es beim Kajak angelangt. Der Fahrer musste seine Personalien hinterlegen und wurde weggewiesen.

Der Fehlbare sagte laut Jäger zu den Polizisten, er habe die Verbotsschilder am Ufer schon gesehen. Er sei jedoch vor das Wehr gefahren, um dort «ein wenig zu chillen», das sei doch nicht gefährlich. Für Jäger völlig unverständlich: «Wie kann man derart ignorant sein?» Es sei bereits der vierte Vorfall, den er beobachtet habe in der noch jungen Badesaison. Seine Mitarbeitenden würden ebenfalls regelmässig Zeuge von haarsträubenden Beobachtungen.

Wasserwalze würde Boot verschlucken

Das Problem seien die Wehre, sagt Jäger. Sie könnten sich automatisch öffnen, etwa nach Maschinenstörungen oder bei Überlastungen des Stromnetzes. «Innert Sekunden ergiessen sich dann mehrere Hunderte Kubikmeter Wasser in die Zone», sagt Jäger. «Es herrscht Lebensgefahr. Wer in den Wasserstrom gerät, kommt kaum wieder heil heraus.»

Der Rhein führte in den vergangenen Wochen viel Wasser. Selbst beim Schwimmen in den erlaubten Zonen kam es zu Vorfällen. Am vergangenen Sonntag ertrank ein Mann, in der Woche zuvor konnten zwei entkräftete Schwimmende gerade noch gerettet werden. Noch immer vermisst wird ein Mann, der Ende Juni bei der Dreirosenbrücke unter Wasser geraten war.

Das Kajak vom Wehr wegbegleitet hat am Mittwoch ein Boot der Kantonspolizei Basel-Stadt. Es fuhr kurz vor 17 Uhr los, wie Mediensprecher Toprak Yerguz bestätigt. Die Personalien des Kajakfahrers wurden danach jedoch den Kollegen aus dem Landkanton übergeben – denn man habe festgestellt, dass sich das Boot, als man es antraf, auf der Baselbieter Seite des Rheins befand. Die Kantonsgrenze verläuft beim Kraftwerk Birsfelden in der Mitte des Flusses.
Die Baselbieter Polizei konnte gestern auf Anfrage keine Auskunft darüber erteilen, ob es beim Kontrollierten bei einer Verwarnung bleibt oder ob er mit einer Busse rechnen muss. Die für den Fall zuständige Person war abwesend.

Wasserfahrer meiden die Zonen

Die Polizei Baselland besitzt selber zwei Boote auf dem Rhein. Doch die sind oberhalb des Kraftwerks stationiert, hätten also für ein Eingreifen zuerst die Schleuse passieren müssen, was lange dauern kann.

Die Verbotszone ist ausgeschildert und beginnt rund hundert Meter vor und nach dem Stauwehr. Dort ist auch Schwimmen streng untersagt.

Auf dem Stausee trainieren mehrere Wasserfahr-Vereine, am deutschen Ufer hat der Ruderklub Grenzach sein Vereins-Häuschen. Mit den organisierten Wassersportlern habe man aber kaum je Probleme, sagt Kraftwerk-Direktor Jäger: «Die kennen die Situation und wissen genau, wo es gefährlich ist.» Der ruhige Stausee, aber auch die Zone unterhalb der Staumauer seien verlockend. «Mit geschlossenen Wehren ist das Wasser idyllisch ruhig. Die Laien meinen dann, das sei eine besonders gute Stelle, um mit dem Boot dort hinzufahren oder schwimmen zu gehen.»

Es sei bekannt, dass das Kraftwerk tabu sei, sagt Susanne Plüss, Präsidentin des Kanu-Clubs Basel, zur bz: «Alle, die auch nur ein wenig Selbsterhaltungstrieb haben, fahren nicht vor oder hinter das Wehr.» Die Mitglieder des Kanu-Clubs würden über die Gefahren aufgeklärt. Dazu gehöre auch, gewisse Brückenpfeiler zu meiden. Zudem herrsche Schwimmwesten-Tragepflicht. Plüss schätzt, dass an schönen Tagen bis über hundert Wassersportler auf dem Rhein unterwegs seien. «Es hat leider auch einige Ungeübte und Unvorsichtige darunter.»