«Die vergangenen Tage habe ich sehr gelitten», sagt EVP-Landrätin Priska
Jaberg offen. Die Bubendörferin hatte am Sonntag mit 1263 Stimmen im Wahlkreis Liestal ein Spitzenergebnis erzielt, das locker zur Wiederwahl gereicht hätte. Doch das Baselbieter Wahlsystem hatte etwas dagegen. Es berücksichtigt nicht nur den eigenen Wahlkreis, sondern ermöglicht Mandats-Verschiebungen innerhalb einer Wahlregion, etwa wenn die Wahlbeteiligungen sehr unterschiedlich ausfallen.

Jaberg hatte dabei am meisten Pech von allen: Sie holte von allen EVP-Kandidaten des Kantons die meisten Stimmen, musste ihren Sitz aber Parteikollegin Irene Wolf abgeben. Die Füllinsdörferin aus dem Wahlkreis Pratteln ist die Gewählte mit den wenigsten Stimmen überhaupt: 293. «Es fällt mir schwer, dieses System zu akzeptieren», sagt Jaberg denn auch.

Steinemann erneut im Glück

Und sie ist nicht alleine: Drei weiteren Kandidaten erging es gleich, auch wenn die Stimmendifferenzen nirgends sonst derart auffällig sind. Dies zeigen die am Mittwoch publizierten detaillierten Wahlergebnisse. Ein Glücksnest scheint dabei Füllinsdorf zu sein, denn die wie Wolf dort wohnende grünliberale Landrätin Regula Steinemann erbte ebenfalls einen Sitz. Ohne das Wahlkreis-Wechselsystem hätte es Parteikollege Manuel Ballmer aus Lupsingen geschafft. Das Besondere: Steinemann hatte bereits 2015 dem Wahlkreis Liestal einen GLP-Sitz weggeschnappt. Damals auf Kosten von Gerhard Schafroth. 2019 profitierte der Wahlkreis Pratteln doppelt, weil die Wahlbeteiligung mit 30,3 Prozent im Vergleich zu Liestals 37,4 Prozent erheblich tiefer war.

Neben der Wahlregion 3 gab es auch in der Region 2 zwei Verschiebungen zugunsten eines Wahlkreises. Reinachs 31,1 Prozent Wahlbeteiligung reichten nur, um acht der zehn zustehenden Mandate direkt zu holen. Der Bisherige Daniel Altermatt (GLP) aus Münchenstein musste so Christina Wicker-Hägeli aus Aesch Platz machen. Und im Wahlkreis Laufen durfte sich der Grüne Angelo Bolzern aus Wahlen nur kurz freuen, da sein im direkten Proporz gewonnener Sitz zu Parteikollege und Wald-Reiniger Marco Agostini nach Pfeffingen wanderte.

SVP dieses Mal eher mit Pech

«Viele EVP-Kollegen dankten mir, dass die Partei dank meinen vielen Stimmen überhaupt erst den Sitz habe halten können. Ich muss also für die Partei denken, doch mir persönlich bringt das natürlich nichts», sagt Jaberg. Sie habe es auch noch immer nicht fertig gebracht, mit Irene Wolf darüber zu sprechen. «Dabei weiss ich, dass sie natürlich nichts dafür kann.» Die 52-Jährige begräbt mit dieser bitteren Erfahrung generell ihre Landratsambitionen: «2023 wäre ich 57 und ich habe mich immer gegen die Überalterung des Landrats eingesetzt. Daran halte ich mich nun.»

2015 sprachen alle Parteien auch vom Proporzglück der SVP, die in drei der vier Wahlregionen das jeweils letzte Restmandat abstaubte. 2019 hingegen teilen sich die EVP (Region 1), SVP (Region 2), SP (Region 3) und FDP (Region 4) dieses Glück. Insgesamt holte sich die FDP über alle Verteilrunden und Wahlregionen gesehen drei Restmandate, SP, Grüne und EVP deren zwei, und SVP und CVP eines.