Nachgefragt

«Das mit dem gescheiteren Uni-Spital Nordwest stinkt mir noch immer ein wenig»

Jürg Aebi tritt als CEO des Kantonsspitals Baselland zurück. Er wurde im Februar 2014 Nachfolger von Heinz Schneider.

Es war die Bombe, mit der niemand gerechnet hatte bei der Medienkonferenz zur neuen Strategie des Kantonsspitals Baselland: Verwaltungsrats-Präsidentin Madeleine Stöckli gab bekannt, dass Jürg Aebi zurücktritt.

Sie treten als Spital-CEO zurück. Der Abschied fällt Ihnen kaum leicht – gerade in dieser Phase.

Jürg Aebi: Ich war CEO mit Herzblut. Es gibt aber private Umstände, die von mir eine andere Priorisierung erfordern. Was mein Nachfolger oder meine Nachfolgerin leisten muss, die Umsetzung der Strategie, ist mehr als ein 100-Prozent-Job. Ich habe in den letzten sieben Jahren weit über 100 Prozent gearbeitet. Das kann ich leider nicht mehr aufbringen. Aber ich bleibe dem Spital erhalten, als Mitglied der Geschäftsleitung mit neuer Aufgabe.

Der Weg, den das KSBL einschlagen will: Stehen Sie voll dahinter?

Zu 100 Prozent! Das war der richtige Entscheid. Wir müssen jetzt sanieren und investieren. Die Ärztegesellschaft propagierte ein neues Spital auf grüner Wiese. Doch sie berechneten nur die Kosten für den Neubau. Wir sagten: Unter dem Strich wird es unglaublich teuer. So fokussieren wird uns lieber auf das, was jetzt schnell machbar ist.

Sie wurden ins kalte Wasser geworfen im Februar 2014: Nach dem überstürzten Abgang von Heinz Schneider wurden sie quasi über Nacht CEO, zunächst ad interim. Hand aufs Herz: Hätten Sie damals erwartet, so lange auf dem Posten zu bleiben?

Ich werde noch ganz gerne ins kalte Wasser geworfen. Aber ehrlich gesagt: Ich bin überrascht, dass ich es so lange überlebt habe. Man muss sehen: Ich war ein Überbringer von schlechten Nachrichten, notgedrungen. Doch die Leute haben mir offenbar vertraut. Und ich konnte etwas bewegen.

Wann wurden die Mitarbeitenden informiert?

Jetzt, gleichzeitig mit den Medien. Die ersten Reaktionen treffen gerade ein. Die Geschäftsleitung war aber schon vor einer Zeit informiert, der Verwaltungsrat im Juni. Ich staune, dass nichts nach Aussen gedrungen ist.

Was haben Sie in den fünf Jahren als CEO erreicht?

Ich möchte mich nicht selber loben. Aber in diesen sieben Jahren hatten wir einige Schwierigkeiten gemeistert. Wir mussten zwei Fusionen verarbeiten. Ärzte verliessen uns. Ich war Garant für eine gewisse Stabilität und wir haben uns weiter entwickelt. Schauen wir die Finanzen aus: Wir waren nie in grosser Schieflage. Das Fundament stimmt. Oder das Lean-Management. Wir sind Pioniere, haben das eingeführt, als noch kaum jemand wusste, was das ist. Das alles macht mich stolz. Nicht zuletzt habe ich das KSBL von einer Dienststelle des Kantons in ein modernes Unternehmen überführt. Als ich übernahm, hatte jeder Standort seine eigene Organisation, man arbeitete gegeneinander. Das konnten wir durchbrechen.

Was lief nicht gut in Ihrer Ära?

Dass das Universitätsspital Nordwest nicht gekommen ist. Das stinkt mir noch immer ein wenig. Wir machten unsren Job gut im Baselbiet. Bei der Abstimmung sagten 67 Prozent Ja. Doch in der Stadt konnten wir scheinbar zu wenig überzeugen. Es ging am Ende um Emotionen, nicht um Sachfragen. Spitäler sind halt immer emotional, das muss man akzeptieren.

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