Schifffahrt

Dank den Amerikanern boomen die Hotelschiffe auf dem Rhein

Eine Aussicht, die vor allem Amerikanern gefällt: Auf Kreuzfahrtschiffen fahren sie durch Basel.

Eine Aussicht, die vor allem Amerikanern gefällt: Auf Kreuzfahrtschiffen fahren sie durch Basel.

Statt Bus, Zug, Flugzeug oder Auto wählen sie das Schiff. Vor allem bei amerikanischen Senioren liegt die gemächliche Reiseform im Trend: Flusskreuzfahrten. Auch auf dem Rhein: Jedes Jahr legen mehr Hotelschiffe in Basel an.

Das Unternehmen River Advice an der Nauenstrasse in Basel managt derzeit 35 der total 250 Flusskreuzfahrt-Schiffe Europas. «2013 werden wir eine Million Übernachtungen auf den von uns betreuten Schiffen zählen – gleich viele wie Basel Tourismus in einem Jahr», sagt CEO Robert Straubhaar (51). Für ihn war klar, dass das Unternehmen nur in Basel mit seiner Tradition als Hafenstadt seinen Sitz haben konnte.

Umsatz verdreifacht

Vor acht Jahren hat er mit dem holländischen Catering- und Operation-Spezialisten Robert Heijlands die River Advice als Zweimann-Betrieb gegründet. Das Unternehmen entwickelt Projekte für die Flusskreuzschifffahrt und übernimmt in der Regel das Management und der vollständige Betrieb von Schiffen. Dazu gehört das nautisch-technische Management des Schiffs wie das Hotel- und Catering-Management inklusive Personal bis zur Entwicklung und der Baubegleitung neuer Schiffe, ihrer Finanzierung und dem Abschluss aller Versicherungen.

Mit 75 Mitarbeitenden in der Basler Zentrale und rund 1200 eigenen Mitarbeitenden vom Zimmermädchen, Kellner bis zum Matrosen und Kapitän auf den Schiffen sowie eigenen Büros in Basel, Zug und Limassol (Zypern) steht River Advice heute an der Spitze der Dienstleistungs-Unternehmen für Flusskreuzfahrten in Europa. Laut Straubhaar machte das Unternehmen im ersten Jahr 350000 Franken, im zweiten Jahr bereits 1,2 Millionen Franken Umsatz. Heute stehe man vor der Grenze zum 100-Millionen-Franken-Umsatz. Das Unternehmen verdient sein Geld über eine Management-Gebühr (60000 bis 90000 Euro pro Schiff und Jahr für Nautik und Technik) sowie über Einnahmen mit Hotel/Catering-Services und Beratung.

Daniel Thiriet, Direktor des Konkurrenten Sea Chefs (Schweiz) in Basel, bestätigt die starke Stellung von River Advice. «Straubhaar ist ein toller Stratege», sagt Thiriet. Er betont, dass diese Entwicklung ohne den starken Boom der Flusskreuzschifffahrt nicht möglich gewesen wäre. Laut Straubhaar wächst der Markt seit Jahren in Europa um etwa fünf Prozent. Auch Basel boomt: Letztes Jahr brachte die Fahrgastschifffahrt über 108000 Passagiere in die Rheinstadt, das sind knapp 13 Prozent mehr als 2010.

Viele Passagiere aus den Staaten

Als Grund für den Boom führen Straubhaar wie Thiriet die grosse Zahl von Passagieren aus den USA und Australien an: Sie wollen nicht mehr per Bus durch Europa fahren, sondern die Städte und Landschaften per Schiff ansteuern. Zum Boom beigetragen hat, dass die heutigen Flusskreuzfahrtschiffe viel luxuriöser als früher sind. Mit einem Ende der grossen Nachfrage rechnet Straubhaar nicht, weil die Zielgruppe der sogenannten «Best Agers» (55 Jahre plus) weiter zunehme und die Flusskreuzschifffahrt im Gegensatz zum Meer noch immer wenig bekannt sei. In der Schweiz sind die Reiseveranstalter Mittelthurgau und Thurgau Travel mit ihren Angeboten für Flusskreuzfahrten führend.

Einen solchen Erfolg im Berufsleben hat sich der Brienzer Straubhaar nicht vorgestellt, als er mit 15 Jahren «etwas von der Welt sehen wollte» und als Schiffsjunge auf einem Rheinschiff anheuerte. Bei der damaligen Schweizer Reederei & Neptun AG machte er von 1977 bis 1990 eine Laufbahn vom Matrosen, Kapitän bis zum Betriebsleiter.

Alsbald stieg er bei der Viking River Cruises AG in die Flusskreuzschifffahrt ein. Diesem Segment blieb er bis heute treu – unter anderem auch 2005 und 2006 als Präsident der Basler Personenschifffahrts-Gesellschaft. Mit einer Ausnahme: 2001/2002 wirkte er als CEO beim Aufbau des Kultur- und Kongresszentrums Luzern (KKL) mit. Straubhaar ist ein guter Kommunikator und ein effizienter Macher. Er lässt sich von den guten Resultaten seiner Firma nicht blenden. «Wenn wir jährlich 15 bis 20 Prozent wachsen, der Markt aber nur fünf Prozent, wird früher oder später die Nachfrage stagnieren», sagt er.

Zusammenarbeit mit Amerikanern

Darum hat der Stratege, der als Oberstleutnant das Pontonier-Bataillon 25 kommandierte, River Advice auf eine breitere Grundlage gestellt: Per 1.November hat sich die River-Advice-Gruppe mit der US-Firma International Shipping Partners (ISP) zur Holding Fleet Pro Passenger Ship Management (Zug) zusammengeschlossen. Die ISP hat 1100 Mitarbeitende und betreibt 20 Passagierschiffe auf dem Ozean, hauptsächlich im Expeditionsbereich zum Beispiel Richtung Arktis und Antarktis.

Zug wurde aus steuerlichen Gründen und der internationalen Ausstrahlung wegen als Holdingsitz gewählt. Dank der Finanzierung durch die holländische Waterland Private Equity, dem neuen Mehrheitsaktionär, wurde der Zusammenschluss möglich. «Wir verfügen heute über eine Flotte mit über 50 Fluss- und Hochsee-Kreuzfahrtschiffen (11000 Betten) auf allen Gewässern weltweit», sagt Straubhaar, der zusammen mit Heijlands ein massgeblicher Aktionär bleibt. Künftig würde er gerne auch Schiffe in Südostasien, zum Beispiel auf dem Fluss Mekong, managen.

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