Baselland

«Das habe ich noch nie erlebt»: Vandale sucht beliebtes Maislabyrinth heim

«Wird Vertrauen missbraucht, dann trifft mich das», sagt Dieter Weber.

Der Liestaler Bauer Dieter Weber erlebte zuerst blinden Vandalismus – und dann beispiellose Solidarität.

Ein aussergewöhnlicher Fall von Vandalismus bewegt in der Region die Gemüter: Im Maislabyrinth des weitum bekannten Hofs Obere Wanne zwischen Liestal und Bubendorf hat ein Rowdy sein Unwesen getrieben. Nicht nur liess er bei seinem nächtlichen Streifzug durch den Irrgarten Bierflaschen sowie umgeknickte Maisstauden zurück. Der Unbekannte investierte auch viel zerstörerische Energie.

So las er via Smartphone sämtliche zwölf QR-Codes ein, die bei Bedarf den Weg durchs Labyrinth weisen, und markierte auf den Tafeln mit schwarzem, wasserfestem Stift die richtige Richtung. Andere Info-Tafeln wurden stupide vollgeschmiert. Seit 1996 steht Besuchern von Dieter Webers Hof das Maislabyrinth jeweils von Mitte Juli bis Oktober offen. «Eine solch massive Zerstörung habe ich noch nie erlebt», ärgert sich Weber.

Viele Telefonanrufe und spontane Hilfe-Angebote

Aussergewöhnlich ist aber auch die Reaktion des Bauern sowie jene der Öffentlichkeit. Weber machte seiner Wut auf Facebook Luft und schrieb einen langen Brief an «Flo», wie der Vandale seine Schmierereien selber signiert hat. Den Unbekannten lädt der Bauer zu einem Hof-Besuch ein. Der Brief verfehlte seine Wirkung nicht: Innert weniger Stunden kommentierten Dutzende den Eintrag – mehrere boten dem Landwirt gar spontan Hilfe bei den Aufräumarbeiten an. «Ich habe auch viele Telefonanrufe erhalten», sagt Weber auf Anfrage. «Es ist schön zu sehen, dass viele mit den Zerstörungen nicht einverstanden sind.»

Tatkräftige Hilfe benötigte Weber zwar nicht mehr: Anstatt Himbeerstauden aufzubinden, investierte er einen ganzen Arbeitstag in die Behebung der Schäden. Das Maislabyrinth steht den Besuchern wieder offen. Mehr als der Schaden schmerzt Weber ohnehin etwas anderes: Als Bauer könne man seine Felder nicht wie ein Büro abschliessen. Man müsse also den Menschen blind vertrauen. «Wenn dieses Vertrauen missbraucht wird, dann trifft mich das.»
Weber geniesst den Ruf eines innovativen Bauern. Maislabyrinth, Kürbisland, Setzlingsmarkt und Blumenparadies: Mit einer Mischung aus findigem Unternehmertum und Engagement hält er immer wieder Neuerungen parat.

«Wir haben als Junge auch viel Seich gemacht»

Weber kritisiert den zunehmenden Egoismus in der Gesellschaft und den mangelnden Respekt vor der Arbeit. Er mag allerdings nicht in den «Früher war alles besser»-Klagechor einstimmen: «Wir haben als Junge auch viel ‹Seich› gemacht.» Deshalb würde er sich freuen, wenn sich der Vandale melden würde: «Die Einladung ist ernst gemeint. Ich würde mit ihm durchs Labyrinth laufen und ihn fragen, was er sich bei dem Ganzen gedacht hat.» Poltern werde er nicht, verspricht Weber: «Das bringt nichts und ist nicht mein Ding.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1