Rücktritt

Das Ende einer selten langen Ära – dieser Gemeindepräsident tritt 2020 nicht mehr an

Der Häfelfinger Gemeindepräsident Eugen Strub: «Mit Zuzügern haben wir keine Probleme.»

Der Häfelfinger Gemeindepräsident Eugen Strub: «Mit Zuzügern haben wir keine Probleme.»

Häfelfingens Gemeindepräsident Eugen Strub tritt Ende Juni ab. Jahrzehnte hat er dem Dorf gedient – und viel zu erzählen.

Er ist bescheiden und will seine Meriten für das kleine Bauerndorf Häfelfingen nicht an die grosse Glocke hängen: Eugen Strub, 1984 in den Gemeinderat gewählt, den er seit über 20 Jahren präsidiert. Ende Juni ist Schluss. Strub verzichtet auf die Erneuerungswahl vom 9. Februar. «Ich wurde zwar gefragt, ob ich nicht noch vier Jahre anhängen wolle, aber jetzt ist fertig.»

Gemeindepräsident, Wegmacher und der Mann für Notfälle

Der Landwirt ist nicht nur Gemeindepräsident, er leistet fürs Dorf noch viel mehr. Faktisch ist er auch Gemeindewegmacher. Wenns bei Ruhe und Ordnung zu Problemen kommt, kann man ihn kontaktieren. Hat die Gemeindeschreiberin Ferien, ist der Präsident bei Notfällen zur Stelle. Teilweise schmeisst der 62-Jährige den Laden in Häfelfingen fast im Alleingang. Verleidet sei ihm die Arbeit nie. «Zwar war ich, wenn ich es auf dem Hof streng hatte, zeitweise am Anschlag», gesteht er und betont: «Aber unser Dreiergremium funktioniert sehr gut, und in der Bevölkerung haben wir grossen Rückhalt.»

Im Baselbiet ist Eugen Strub das amtsälteste Gemeinderatsmitglied, nur wenige amtierende Präsidenten im Kanton können eine derart lange Tätigkeit vorweisen. Häfelfingen glänzt mit einer seltenen Konstanz. In den vergangenen acht Jahrzehnten hatte es bloss vier Gemeindepräsidenten, einer besetzte diese Position gar 32 Jahre.

Über Höhen und Tiefen während seiner Amtszeit kann sich Eugen Strub nicht konkret äussern. «Wir machen, was wichtig ist und was es zu tun gibt. Grosse Brocken liegen in einem so kleinen Dorf nicht drin», macht er deutlich. Dennoch erwähnt er das neue Gemeindezentrum, das totalsanierte Schulhaus und die «Alte Latärne», die für 300'000 Franken auf Vordermann gebracht worden ist. Diese dient als Lokal für Gemeindeversammlungen und Vereine, ebenfalls wird dort regelmässig gewirtet.

Laut Strub bindet die Behörde bei Projekten die Dorfbevölkerung stets früh ein mit Infoanlässen. «Dies trägt dazu bei, dass man mehrheitsfähige Lösungen findet.» Wie in jeder Ortschaft gebe es auch in Häfelfingen Vereinzelte, die den Gemeinderat bei jeder Gelegenheit kritisierten und manchmal wegen Kleinigkeiten ihrem Unmut Luft machten, erzählt Eugen Strub. Das letzte Referendum datiert von 1999, was zum vorzeitigen Rücktritt von Strubs Vorgänger als Gemeindepräsident geführt hat.

In «seiner» 250-Seelen-Gemeinde kennt er fast jede Einwohnerin und jeden Einwohner. Einzig Leute von drei, vier Häusern habe er noch nie gesehen. «Mit Zuzügern haben wir keine Probleme», sagt Strub. Auf die Unterschiede Häfelfingens zwischen seiner Anfangszeit als Gemeinderat und heute angesprochen, stellt er fest, «dass es vor 36 Jahren noch lockerer und persönlicher war. Die Digitalisierung hat auch uns erreicht.»

Ab Mitte Jahr wird der Vater von je zwei erwachsenen Söhnen und Töchtern vermehrt seine Freizeit geniessen können. Er möchte ab und zu Tagesausflüge machen. «Zudem hätten wir nach fünf Jahren wieder einmal Ferien zugute.» Gerne ist er in geselliger Runde und will nun häufiger einen Jass klopfen, Eugen Strubs Hobby. Auch das Vereinsleben der Schützen soll bei ihm wieder grösseren Raum einnehmen.

«Häfelfingen muss politisch selbstständig bleiben»

Den Mattenhof führt er mit seiner Frau, SVP-Landrätin Susanne Strub, in vierter Generation. Nach einem Unfall stellte der Landwirt 2017 seinen Betrieb, der knapp 20 Hektaren umfasst, von Milchwirtschaft auf Mutterkuhhaltung um. Ob die jüngere Tochter einmal übernimmt, ist noch offen. «Auf jeden Fall braucht sie noch Zeit», meint Eugen Strub.

Er macht sich Gedanken über die Zukunft Häfelfingens. Überall werde von Gemeindefusionen geredet. «Das wäre der Tod für Randregionen und kleine Gemeinden.» Sie hätten immer noch die Schule im Dorf, sagt er nicht ohne Stolz und fügt kämpferisch an: Sie müsse weiter Bestand haben. «Häfelfingen muss politisch selbstständig bleiben.» In Verbünden arbeite man jedoch mit anderen Gemeinden zusammen.

Für Strub ist klar, dass er sich auch nach seiner politischen Ära einbringt. Er werde weiterhin an Gemeindeversammlungen teilnehmen, bloss aus einer anderen Perspektive. Mindestens eine neue Kandidatur gibt es. Namen will er aber noch nicht nennen. Vizepräsident Rainer Feldmeier stellt sich als neuer Präsident zur Verfügung. Ob er die Kontinuität aufrechterhalten kann, wird sich weisen.

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