Nur noch ambulant

Das Ende einer Ära: Letzte stationäre Patienten verlassen das Spital Laufen

Allem Widerstand zum Trotz: Gestern Dienstag wurde auch der dritte Stock des Spital Laufen geräumt, die letzten vier Reha-Patienten ins Bruderholz verlegt. Damit bleiben fast nur noch ambulante Angebote in Laufen. Die bz traf an diesem Tag auf traurige Patienten und nostalgisches Personal.

Für Lucie Straumann schliesst sich ein Kreis. Die 84-jährige Schwarzbübin sitzt im dritten Stock des Kantonsspitals Baselland (KSBL) in Laufen in ihrem Rollstuhl und wartet. «Vor drei Wochen hatte ich einen Unfall. Ich stürzte. Drei Brüche», erzählt sie der bz. Vom Spital Dornach sei sie vor eineinhalb Wochen nach Laufen verlegt worden. Reha. «Mein Becken schmerzt, und in den Beinen habe ich kaum Kraft», so die Seewnerin.

Obwohl die Rehabilitation noch mehrere Wochen dauert, stehen neben der Rentnerin gepackte Taschen. Sie wird ins Bruderholzspital verlegt. Straumann gehört zu den letzten vier Reha-Patienten, die an diesem Dienstag das Spital Laufen verlassen müssen. Danach ist Lichterlöschen im dritten Stock. «Schade, mir gefiel es hier. Im Bruderholzspital bin ich dann im neunten Stock. Ob ich da die schöne Natur so gut sehen kann?»

Nur noch Schmerzpatienten da, aber nicht mehr lange

Der zweite Stock steht schon leer, seit die medizinische Abteilung im März an den Standort Liestal verschoben worden ist (bz berichtete). Dafür kam die Reha vom Bruderholz nach Laufen, um dort das Covid-Referenzspital zu ermöglichen. Nun zieht sie wieder zurück. Nicht so die Innere Medizin. Der Grund: die Transformation des Spitals Laufen in ein ambulantes Gesundheitszentrum.

So verbleiben ein paar eingemietete Angebote im ersten Stock und das Ambulatorium mit der Notfallstation im Erdgeschoss. Stationär war einmal. Bloss das Schmerzzentrum mit kleinen Gruppen, die jeweils drei Wochen bleiben, darf noch solange hier sein, bis es auch dafür im Bruderholz Platz hat. Frühling bis Sommer 2021 lautet die aktuelle Schätzung des KSBL.

An der Tür von Lucie Straumann klopft es. Es ist Pflegefachmann Stefan Steiner, eine Institution in der Institution. 1975 habe er hier in Laufen angefangen. «Ich dachte wirklich, dass ich auch hier pensioniert werde», so der 62-Jährige. Jetzt sagt er: «Dafür mache ich jetzt hinter mir die Türe zu. Ich möchte der Letzte sein, der den dritten Stock verlässt.» Dieser Wunsch wird Steiner erfüllt.

Zusammen mit den letzten beiden Pflegerinnen, die hier ihre Ausbildung gemacht haben, begleitet er Lucie Straumann und eine weitere Reha-Patientin zum Lift: «Zum letzten Mal in den Lift. Alles zum letzten Mal», murmelt er. Unten auf dem Parkplatz wartet der Patiententransport der Sanität.

«Auszug aus Ägypten», sagt die Rentnerin trocken, als sich die Lifttüre öffnet. Sie bedauere vor allem für das Personal, aber auch die Laufentaler Bevölkerung, dass das Spital Laufen aufgegeben wird. «Die Distanzen werden immer grösser. Zum Glück habe ich noch das Spital Dornach.» Das kann Steiner nicht trösten. «Das geht ans Herz, nach so langer Zeit.»

Auch Personal hadert mit dem Abbau in Laufen

Schon eineinhalb Stunden vor Straumann fand der letzte Liegendtransport statt. Der ältere Herr möchte sich nicht zum Ende des stationären Angebots äussern. «Das regt ihn zu sehr auf», sagt Steiner. Als zwei Sanitäter kommen, um ihn hinauszuschieben, sagt er doch etwas: «Seit 30 Jahren komme ich hierher in Behandlung. Das jetzt hätte nie passieren dürfen.»

Diesen Frust kann auch Ruth Boutellier verstehen. Die Leiterin des Pflegedienstes arbeitet schon 35 Jahre am KSBL, hauptsächlich im Bruderholz, aber auch hier. «Ich verstehe nicht, wieso man das Bruderholzspital teuer saniert, während man das bereits vor fünf Jahren sanierte Spital Laufen aufgibt.» Gespenstisch ruhig ist es in den menschenleeren Gängen. Überall stehen Gerätschaften zum Abtransport bereit, ganze Reihen von kleinen Rollwagen mit Laptops: Laufen war Pilotspital für Lean Management, also dem Protokollieren im Patientenzimmer statt im Ärztebüro. Nahe bei den Menschen. Diese Zukunft ist nun weit weg.

Dabei wäre alles noch funktionsfähig. Während des Lockdown war der Kanton plötzlich wieder froh, so viel Platz zu haben, verlagerte die Reha und auch Akutpatienten nach Laufen. «Alles wurde hochgefahren, da war es kurz wieder fast wie früher», schwärmt Steiner. Tempi passati. Die Gegenwart heisst ambulantes Gesundheitszentrum mit 24-Stunden-Notfall im alten Spital, die Zukunft Neubau in Bahnhofsnähe.

Corona verhindert würdigen Abschied

Corona sorgte nicht nur für die kurze Wiederbelebung des Spitals, es verhindert auch eine angemessene Verabschiedung. Für heute Mittwoch war ein Abschiedsapéro fürs Personal geplant, er musste aber aus Sicherheitsgründen abgesagt werden. «Das holen wir aber sobald wie möglich nach, im Restaurant unseres alten Spitalkochs Benni», sagt Boutellier und lacht.

Straumann hat derweil nicht viele Erinnerungen an das Spital Laufen, doch etwas wird die 84-Jährige nie vergessen: «Ich habe hier drei Kinder zur Welt gebracht – in den 1960er Jahren, da hiess es noch Feningerspital. Und nun bin ich die Letzte, die geht.» Für Lucie Straumann schliesst sich ein Kreis.

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