Standortförderung

Das Areal Salina Raurica braucht noch Zeit, bis sich Firmen ansiedeln

Coop hat eine Produktionsstätte und ein Logistikzentrum hochgezogen – ansonsten ist es auf dem Entwicklungsgebiet Salina Raurica eher still.

Coop hat eine Produktionsstätte und ein Logistikzentrum hochgezogen – ansonsten ist es auf dem Entwicklungsgebiet Salina Raurica eher still.

Der Pharmakonzern Biogen hat sich bei der Wahl seines neuen Standorts nicht für Salina Raurica im Baselland entschieden. Thomas Kübler, der Leiter der neu gegründeten Dienststelle Standortförderung, erläutert, wie er zukünftige Flops verhindern will.

Thomas Kübler, ab kommendem Jahr sind Sie offiziell kantonaler Standortförderer. Sie werden aber selber auch noch gefördert: Ihre Einzelfirma ist im Business Parc Reinach domiziliert – dieser fungiert als Starthilfe für Jungunternehmen.

Thomas Kübler: Ein spannender Vergleich. Aber da muss sich gleich einschränken: Ich bin keine geförderte Firma.

Was dann?

Die Trägerkantone des Business Parcs unterstützen Leute, die sich selbstständig machen wollen, mit einer kostenlosen Erstberatung. In meinem Fall war das Solothurn. Als ich mich vor rund dreieinhalb Jahren selbstständig machte, hatte ich ein Interview mit dem Business Parc. Bei diesem ging es darum, mein Geschäftsmodell genauer anzuschauen. Ich bin mit Kübler Economics (er bietet Unternehmensberatung an, Anm. d. Red.) im Business Parc eingemietet, aber die Miete ist marktkonform. Die Idee der Business Parcs ist es, dass ihr Betrieb selbsttragend ist.

Worauf wir mit der Business-Parc-Feststellung hinaus wollten: Sie wissen aus eigener Erfahrung, wie Start-ups gefördert werden können. Da müsste dies auch mit einem Kanton funktionieren.

Ich profitiere von einem Netzwerk, das mir der Business Parc bietet. Dann nehme ich auch diverse Angebote in Anspruch, etwa das gemeinsame Sekretariat mit Telefon- oder Postdienst. Für mich alleine wären diese Dienstleistungen zu teuer, aber ich teile sie mit den anderen Mietern. Dieses Prinzip kann man durchaus auf den Kanton übertragen: Alle Angebote aus einer Hand. Und auch der Kanton muss nicht immer alles selber machen. Er soll mit Partnern zusammen arbeiten, Aufgaben delegieren, Dienstleistungen gemeinsam anbieten. Die Schnittstellen müssen einfach sauber sein.

Apropos Schnittstellen: Sie werden Leiter der neu gegründeten Dienststelle Standortförderung, in der die Wirtschaftsförderung und die Wirtschaftsoffensive des Kantons aufgehen. Wie wollen Sie verhindern, dass Sie sich zu stark mit Basel Area überschneiden, der Wirtschaftsförderung für die Nordwestschweiz, bei der Baselland auch Träger ist, neben den Kantonen Basel-Stadt und Jura sowie dem aargauischen Fricktal?

Basel Area hat eine andere Aufgabe als die Standortförderung des Kantons. Basel Area hat den Auftrag, die Nordwestschweiz und ihre Vorteile im Ausland bekannt zu machen – es ist sozusagen das Instrument für den Aussenauftritt der Träger. Im Innenverhältnis muss dann das beste Angebot zum Zug kommen. Innerhalb der Nordwestschweiz sollte es unter den Teilregionen keine Konkurrenz geben.

Wir sehen da sehr wohl Überschneidungen. Zumindest die Wirtschaftsoffensive, die ja nun mit der Standortförderung verschmolzen wird, hatte ähnliche Ziele wie Basel Area: Baselland im Ausland bekannt machen.

