Leitartikel

Das «Hölzli» steht im Weg

David Sieber
Wie wird die Abstimmung über das Bruderholz-Spital wohl ausgehen?

Wie wird die Abstimmung über das Bruderholz-Spital wohl ausgehen?

Leitartikel zur Abstimmung über das Bruderholzspital

Es ist nur eine kleine Bemerkung während eines Gesprächs mit einem Leimentaler Hausarzt. Er frage seine Patientinnen und Patienten jeweils, in welches Spital sie möchten, wenn er sie überweisen müsse. Die Antwort, die er mit Abstand am wenigsten erhält: «Ins Bruderholz.»

Tatsächlich begann der Ruf des Spitals im Verlauf der Jahre genauso zu bröckeln wie das Gebäude selbst. Nicht immer zu Recht, aber doch so nachhaltig, dass gemäss Werner Widmer, dem Präsidenten des Kantonsspitals Baselland, heute zwei Drittel der Unterbaselbieter lieber in ein städtisches Spital gehen.

Das «Hölzli» war nie sonderlich beliebt. Nicht alle Leimentaler, welche miterlebten, wie sie das Bettenhaus mehr und mehr aus der bis anhin von der Ferne naturbelassenen Bruderholz-Flanke wachsen sahen, freuten sich an diesem Anblick. Natürlich gab es auch die anderen. Jene, die das an Hässlichkeit kaum zu überbietende Hochhaus wahlweise als Symbol des Fortschritts oder des Baselbieter Selbstbewusstseins ansahen.

«Sehr her, Ihr Basler, wir sind wer», scheint das Gebäude, das auch aus Stadtperspektive zum Teil gut zu sehen ist, im Namen des damals noch bärenstarken Landkantons zu rufen, «ich stehe vor Eurer Nase und zeuge für alle Zeiten von unserer Potenz».

Die Spitalgruppe könnte es längst geben

Wie wir wissen, hat sich das mit der (wirtschaftlichen) Potenz mittlerweile so ziemlich erledigt. Jedenfalls im Vergleich zum Kanton Basel-Stadt, der mit zwei Pharmagiganten gesegnet ist und sich fast alles leisten kann. Bloss kein Uni-Spital, das dem Forschungsstandort angemessen wäre und nur schon im innerschweizerischen Wettbewerb führen würde. Das Stichwort lautet: Fallzahlen.

Diese können in diversen medizinischen Bereichen nur erreicht werden, wenn die beiden Basel tun, was sie schon lange hätten tun sollen: Eine Spitalgruppe bilden. Ironischerweise war es damals, Anfang der Sechzigerjahre die Stadt, die entsprechende Avancen des Landes schnöde abwies. Man beschied den Baselbietern, gefälligst selbst für genügend Spitalbetten zu sorgen. Was für ein kurzsichtiger Entscheid!

Der Weg ist beschwerlich

Denn jetzt steht da das «Hölzli». Richtiger: Es steht im Weg. Zumindest in dieser Form. Wird die Initiative, über welche die Baselbieter am 21. Mai abstimmen, abgelehnt, verschwindet zwar das marode Bettenhaus, nicht jedoch der Spitalstandort. Eine Tagesklinik und ein Orthopädie-Zentrum mit angeschlossener Reha sollen entstehen. Die heutige (Fach-) Mannschaft, die nach den Querelen innerhalb des Kantonsspitals Baselland neu an Bord gekommen ist und das Ruder herumgerissen hat, ist prädestiniert dafür, den beiden Basel in diesem Bereich Spitzenmedizin zu bieten.

Zur Beruhigung der Gemüter ist zudem eine Permanence geplant. Keine vollwertige Notfallstation zwar, aber immerhin ein Grund, um bei kleineren Beschwerden weiterhin per Linienbus den beschwerlichen, aber offenbar romantischen Weg den Hügel hinauf anzutreten.

Doch wird das genügen? Die «Hölzli»-Fans um den ehemaligen Chefarzt Hans Kummer finden nicht. Die Vision, das vielfältige medizinische Angebot auf verschiedene Standorte in beiden Kantonen zu verteilen, ist nicht in ihrem Sinn. Sie zweifeln das Sparpotenzial an und schweigen zum erwarteten Qualitätssprung. Stattdessen setzen sie auf Emotionen und das (unhaltbare) Versprechen einer stadtunabhängigen Gesundheitsversorgung aller Unterbaselbieter.

Und das machen sie so gut, dass sich die Initiative von einem belächelten Blindgänger zu einem gefährlichen Querschläger entwickelt hat. Wenn nun die Baselbieter im Allgemeinen und die Leimentaler im Besonderen plötzlich ihr Herz an ein Spital verlieren sollten, dessen einziger Vorzug gemäss Volksmund die Aussicht aus den obersten Stockwerken ist, dann droht der Spitalgruppe das Aus noch vor dem Start.

Meistgesehen

Artboard 1