Brand

Das Inferno von Laufen: Das volle Ausmass – und was vom Industriebrand übrig blieb

Brand in Laufen vom 10. Juli 2020: Drohnenflug über die Ruine am Montag danach

Brand in Laufen vom 10. Juli 2020: Drohnenflug über die Ruine am Montag danach. Das Areal ist verwüstet, die Schäden sind enorm.

Nach dem verheerenden Brand in Laufen bleiben bei den Betroffenen Trauer und Konsternierung. Das Areal selbst liegt in Schutt und Asche – die Bilder von der Brandstelle sind auch Tage danach eindrücklich und dramatisch. Viele Unternehmer sind den Tränen nahe.

Laufen erlebt derzeit ein wenig Katastrophentourismus. Rund um das Industrieareal an der Wahlenstrasse, das am Freitag lichterloh brannte, streunten auch gestern, am Tag drei nach dem verheerenden Brand, Schaulustige herum. Sie machten Fotos und schwatzen mit Passanten.

Einer outet sich als Nachbar, der alles mitbekommen hat. Sein Fazit: «So ein Feuer habe ich meiner Lebtag noch nicht gesehen.» Aus dem Schlaf gerissen hätten ihn Detonationen. Es waren Gasflaschen, die explodiert waren, wie sich später herausstellen sollte. «Im ersten Moment dachte ich, das seien Donnerschläge. Aber dann sah ich Rauch.»

Noch immer hängt der Geruch nach verbranntem Kunststoff in der Luft. Das Gelände selbst dürfen die Schaulustigen nicht betreten. Zwei Securitas-Angestellte stehen an den beiden Eingängen zum riesigen Areal. Sie halten Ausschau nach Brandnestern – nicht zuletzt soll die Präsenz der Uniformierten wohl auch Diebe abschrecken.

Brandursache nach wie vor unklar

Die Spurensicherung ist im vollen Gange. Noch wisse man nicht, was den Brand ausgelöst habe, sagt Roland Walter, Sprecher der Baselbieter Polizei. «Wir ermitteln in alle Richtungen.» Brandstiftung kann also noch nicht ausgeschlossen werden. Wahrscheinlicher ist aber, dass es zu einem technischen Defekt kam. Unter den rund 40 Mietern auf dem Gelände befinden sich auch ein Metallbaubetrieb, zwei Schlossereien, eine Spenglerei sowie drei Garagen. Beim Eingang liegt ein Haufen mit verkohlten Motorrädern.

Der erste Notruf ging in der Nacht von Donnerstag auf Freitag um 3.18 Uhr ein. Auf dem Industrieareal an der Wahlenstrasse 81 brenne es. Als die ersten Einsatzkräfte eintrafen, standen schon mehrere Gebäudeteile in Brand. Die Laufner Feuerwehr erhielt Unterstützung aus der ganzen Region.

Gestern musste sie nochmals ausrücken. Der kleine Nachbrand war aber rasch unter Kontrolle. Anders das Feuer am Freitag: Rund zwei Drittel der Dachfläche stürzten ein. Die Hitze verbog sogar Stahlträger.

Grundeigentümerin sucht Lösungen für Betroffene

Eigentümerin des Areals ist die Stiftung Abendrot in Basel. Die Pensionskasse erwarb das Gelände 2017. Alleine die länglichen ehemaligen Fabrikhallen, in welchen einst die Keramik Laufen produzierte, bedecken eine Fläche von drei Fussballfeldern. Abendrot teilte im Rahmen des Kaufs mit, am Konzept ändere sich nichts. Die Gebäude sollten weiterhin als Gewerbe-, Werkstatt-, Atelier- und Lagerflächen dienen. Wunschmieter seien regionale Handwerker, aber auch Bastler, Kreative und Logistiker.

Abendrot-Geschäftsleiterin Enza Bögli sagt zur bz: «Wir sind wahnsinnig betroffen. Es gibt Mieter, die alles verloren haben.» Man versuche, so schnell wie möglich Ersatz für die Betroffenen zu finden. Es hätten sich bereits Leute bei Abendrot gemeldet, die freie Flächen angeboten hätten. Die Hilfsbereitschaft sei lobenswert, sagt Bögli. Sie bittet aber auch um Geduld.

Auch KMU Laufental will helfen. Bis heute Abend sollen obdachlose Gewerbler via eine eigene Website provisorische neue Domizile finden.

Grossküche blieb wegen wenigen Metern verschont

Glück im Unglück hatte die La Petite Chenille GmbH. Michael Lerchster, Geschäftsleiter des Restaurationsbetriebs, erzählt: «Die Flammen kamen bis auf wenige Meter an unseren Gebäudeteil heran, es wurde unglaublich heiss. Aber zum Glück wehte der Wind in die andere Richtung.»

Trotzdem sei am Freitag an Kochen nicht zu denken gewesen, ohne Wasser und Strom, berichtet Lerchster. La Petite Chenille beliefert unter anderem Seniorinnen und Senioren. «Die mussten an diesem Tag halt mit Wienerli und Brot Vorlieb nehmen», sagt Lerchster und lacht. «Vielleicht gabs auch mal ein Rauchwürstli.»

Eigentlich sei ihm nicht zum Scherzen zumute, entschuldigt sich Lerchster. Man kenne sich auf dem Areal – er wisse von schlimmen Schicksalen. «Aber was willst Du machen? Weinen nützt ja auch nichts mehr.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1