Birsfelden/Pratteln

Das Grundwasser im Hardwald ist gefährdet - Kanton will auch deshalb die Strasse sanieren

Pfeilgerade durch den Hardwald führt die Rheinfelderstrasse. Der Grundwasserschutz ist hier heute ungenügend.

Pfeilgerade durch den Hardwald führt die Rheinfelderstrasse. Der Grundwasserschutz ist hier heute ungenügend.

Die 3,5 Kilometer lange Strasse durch den Hardwald bietet keinen genügenden Grundwasserschutz. Bei einer Havarie könnten heute gefährliche Flüssigkeiten im Boden landen. Auch deshalb soll die Strasse in den nächsten Jahren saniert und ausgebaut werden, argumentiert die Regierung.

Der Schutz des Grundwassers an der Strasse durch den Hardwald ist heute ungenügend. Dies bestätigt die Baselbieter Regierung in ihren Antworten auf eine Interpellation von CVP-Landrat Simon Oberbeck. Im Hardwald sei heute kein «absoluter und vor allem fehlerverzeihender Schutz des Grundwassers» durch eine geeignete Infrastruktur vorhanden. So wird das Strassenabwasser über die Schulter, also den Randstreifen neben der Fahrbahn, entwässert und versickert durch die Bodenschichten. Weitere Reinigungs-, Ableitungs- oder Rückhaltemassnahmen existieren nicht.

Fahrverbot für Laster mit gefährlicher Ladung

Zwar gilt auf der Strasse durch den Hardwald zwischen dem Kreisel Auhafen und dem Doppelkreisel in Birsfelden bei der Autobahnauffahrt ein Fahrverbot für «Fahrzeuge mit wassergefährdender Ladung». Damit werde sichergestellt, dass grundsätzlich keine solchen Stoffe durch eine Havarie ins Grundwasser gelangen können. Die Regierung räumt allerdings ein, dass diese Massnahme nur so gut wirke, wie sie auch eingehalten werde. Von den 9600 Fahrzeugen, die durchschnittlich pro Tag die Strasse durch den Hardwald passieren, entfallen rund 5 Prozent auf den Schwerverkehr.

Der mangelhafte Grundwasserschutz ist für die Regierung einer der Gründe, weshalb der Kanton die rund 3,5 Kilometer lange Rheinfelderstrasse in den Jahren 2023/2024 sanieren will. Für einen Grundwasserschutz, der «state of the art» sei, brauche es eine wasser- und gefahrgutundurchlässige Abdichtung unterhalb der Strasse.

Die Sanierung, die sich derzeit in der Projektierungsphase befindet, sieht eine Vergrösserung der Verkehrsfläche vor. Deshalb bekämpfen Vertreter des rot-grünen Lagers das Projekt, das in ihren Augen einen Ausbau der Strasse darstellt. Am Donnerstag behandelt der Landrat eine entsprechende Motion von Désirée Jaun (SP): Sie fordert, dass sich ein Sanierungsprojekt auf die Verbesserung des Grundwasserschutzes beschränkt und die Kapazitäten der Strasse nicht erhöht werden.

Kanton: Kapazität wird nicht erhöht

In der jetzigen Projektphase werde eine Vielzahl von Bedürfnissen und Varianten geprüft, schreibt die Regierung. Dabei untersucht der Kanton auch, ob die Strassenbreite so ausgestaltet werden kann, damit ein vierspuriger – ausserordentlicher – Betrieb der Strasse möglich werde. Gemeint ist damit gemäss früheren Aussagen von Kantonsingenieur Drangu Sehu wohl, dass die Rheinfelderstrasse als «Bypass» genutzt werden kann, sollte auf der benachbarten A2 wegen eines Unfalls der Verkehr kollabieren. Einen generellen Vierspurausbau könne es demgegenüber gar nicht geben. Etwa im Gebiet Schweizerhalle verfügt die Rheinfelderstrasse über mehrere wichtige Abbiegespuren, die nicht aufgelöst werden könnten.

Sehu sagte bereits Anfang Jahr auf Anfrage der bz, dass die Kapazität der Strasse nicht erhöht werden solle. Ebenfalls werde für die Sanierung «kein einziger Baum» gefällt.

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