Charta

Das «Mittlere Baselbiet» rückt zusammen

Im «Frenkenland», in der Bildmitte Bubendorf, will man es geeint probieren.

Im «Frenkenland», in der Bildmitte Bubendorf, will man es geeint probieren.

Elf Gemeinden aus dem Raum Liestal-Frenkentäler wollen gemeinsam durchstarten.

Es war am Samstag das Finale eines vierjährigen Planungsprozesses unter dem Titel «Zukunft Frenkentäler»: Rund 100 Behördenvertreter und interessierte Einwohner aus elf Gemeinden aus dem Raum Liestal-Niederdorf-Reigoldswil-Lupsingen trafen sich zur abschliessenden Ergebniskonferenz, die gleichzeitig Start für eine neue Ära sein soll: Die Gemeinden wollen zusammenrücken, gemeinsam agieren statt reagieren und geeint gegenüber dem Kanton auftreten.

Grundlage dafür ist eine Charta, die von allen beteiligten Gemeinden unterzeichnet werden soll. Sie stipuliert ein Stück weit das, was das vom Landrat kürzlich versenkte Regionengesetz wollte, nur mit anderer, weniger belasteter Namengebung. So wollen sich die Gemeindevertreter regelmässig zu Regionalversammlungen treffen und eine koordinierende Agentur aufbauen.

«Sonst rennen wir hinten drein»

Erwin Müller, Bubendörfer Gemeindepräsident und eine der treibenden Kräfte hinter «Zukunft Frenkentäler», sagte am Rand des Anlasses: «Die Ablehnung des Regionengesetzes bremst unser Projekt nicht. Im Gegenteil, es braucht jetzt Bewegung von unten, das heisst von den Gemeinden. Und diese Bewegung ist bei uns da.» Man habe auch gar keine andere Wahl, als etwas zu verändern. Müller: «Die Vertreter der Regionen Birstal, Leimental und Laufental treffen sich monatlich, wir trafen uns bis jetzt nie. Wenn das so bleibt, werden wir abgehängt und rennen immer hinten drein.»

Stimmungsmässig befand sich das «Mittlere Baselbiet», wie das neue Regionengebilde nach provisorischer, nicht unbestrittener Benennung heissen soll, jedenfalls im Aufbruch. So hatte Moderator Patrick Bärtschi alle Mühe, die engagierten Diskussionen an den Thementischen zu bremsen, wenn es der Fahrplan verlangte.

Die Diskussionen selbst aber zeigten, dass noch längst nicht alle auf einer regionalen Flughöhe angekommen sind und Problematiken oft aus Sicht eines Dorfes respektive eines Berufsstands betrachtet werden.

Trotzdem: In der abschliessenden Runde, bei der alle Gruppen-Vorschläge zu den einzelnen Thematiken von den Siedlungen über das Gewerbe bis zur Landschaft präsentiert wurden, kam eine ganze Palette möglicher gemeinsamer Projekte zusammen. Hier eine kleine Auswahl:

  • gemeinsame regionale Bauverwaltung
  • das Problem der zerfallenden Liegenschaften in den Dorfkernen mit Hausanalysen, für was sich die einzelnen Gebäude am besten eignen, angehen, und zwar mit finanzieller Beteiligung der Gemeinden
  • Zonenpläne vereinheitlichen und als «Leuchtturmprojekt» eine gemeinsame Zonenplanung anpeilen
  • regionale Produkte gemeinsam vermarkten; ein Modell «Migroswagen» einführen, der die regionalen Produkte in den Dörfern anbietet
  • die Jugendarbeit – auch finanziell – gemeinsam betreiben, dazu regionale Jugendkommission, aber auch eine regionale Sportkommission, bilden
  • den öffentlichen Verkehr stärken und das Problem der Feinerschliessung der kleinen Bergdörfer mit E-Bike-Ladestationen an den öV-Linien im Tal ein Stück weit entschärfen
  • Zusammenarbeit aller fünf Alters- und Pflegeheime in der Region beim neuen Alters- und Pflegegesetz
  • das Kleingewerbe bündeln, wobei Liestal und Bubendorf Standort für Gross- und die Dörfer für Kleingewerbe bleiben sollen.

Und dann gab es auch eine Kostprobe, wie eine geeinte Region in die Kantonspolitik eingreifen könnte: Mehrere Gemeindevertreter forderten einen Brief an alle Landräte, dass das Parlament diese Woche auf eine Beitragskürzung an Baselland Tourismus verzichten soll. Das war ganz im Sinn von Stefan Vögtli, Gemeindepräsident von Lupsingen, der den Saal am Ende aufforderte: «Wir wollen aktive Ruderer sein und uns nicht treiben lassen.»

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