Langmattstrasse

Das müssen Sie wissen für die kommende Baselbieter Abstimmung

Die Verlängerung der Langmattstrasse, heute eine Sackgasse, soll Verkehrsprobleme im Leimental lösen.

Die Verlängerung der Langmattstrasse, heute eine Sackgasse, soll Verkehrsprobleme im Leimental lösen.

Barrieren, Tramunterführung, mehr oder weniger Autos? Darum geht es am 24. November bei der Abstimmung über die Langmattstrasse. Wir beantworten zwölf Fragen für Sie.

1. Wo soll warum eine Strasse gebaut werden?

In den 1980er-Jahren baute Oberwil ein Stück der Langmattstrasse. Sie führt unter der Tramlinie 10 durch, endet aber für Autos in einer Sackgasse. Jetzt will der Kanton den Abschnitt um 260 Meter bis zur Therwilerstrasse verlängern. Damit würde eine neue Querverbindung zwischen den beiden Längsstrassen im Leimental entstehen, der Therwilerstrasse im Osten und der Mühlemattstrasse im Westen.

2. Gibt es im Leimental nicht bereits Querverbindungen?

Doch, sogar einige. Aber nur eine quert das Tram unterirdisch: die Ringstrasse in Therwil. Das ist eine bewohnte Quartierstrasse, in der Tempo 30 gilt. Alle anderen Tramübergänge sind ebenerdig.

3. Wieso ist das ein Problem?

Wer derzeit mit einem Auto die Talseite wechseln will, muss notgedrungen durch einen der Ortskerne fahren. Und dort staut sich vor den Barrieren an den Tramübergängen der Verkehr täglich, insbesondere in Oberwil und Therwil. Mit der Verlängerung der Langmattstrasse entstünde eine zusätzliche kreuzungsfreie Querung des Leimentals für den motorisierten Individualverkehr.

4. Also würde die verlängerte Langmattstrasse zu weniger Stau in den beiden Ortskernen führen?

Das ist einer der wichtigsten umstrittenen Punkte der Vorlage. Die Befürworter erhoffen sich eine Entlastung der Ortskerne. Zudem soll das Gewerbegebiet Mühlematt besser mit dem Auto erreichbar sein. Dort haben sowohl Therwil als auch Oberwil gezielt Arbeitsplätze und Läden angesiedelt.

5. Ist die Auswirkung der neuen Strasse bereits theoretisch berechnet worden?

Ja. Eine Studie und ein Vorprojekt, die im Auftrag der Regierung erstellt wurden, kamen zum Schluss, dass nur die Therwiler Ringstrasse wesentlich entlastet wird, die beiden Ortskerne dafür kaum. Einige bewohnte Strassenabschnitte würden sogar mehr belastet als heute. Die Gegner sehen deshalb im ganzen Projekt zu wenig Nutzen für das investierte Geld. Allerdings bestreitet das Ja-Komitee die Ist-Zahlen, die zu den Prognosen in der Studie geführt haben.

6. Warum stimmen wir über die Vorlage ab?

Ein Komitee, bestehend hauptsächlich aus Leimentaler Politikern, hat das Referendum ergriffen. Neben dem fehlenden Nutzen befürchten sie, die Staus in den Ortskernen könnten durch die neue Strasse nicht ab-, sondern sogar noch zunehmen. Denn die neue Strasse werde zusätzlichen Verkehr anziehen.

7. Die neue Strasse soll durch derzeit unbebautes Ackerland führen. Wie schützenswert ist die Grünfläche?

Auch das ist umstritten. Für die Gegner handelt es sich um einen wertvolle Erholungsraum zwischen Oberwil und Therwil. Diesen müsse man bewahren, nicht zuletzt wegen der Schule und dem Altersheim in der Nähe. Zudem führe eine viel befahrene kantonale Veloroute durch das Gebiet. Je nach Ausbaustandard der Strasse müssten die Velofahrer die neue Strasse ebenerdig queren. Die Befürworter hingegen erinnern daran, dass entlang des neuen Strassenabschnitts sowieso der Werkhof einer Gärtnerei vorgesehen ist, es sich also planerisch gesehen nicht um Grünraum handelt.

8. Wer ist für die Vorlage, wer ist dagegen?

Dafür sind SVP, FDP und CVP, die Regierung und eine Mehrheit des Landrats; dazu ACS und TCS, die Baselbieter Wirtschaftskammer und die Handelskammer beider Basel. Dagegen sind SP, Grüne, EVP, BDP, GLP, die Oberwiler FDP, die regionalen Sektionen von VCS, Pro Velo, Fussverkehr, WWF, Pro Natura und des Natur- und Vogelschutzvereins.

9. Wird bei einem Ja die Strasse gebaut?

Das ist wahrscheinlich. Formal stimmt das Baselbieter Stimmvolk aber nur über den Eintrag der Strassenverlängerung in den kantonalen Richtplan ab.

10. Gibt es denn schon ein konkretes Bauprojekt?

Sogar zwei: Eines für 13 Millionen Franken, das unter anderem eine Velounterführung beinhaltet; und ein schnörkelloses für 4,7 Millionen. Der Ausbaustandard wird erst bekannt sein, wenn der Landrat eine Vorlage beschliesst. Diese wird dem Referendum unterstehen.

11. Was meinen die Oberwiler zur verlängerten Strasse?

In den vergangenen 35 Jahren hat die Oberwiler Gemeindeversammlung die Verlängerung fünf Mal abgelehnt. Deshalb vertritt der Oberwiler Gemeinderat ein Nein. Das Ja-Komitee ist hingegen der Meinung, die schlecht besuchten Gemeindeversammlungen würden nicht die Mehrheit der Oberwiler Bevölkerung repräsentieren.

12. Was passiert, wenn am 24. November Oberwil Nein sagt, aber auf kantonaler Ebene überstimmt wird?

Dann kann die Strasse trotzdem gebaut werden.

 

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Was spricht für und was gegen die Langmattstrasse?

Lotti Stokar und Hans-Jürgen Ringgenberg sagen ihre Meinung im Pro und Contra.

Hans-Jürgen Ringgenberg, SVP.

Hans-Jürgen Ringgenberg, SVP.

Lotti Stokar, Grüne.

Lotti Stokar, Grüne.

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