Die Aufgabe der Wirtschaftsoffensive war nicht die Akquisition von Firmen im Ausland, und ich sehe da auch heute keine Konkurrenz. Werbeauftritte im Ausland gehören sicher nicht zu unseren Kernaufgaben – auch wenn ich da noch nicht zu stark vorgreifen will, ich bin ja erst ab kommendem Jahr im Amt.

Was bezeichnen Sie als Kernaufgabe der Standortförderung?

Die Ansiedelung und das Marketing für den Kanton als Wirtschaftsraum gehören dazu, klar. Aber es geht auch um die Entwicklung und das Definieren von Arealen, die Bestandespflege, das Führen einer Areal-Datenbank, einen Welcome-Desk – alles, was heute schon gemacht wird. Unser Anspruch ist, dass die «Kunden», wenn man sie so nennen mag, vom ersten bis zum letzten Moment betreut werden, also von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Baubewilligung. Die Verschmelzung von Wirtschaftsförderung und der Wirtschaftsoffensive sehe ich als grosse Chance: Künftig sind alle Dienstleistungen unter einem Dach vereint.

Als Antrittsgeschenk müssen Sie mit weniger Geld auskommen als einer Ihrer Vorgänger: Marc-André Giger hatte bei der Wirtschaftsoffensive eineinhalb Millionen Franken pro Jahr zur Verfügung – der Regierungsrat hat aber erst im Juni beschlossen, dass per 2016 eine halbe Million abgezwackt wird.

Da ich neu bin, habe ich den Vorteil, dass ich bei 100 Prozent starten kann. Ich möchte aber das Finanzielle nicht so stark in den Vordergrund rücken. Die Standortförderung ist als Stabsstelle organisiert – das heisst, wir werden direkt unter dem Regierungsrat angesiedelt. Das betont, dass wir höchste Priorität geniessen. Wir haben hohes Gewicht.

Ein Areal, das Sie stark beschäftigen wird, ist Salina Raurica bei Pratteln. Bisher ist dort nicht viel gelaufen, wenn man von der Ansiedelung von Coop absieht.

Das würde ich so nicht sagen. Das Areal braucht noch ein wenig Zeit. Man hat nun Potenziale identifiziert und aufgezeigt, was möglich wäre. Der Teil West ist grösstenteils mit Coop belegt. Der Teil Ost ist in Kürze bereit, beplant zu werden. Dort kann man bald akquirieren.

Dem Kanton Solothurn ist es kürzlich gelungen, Biogen an Land zu holen. Das Unternehmen erstellt auf dem Gelände der ehemaligen Cellulosefabrik Attisholz in Luterbach eine Medikamenten-Produktionsanlage mit rund 400 neuen Arbeitsplätzen. Solothurns Erfolg wurde Baselland als Niederlage ausgelegt.

Biogen hätte auch zu Salina Raurica und in unsere Region gepasst – kein Zweifel. Wir haben hier ein Life-Sciences-Cluster, mit Biotechnologie, Nanotechnologie, Pharma, aber auch Produktion: Das sind unsere Stärken. Aber den Kanton Solothurn darf man auch nicht unterschätzen: Er hat einen starken Medtech-Bereich. Die Region dort ist nicht ab von der Welt. Die Standortwahl von Biogen hat eine gewisse Logik.

Trotzdem: Biogen hätte nach Salina Raurica gepasst – geklappt hat es nicht.

Fakt ist: Biogen hat auch in anderen Kantonen und ausländischen Standorten abgesagt. Klar ist aber auch: Salina Raurica war noch nicht so weit für die Ansprüche, die Biogen gestellt hat. Es braucht noch ein wenig Zeit.

Was ist, wenn morgen eine Anfrage vom Kaliber Biogen kommt?

Was es braucht, ist ein Commitment von allen Grundeigentümern – egal, um welches Areal es sich konkret handelt. Das Land muss in kurzer Zeit zur Verfügung stehen. Käme so eine Anfrage, müsste man rasch reagieren, es bräuchte rasch ein fixfertiges Angebot. Wir müssen schon jetzt ein Szenario durchspielen mit allen Beteiligten. Eine Ansiedelung darf nicht an Detailfragen scheitern.

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