Was hat für Sie das Geschäftsjahr 2018 der Genossenschaft Migros Basel am meisten geprägt?

Stefano Patrignani: Eröffnungen von Filialen während des Jahres und zum Ende 2018 das Umsatzwachstum, was wir schon länger nicht mehr hatten. Wichtig war auch, dass wir unsere Position als Marktleader erfolgreich verteidigen konnten. Das freut mich und ist ein schönes Zeichen, auch für unsere Mitarbeitenden.

Sie haben Ihr Filialnetz weiter revitalisiert, auch den Standort Stücki in Basel. Ist dieser bei Ihnen nie zur Diskussion gestanden, weil das Stücki eher negative Schlagzeilen liefert?

Es ist kein Geheimnis, dass der Standort Stücki schon seit Beginn problembehaftet ist. Deshalb haben wir dort unsere Anfangsfläche sukzessive reduziert. Die letztjährige Verkleinerung wurde zusammen mit den Eigentümern diskutiert, weil diese ein neues Projekt mit Kinos lanciert hatten. Das war für uns die Gelegenheit, um am Stücki festzuhalten; dieser Standort ist nach wie vor sinnvoll wegen der guten Umsatzzahlen, des Einzugsgebiets und des benachbarten Businessparks.

Migros Basel ist in Grenznähe angesiedelt. Hat Ihre Genossenschaft innerhalb der Migros-Gemeinschaft einen Sonderstatus?

Nein, wir erhalten keine Unterstützung oder Subventionen. Was uns stolz macht: Ohne Sonderbehandlung sind wir eine Genossenschaft, die sich sehr gut entwickelt. Die Migros hat gesamthaft ein Wachstum von 1,8 Prozent, genau gleich wie wir. Von den Zahlen her sind wir also gar keine «Grenzgenossenschaft».

Aber internationale Entwicklungen beobachten Sie genauer als beispielsweise Ihr Pendant in Luzern.

Ich weiss nicht, was mein Pendant aus Luzern beobachtet. Wir in Basel verfolgen diese Entwicklungen sehr aufmerksam. Vor allem wenn der Grenze entlang immer neue Läden eröffnen, ist das schon eine spezielle Herausforderung. Das ist direkte Konkurrenz für uns.

Der Einkauf online sowie jener in den Läden verknüpft sich immer stärker. Wie gut sind Sie digital aufgestellt?

Als Gesamt-Migros sind wir Spitzenreiter in der Digitalisierung mit Digitec/Galaxus, Le Shop, und so weiter. Aber der Weg ist noch weit. Wir sind gut im Rennen, stehen aber noch immer am Anfang. Wir müssen noch weiter integrieren. Für den Kunden muss das Erlebnis – online oder offline – ganz natürlich erfolgen. Er sollte nicht mehr überlegen, auf welcher Verkaufsfläche er sich bewegt. Das muss noch durchlässiger werden.

Migros Basel ist regional stark verankert. Sie arbeiten mit über 500 Produzenten zusammen, sie haben das Kulturprozent, mit dem sie regionale Organisatoren und Veranstaltungen finanziell unterstützen. Nimmt das Ihre Kundschaft genügend wahr?

Ja, davon bin ich überzeugt. Unser Sortiment mit regionalen Produkten wächst überdurchschnittlich. Das zeigt, dass die Nachfrage gross ist und der Kunde solchen Produkten vertraut. Die Unterstützung von Kultur sitzt fest in den Genen der Migros. Dies tun wir nicht, um das Business anzukurbeln, sondern weil es in unseren Statuten steht. Und das machen wir gerne. Im vergangenen Jahr haben wir 5,7 Millionen Franken vergeben.

Was bringt das laufende Geschäftsjahr?

Das ist ein grosses Fragezeichen – für alle. Die Unsicherheit ist gross. Das rührt daher, weil wir im grenznahen Bereich operieren und besorgt sind darüber, was im EU-Raum geschieht. Wir sind auf eine gute Konjunktur angewiesen. Der Brexit ist eine grosse Unbekannte und sicher nicht förderlich. Wenn es in Europa schlecht läuft, ist auch die Konsumentenstimmung in der Schweiz nicht gut. Deshalb bin ich diesbezüglich eher auf der defensiven Seite. Ich bin nicht sehr optimistisch, dass es plötzlich in eine andere Richtung geht. Die jetzige Situation schränkt unsere Planungssicherheit zwar ein. Mit unseren Annahmen sind wir bis jetzt aber nicht schlecht gefahren. Wichtig ist, dass wir die Kundennähe beibehalten oder sogar noch steigern.