Der mehrheitlich bürgerliche Kanton Baselland wurde in den vergangenen zwölf Jahren von einem Sozialdemokraten – dem Binninger Claude Janiak – im Ständerat vertreten. Das soll sich am 20. Oktober ändern: FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger soll den einzigen Stöckli-Sitz des Landkantons wieder ins bürgerliche Lager holen. «Ein nicht ganz einfaches Unterfangen», wie Michael Herrmann, Schneebergers Wahlkampfleiter und ehemaliger Baselbieter FDP-Chef, am Donnerstag an einer Medienkonferenz unumwunden zugab.

Zwar ist die Unterstützung für die Thürnerin bei der FDP und SVP ungeteilt, doch wie sich die CVP verhalten wird, ist noch unklar: Sie wird heute Abend im Rahmen eines Hearings mit allen vier Kandidierenden über eine offizielle Unterstützung der Partei entscheiden.

Nicht abgehoben, sondern nahe bei den Leuten

Zumindest ein CVPler macht sich an vorderster Front für Schneeberger stark: Der Laufner Landrat und KMU-Laufental-Präsident Marc Scherrer lobt die Treuhänderin als «waschechte Gewerblerin» und Praktikerin, die den Alltag der KMU nicht nur vom Hörensagen kenne, sondern mittendrin steht. «Daniela Schneeberger kennt alle, umgekehrt geht man gerne auf sie zu.»

Der Reinacher Klaus Endress argumentierte ähnlich: In der Politik gebe es zuwenige Unternehmer. «Daniela Schneeberger ist eine solche Unternehmerin, die nicht abgehoben, sondern nahe bei den Leuten ist.» Die ehemalige Präsidentin des Gewerbevereins Sissach und Turnerin ist im Oberbaselbiet auch an geselligen Anlässen anzutreffen. SVP-Nationalrätin Sandra Sollberger lobte ihre freisinnige Ratskollegin als sachorientierte Politikerin, die «nicht krampfhaft die mediale Aufmerksamkeit sucht und sich nicht mit banalen Themen inszeniert.»

FDP-Parteipräsidentin Saskia Schenker findet, dass es «breit aufgestellte Macherinnen» mit einem grossen Rucksack wie Daniela Schneeberger im Ständerat brauche. Schneeberger setze sich zum Beispiel sowohl für den Ausbau des Strassennetzes als auch für den öffentlichen Verkehr ein, sagte Schenker. Zuvor hatte die 51-Jährige in einem rund einminütigen Wahlkampf-Videoclip ein Bekenntnis zu einer «klugen, ökologischen Mobilität» abgegeben und sich selber als «Baselbieterin aus Überzeugung» und «moderne Frau einer neuen Generation» bezeichnet.

«Lenkungswirkung wird nicht erreicht»

In der Fragerunde hakten die Journalisten bei Schneebergers umwelt- und verkehrspolitischen Positionen nach, schliesslich dürfte die Klimadebatte auch den angelaufenen nationalen Wahlkampf prägen. Die Klimapolitik gehöre nicht den Grünen, betonte Schneeberger. Als Freisinnige setze sie sich für eine nachhaltige Innovation und Forschung ein. Von einer Abgabe auf Flugtickets und fossile Treibstoffe, wie sie aktuell auf Bundesebene diskutiert wird, will Schneeberger allerdings nichts wissen. Dies im Gegensatz einer knappen Mehrheit ihrer Partei.

«Das eigentliche Ziel, eine Lenkungswirkung zu entfalten, wird mit dieser Abgabe nicht erreicht. Die Sommerferien haben es wieder gezeigt: Die Leute fliegen – Klimawandel hin oder her.» Schneeberger setzt auch hier auf Freiwilligkeit und Eigenverantwortung.

Selber fliegt die begeisterte Mountainbikerin übrigens «ganz selten», wie sie betonte. Sie mache sehr gerne Ferien in der Schweiz, bei Auslandreisen – wie jüngst in den Osten Deutschlands, nimmt Schneeberger den Zug: «Dann kann ich ohne Probleme das Velo mitnehmen, mit dem ich dann vor Ort unterwegs bin.»

«Viele Führungspositionen in KMU von Frauen besetzt»

In der Klimapolitik sind die Differenzen von Schneeberger zu ihren schärfsten Kontrahenten Eric Nussbaumer (SP) und Maya Graf (Grüne) offensichtlich. Doch auch bei anderen wichtigen Themen wie dem Verhältnis zur EU oder der Gleichstellung vertritt die Freisinnige eine andere Haltung: Den bilateralen Weg wolle sie sichern und verbessern. «Andere wollen der EU beitreten, ich will das nicht», stellte die Oberbaselbieterin klar.

Zur Frauenförderung äusserte sie sich differenziert: Missstände im grossen Stil mag Schneeberger nicht mehr erkennen. «Heute sind gerade in den KMU viele Führungspositionen von Frauen besetzt.» Auch ihr eigenes Beispiel zeige, dass man als Frau heute alles erreichen könne. Gleichzeitig setzt sich die Treuhänderin für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen ein, etwa die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie.