Eins. Eins. Eins. Eins. Eins. Das ist kein binärer Code, sondern die neue Verteilung der Regierungsratssitze auf die fünf grössten Baselbieter Parteien. Die bisherigen Exekutivmitglieder von SVP, FDP, CVP und Grüne erhalten mit Kathrin Schweizer eine Vertreterin der SP zur Seite gestellt. Das ist nicht überraschend.

Wie souverän allerdings Schweizer direkt auf Platz drei stürmte, lässt aufhorchen. Die Muttenzer Gemeinde- und Landrätin holte 37 187 Stimmen und lief von der Verkündigung der ersten ausgezählten Gemeinden an nie Gefahr, die Wahl zu verpassen. «Daran sieht man, dass die Baselbieter Bevölkerung die SP nicht nur zurück in der Regierung haben wollte, sondern dies als starke Kraft», sagt SP-Präsident Adil Koller. Normalerweise hätten neu Antretende gegen bisherige Regierungsräte einen schweren Stand und würden meist Fünfte. Koller weiss, dass Rot-Grün in der Regierung weiter in der Minderheit ist. Aber: «Ich erhoffe mir zumindest einen Bruch der absoluten bürgerlichen Dominanz der letzten Jahre.»

Kathrin Schweizer: "Einzelne Ausrutscher, aber sonst fairer Wahlkampf"

Kathrin Schweizer: "Einzelne Ausrutscher, aber sonst fairer Wahlkampf"

Lauber fast von Reber besiegt

Geschlagen wurde Schweizer nur von Anton Lauber (CVP) und Isaac Reber (Grüne). Die beiden Bisherigen lieferten sich gestern ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Am Ende obsiegte Finanzdirektor Lauber und wiederholte damit seinen Spitzenplatz von 2015: «Ich bin sehr zufrieden, gerade vor dem Hintergrund der schwierigen finanziellen Situation, in der sich der Kanton in den vergangenen Jahren befand.» Ein Selbstläufer sei es nicht gewesen, meint Lauber, schliesslich habe er sich durch den Sparkurs etwa beim Staatspersonal nicht nur Freunde gemacht.

Bei Sicherheitsdirektor Reber ist diese Frage noch nicht abschliessend geklärt. Lächelnd weicht er jeweils aus, ob er als grüner Raumplaner nicht die frei werdende Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) übernehmen will. Er freute sich vorderhand über sein starkes Wahlresultat, das er nicht nur dem Megatrend Klimawandel, sondern auch der guten Kriminalitätsstatistik Baselland zuschreibt.

Dass Monica Gschwind (FDP) hinter Schweizer nur auf Rang 4 landete, schien die Vorsteherin der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion gestern nicht zu stören: «Ich habe mit einem sehr guten Resultat von Kathrin Schweizer gerechnet. Bei Wahlen kann alles passieren, doch jetzt spüre ich, dass die Bevölkerung meine Arbeit anerkennt.» Auch bei der Lehrerschaft habe sie Vertrauen schaffen können, nicht zuletzt dank der angekündigten Lehrmittelfreiheit.

Kämpfer sinniert über Rücktritt

Den letzten Regierungssitz schnappte sich Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektor Thomas Weber (SVP). Er liess den neu antretenden Parteikollegen, Nationalrat Thomas de Courten, zwar deutlich hinter sich, doch wirkte er von allen Gewählten am ernüchtertsten. «Ich wäre gerne weiter vorne gelandet», sagt er. Für ihn spielte vor allem der Konkordanz-Gedanke eine Rolle. So habe wohl mancher Wähler, der die SP wieder in der Regierung sehen wollte, gleich ganz auf die Nennung von SVP-Kandidaten verzichtet. Weber redet Klartext: «Wenn ich als einziger SVP-Kandidat angetreten wäre, wäre ich wohl weiter vorne gelandet.»

Das Scheitern der Spitalfusion wollte er nicht zu hoch bewerten. SVP-Präsident Oskar Kämpfer hingegen glaubt durchaus, dass dies eine Rolle spielte und es Weber in der Wählergunst geschadet habe. Auch dass de Courten scheiterte und nur knapp das absolute Mehr erreichte, lässt Kämpfer nicht kalt.

Als Wahlkampfleiter des bürgerlichen Teams will er die Niederlage aber nicht allein auf seine Kappe nehmen. Dementsprechend sei es zu früh, um seinen Rücktritt anzukündigen. Aber: «Es ist kein Geheimnis, dass ich nicht mehr der Jüngste bin. Entscheide, wie sich die SVP für die nächsten Jahre aufstellen will, sind intern bereits gefallen. Doch das kommunizieren wir nicht heute.»