Bruderholz

Das «Hölzli» ist doch kein Stolperstein

Der Baselbieter Gesundheitsdirektor Thomas Weber freut sich mit Regula Meschberger vom Gegen-Komitee.

Das wuchtige Nein zur Initiative macht den Weg frei für die Pläne einer gemeinsamen Spitalgruppe beider Basel.

Monatelang hing sie wie ein Damoklesschwert über dem Bruderholzspital und über den Plänen einer gemeinsamen Spitalgruppe beider Basel, doch nun sorgt das Baselbieter Stimmvolk mit seinem deutlichen Nein dafür, dass die Initiative «Ja zum Bruderholzspital» auf einen Schlag ihren Schrecken verliert. 67,2 Prozent und damit über zwei Drittel der Abstimmenden lehnen die Initiative ab, die im kantonalen Spitalgesetz die erweiterte Grundversorgung für die Standorte Liestal und Bruderholz sowie die Grundversorgung in Laufen festschreiben wollte. Nur gerade in 11 der 86 Gemeinden gibt es ein Ja – allesamt aus dem Laufental, womit auch der Bezirk als einziger die Initiative annimmt.

Resultat ist auch ein Sieg Webers

Gerechnet hatten alle mit einem viel knapperen Ergebnis. Dementsprechend gross ist die Enttäuschung bei den Verlierern (siehe Interview unten) – und die Freude bei den Siegern: «Es ist unglaublich schön, dass die Baselbieter Bevölkerung derart unseren Weg stützt, obwohl wir nicht emotional, sondern sehr sachlich und teils technisch argumentiert haben», sagt Jürg Aebi zur bz. Der CEO des Kantonsspitals Baselland (KSBL) liess es sich nicht nehmen, gestern im Foyer des Landratssaals mit KSBL-Verwaltungsratspräsident Werner Widmer, den Vertretern des Gegen-Komitees sowie Gesundheitsdirektor Thomas Weber zu feiern.

Gerade Letzterem gönnt Aebi das Resultat besonders: «Er hat sich sehr exponiert – und das bei einem Thema, das sehr emotional ist und von dem man weiss, dass die Bevölkerung in anderen Kantonen schon anders entschieden hat.» Weber selbst sieht es als Vertrauensbeweis in seine Arbeit und er verrät: «Insgeheim habe ich gehofft, dass die Initiative so deutlich verworfen wird. Ein Indiz dafür war für mich der Parteitag meiner SVP, an dem ebenfalls über zwei Drittel für ein Nein votierten.»

Auch SP-Landrätin Regula Meschberger, eine der führenden Stimmen des Gegen-Komitees, spricht von einer grossen Erleichterung. «Ich spürte Verunsicherung in der Bevölkerung. Noch bei keinem anderen Abstimmungskampf habe ich derart viele Gespräche geführt. Umso mehr freut es mich, dass sich die meisten offenbar differenziert mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Das Bruderholzspital wirkt halt doch nicht im ganzen Kanton so emotional.» Für Erstaunen sorgt, dass keine einzige Leimentaler Gemeinde Ja sagt, stammt doch der Grossteil der Initianten und Unterstützer von dort. Sogar die Standortgemeinden des Bruderholzspitals, Bottmingen und Binningen, sagen mit 57,4 respektive wuchtigen 67,7 Prozent Nein (siehe Tabelle Seite 26). «Es freut mich, dass die Menschen so abgestimmt haben, wie sie sich auch als Patienten im Alltag verhalten», sagt Weber.

Basel verspricht, Wort zu halten

Damit spricht der Regierungspräsident den Fakt an, dass bereits heute ein Grossteil der Bevölkerung aus dem Bezirk Arlesheim nicht das «Hölzli» aufsucht, sondern in ein Basler Spital geht, da der Gesundheitsraum seit der freien Spitalwahl 2014 nicht mehr an der Kantonsgrenze Halt macht. «Die Bevölkerung steht nun klar dahinter, dass der Status quo nicht zu halten ist und zeigt sich offen für Veränderungen», sagt Weber. Er versteht das Ergebnis als Erlaubnis, die Spitalgruppe beider Basel weiter zu planen, aber nicht als definitives Ja zum fertigen Projekt.

Diese Haltung stützt auch der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger: «Es wäre gefährlich, das Resultat nun als Freipass zu verstehen.» Die Regierungen würden nicht mehr von der bereits präsentierten Struktur der Spitalgruppe um KSBL und Universitätsspital Basel abweichen. «Wir werden Wort halten», sagt Engelberger. Der Weg hin zur Fusion mit klar definierten Schwerpunkten für alle vier Standorte ist allerdings noch weit. Im Sommer wollen die Regierungen das Projekt in die Vernehmlassung schicken, bis Ende Jahr sollen die beiden Parlamente die Vorlage erhalten und sie bis Mitte 2018 beraten haben. Frühestens im Herbst 2018 steht dann der grosse Urnengang zur Spitalgruppe an. Weber dazu: «Gegessen ist noch nichts, aber zumindest habe ich da jetzt auch ein gutes Gefühl.» Kommentar rechts

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