Meldeschluss

«Das ist aber blöd» – Oberdorf verpasst die stille Wahl

Da war der Zug schon abgefahren: Salman Fistik ärgert sich über seine verspätete Kandidatur. (Symbolbild)

Da war der Zug schon abgefahren: Salman Fistik ärgert sich über seine verspätete Kandidatur. (Symbolbild)

Ein SP-Gemeinderat meldete sich zu spät für eine Kandidatur. Jetzt ist ein Urnengang nötig.

Am vergangenen Montag um 17 Uhr war Meldeschluss für Kandidaturen für Exekutiven, bei denen an den Gesamterneuerungswahlen vom 9. Februar 2020 eine stille Wahl möglich ist. In welchen Kommunen dies in Frage kommt, ist in der Gemeindeordnung geregelt. So auch in Oberdorf. Dort fällt die stille Wahl aber ins Wasser, obwohl für die fünf Mandate ebenso viele Bewerbungen bereitstehen.

SP-Gemeinderat Salman Fistik war am Dienstagmorgen irritiert, als er von der bz gefragt wurde, ob er für die Wahl wieder zur Verfügung stehe oder ob er darauf verzichte. Denn die Gemeindeverwaltung meldete ihn weder als Wiederkandidierenden noch als Bisherigen, der nicht mehr antritt. Fistik wusste nicht, dass er seine erneute Bewerbung bei der Verwaltung hätte bekanntmachen sollen. «Das ist aber blöd», entfährt es ihm. Der 2016 gewählte Gemeinderat dürfte dies inzwischen nachgeholt haben.

Gemeindepräsident Piero Grumelli (CVP) ist erstaunt darüber, dass sich Salman Fistik dieser Situation nicht bewusst gewesen ist. Er war am Montag nach 17 Uhr auf der Verwaltung. «Da habe ich gedacht: Hat er es wohl vergessen?», erzählt Grumelli, der mit den Bisherigen Christine Kamber und Salman Fistik sowie mit den Neuen Natalie Seidel und Michael Wild das Fünferticket bildet. Bis zum Wahltermin sind weitere Kandidaturen möglich.

Alt Landratspräsident vermisst die Politik, aber...

2017 machte sich Natalie Seidel im Dorf einen Namen. Als Präsidentin des Referendumskomitees sammelte sie an vorderster Front Unterschriften gegen den Gemeindeversammlungsbeschluss für eine Sanierung der elektronischen Trefferanzeige im Schiessstand. Ihr Engagement war erfolgreich, das Referendum bestand an der Urne deutlich.

Michael Wild war einst Gemeindeverwalter in Niederdorf. Er ist Spezialist in Gemeindefinanzen und gehört derzeit der Oberdörfer Geschäfts- und Rechnungsprüfungskommission an. Wild wäre geradezu prädestiniert, das Departement Finanzen zu übernehmen. Dieses wird frei, weil sich die jetzige Finanzchefin Thekla Beutler aus gesundheitlichen Gründen zurückzieht. «Michael Wild wäre ein absoluter Gewinn für unsere Gemeinde», ist Beutler überzeugt, «denn wir haben grosse strukturelle und finanzielle Probleme.» Der Vizepräsident und amtsälteste Gemeinderat, Christian Heckendorn, hat schon vor längerer Zeit angekündigt, per Ende dieser Amtsperiode Mitte 2020 seine Tätigkeit niederzulegen.

Dem Oberdörfer SP-Vollblutpolitiker Hannes Schweizer, der zum Abschluss seiner 16-jährigen Karriere als Kantonsparlamentarier 2018/19 den Landrat präsidiert hat und seit bald einem halben Jahr ohne Amt ist, fehlt die Politik zwar. «Aber ich werde nie in eine Kampfwahl steigen und Jüngeren den Weg versperren», betont er. Würde er als Gemeinderat kandidieren, wäre die Wahrscheinlichkeit gross, dass er wegen seiner Bekanntheit auch gewählt würde. «Das will ich nicht», betont der 67-jährige Schweizer.

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