Noch am Sonntagnachmittag sagte Oskar Kämpfer im Foyer des Landratssaals zur bz, es sei zu früh, um seinen Rücktritt anzukündigen. Keinen ganzen Tag später war es so weit. Auf Nachfrage von «baz online» gab er bekannt, nach sieben Jahren sein Amt als Präsident der SVP Baselland abzugeben.

Wer nun denkt, Kämpfer reagiere damit auf den Verlust von sieben Landratssitzen oder auf die missglückte Regierungskandidatur von Nationalrat Thomas de Courten, liegt allerdings falsch. «Es sind gesundheitliche Gründe, die mich zum Rücktritt zwingen», sagt er. Bereits vor drei Wochen habe er die SVP-interne Personalkommission unter dem Vorsitz des ehemaligen Nationalrats Caspar Baader beauftragt, einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin zu finden. An der Generalversammlung vom 26. April in Reinach soll diese Person gewählt werden.

Kämpfer bekämpft die Krankheit

Dieser Marschplan zeigt: Die Zeit drängt. Im Gespräch mit der bz zeigt sich der 65-jährige Kämpfer erstaunlich offen: «Ich möchte meinen Gesundheitszustand nicht öffentlich darlegen, aber mein Rücktritt zeigt, dass ich nicht an einer Grippe leide.» Auch Altersbeschwerden seien es nicht, sondern eine Krankheit, die sich «leider schneller entwickelt hat als erwartet». Denn ursprünglich hätte er noch länger im Amt bleiben wollen. Beleg dafür ist schon alleine, dass Kämpfer sich für eine weitere Legislatur im Kantonsparlament nominieren liess. Mit 1811 Stimmen verteidigte der Therwiler im Wahlkreis Oberwil am Sonntag souverän seinen Sitz, den er seit neun Jahren innehat.

Jetzt ist Kämpfer froh, wenn er die alte Legislatur noch beenden kann: «Das ist mein Ziel, doch es hängt stark vom Krankheitsverlauf ab.» Mit dem Erstnachrückenden Dominique Erhart aus Oberwil habe er schon vereinbart, dass dieser ab Sommer übernimmt. Und dann sagt Kämpfer einen Satz, der in anderem Zusammenhang vielleicht als Floskel abgetan worden wäre, hier aber brutal ehrlich wirkt: «Das Leben ist vergänglich.» Wer den gradlinigen SVP-Präsidenten kennt, weiss, dass er so etwas nicht unbedarft daher sagt. «Ich versuche mit maximalem Effort, alle medizinischen Möglichkeiten auszuschöpfen, die es heute gibt», fügt er noch an.

Nach diesen Worten rückt die Wahl-Schlappe für Kämpfer und die ganze SVP verständlicherweise etwas in den Hintergrund. «Es ist schade, dass Oskar Kämpfer mit einer Niederlage abtreten muss. Das hat er nicht verdient. Er war ein toller Präsident», sagt etwa Vizepräsident Johannes Sutter. Kämpfers Rücktritt sei sehr bedauerlich, zum Einen, weil ihn die Gesundheit dazu zwinge – zum Anderen, weil er nur schwer zu ersetzen sein werde. Sutter sagt aber auch: «Oskar würde selbst sagen, dass man jeden ersetzen kann.»

Vize Sutter möglicher Nachfolger

Dieser Aufgabe stellt sich nun Baader. Zusammen mit Nationalrätin Sandra Sollberger und fünf weiteren SVPlern sichten sie mögliche Kandidaten. «Wir haben bereits ein paar Interessenten», sagt Baader, ohne Namen zu nennen. Eine logische Option wäre Vize Sutter. «Das muss ich mir erst noch überlegen», sagt er zur bz. Eine Absage klingt anders. Als Besitzer eines Ingenieurs- und Planungsbüros, Leiter der Wasserfallen-Bahn und Gemeindepräsident von Arboldswil könnte aber der Faktor Zeit zum Problem werden.

Baader findet übrigens nicht, dass sich mit dem neuen Präsidenten auch die Ausrichtung der Partei ändern müsse: «Die ist schon richtig. Wir gehen langfristige Probleme an. Die Klima-Debatte ist nur ein kurzlebiger Medien-Hype.» Etwas anders klingt es bei Sutter: «Wir müssen uns sicher nicht komplett neu erfinden, aber durchaus selbstkritisch sein.» Dass nach diesen Wahl-Verlusten eine gewisse Veränderung nötig sei, liege auf der Hand.

Einer, der selbst zu den Verlierern des Sonntags gehört, fordert: «Jetzt soll eine jüngere Generation übernehmen.» Der abgewählte Reinacher Landrat Paul Wenger meint dies aber explizit nicht als Reaktion auf die Wahl-Niederlage, sondern wegen Kämpfers Rücktritt. Er geht von einer eigentlichen Erneuerung in der Parteileitung und auch im Landrat aus. Dort ist noch offen, wer das Fraktionspräsidium von Dominik Straumann übernimmt. Beim Parteipräsidium hätte Sutter Wengers Segen. Die politischen Inhalte über Bord zu werfen, empfiehlt der 67-Jährige, der seine aktive Politkarriere für beendet erklärt, aber nicht: «Die SVP ist zurzeit einfach nicht in Mode. Gegen die grüne Übermacht hatten wir keine Chance. Doch uns jetzt einfach auch schnell einen grünen Anstrich zu geben, das würde uns niemand abnehmen», so Wenger.

Kämpfer selbst möchte bei seiner Nachfolge nicht mitreden. Weitergehende Wechsel in der Parteileitung hält er für unnötig. «Wir fördern ja bereits junge Talente wie die ehemalige Präsidentin der Jungen SVP, Daria Liach.» Am Ende habe man bei den Landratswahlen auch Pech gehabt: «Wir haben nur vier Prozent Wähleranteil eingebüsst, aber acht Prozent unserer Sitze verloren.» 2015 dagegen habe die SVP erhebliches Proporzglück gehabt. 2023 soll es wieder drehen. Aufgeben ist Kämpfers Sache nicht: «Ich werde die Partei so lange unterstützen, wie es mir möglich ist – und es gewünscht wird.»