Offiziell wird eisern geschwiegen. Doch Recherchen der bz zeigen, dass die lange Suche nach Standorten für das neue Bundesasylzentrum in der Nordwestschweiz kurz vor dem Ende steht.

Es bestätigt sich, dass Baselland in der Pole-Position für ein grosses Verfahrenszentrum steht. Aus dem bestehenden Empfangs- und Verfahrenszentrum Bässlergut in Basel-Stadt dürfte eines der zwei benötigten Ausreisezentren werden. Das andere müsste entweder im Kanton Solothurn oder im Aargau gebaut werden (siehe Kasten).

Mitte Juni wird es offiziell

Im Baselbiet fokussierte sich die Suche zuletzt auf Liestal. Dies, nachdem Hölstein Anfang März endgültig als Option weggefallen war. Im Kantonshauptort wurden unter Federführung des Bundes zu mehreren Arealen Machbarkeitsstudien durchgeführt. Wie mehrere Quellen bestätigen, ist nun ein klarer Favorit erkoren worden. Es handelt sich um das Areal an der Oristalstrasse 100. Also dort, wo bis Ende 2006 das kantonale Zeughaus betrieben wurde und aktuell das Amt für Militär- und Bevölkerungsschutz und das Fund- und Verwertungsbüro ihren Sitz haben. Auch die Kantonspolizei nutzt gewisse Räumlichkeiten für Ausbildungszwecke.

Offiziell bekannt geben möchte dies noch niemand – denn unterschrieben ist nichts. Der Baselbieter Asylkoordinator Rolf Rossi verweist an die Regierung. «Die Regierung hat noch keinen abschliessenden Entscheid gefällt», sagt der zuständige Regierungsrat Anton Lauber (CVP). Während das Staatssekretariat für Migration (SEM) über ihren Sprecher Martin Reichlin nur bestätigt, dass «Bund, Kanton und Stadt Liestal sich über verschiedene Standorte in der Gemeinde ausgetauscht haben» und Liestals Stadtpräsident Lukas Ott es «weder bestätigen noch dementieren» möchte, sagt Lauber immerhin: «Die Oristalstrasse 100 ist Bestandteil der Abklärungen.»

Die Zurückhaltung ist verständlich, möchten die Beteiligten doch verhindern, dass wie im freiburgischen Giffers Ende Februar die Emotionen hochgehen. Deshalb will der Bund die Lösung für die ganze Asylregion Nordwestschweiz zusammen mit allen vier Kantonsregierungen als Paket der Öffentlichkeit präsentieren. Dem Vernehmen nach soll es Mitte Juni so weit sein.

Oristal statt Kreuzboden

Von der bz mit der Recherche konfrontiert, kann Ott gar nicht anders, als festzuhalten: «Über diesen Standort kann man diskutieren.» Warum, liegt auf der Hand: Die Oristalstrasse 100 befindet sich im Eigentum des Kantons, liegt eher peripher und nicht direkt in der Nähe eines Wohnquartiers. Dennoch ist das Areal verkehrstechnisch gut erschlossen. Für Ott entscheidend ist aber: «Damit würde sich die Suche von unseren Premium-Arealen wegbewegen, die wir für unsere eigene Stadtentwicklung benötigen.»

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Ott damit das Gebiet Kreuzboden meint. Diese 30 000 Quadratmeter werden frei, wenn die Verwaltung dereinst aufs umgestaltete Bahnhofsareal zieht. Die Oristalstrasse 100 scheint nun Liestals Alternativangebot zu sein, damit das Asylzentrum nicht dieses «Premium-Areal» belegt. Auch Regierungsrat Lauber hält klar fest: «Die Interessen der Standortgemeinde müssen berücksichtigt werden.»

Dabei verhehlt Ott weiterhin nicht, dass es für eine Gemeinde auch einige Vorteile bringt, ein Asylzentrum des Bundes zu beherbergen. «Liestal wird unter dem Strich entlastet», sagt er. Man müsse dann beispielsweise kein eigenes Asylheim mehr führen, weil man von der Aufnahmequote befreit wird. Dies entlaste die Sozialhilfe nachhaltig.

Zudem rechnet Lukas Ott mit 120 bis 130 neuen Arbeitsplätzen rund ums Asylzentrum. Das passt zur Grundidee des SEM: «Bei der Neustrukturierung des Asylwesens setzen wir auf die Devise ‹Alles unter einem Dach›. Das bedeutet, dass nicht nur die Asylsuchenden untergebracht werden, sondern auch alle am Asylverfahren Beteiligten direkt dort tätig sind», sagt Reichlin. Ott bleibt zudem bei seinem Standpunkt, dass «sich nicht alle Gemeinden verweigern können». Zu dieser kritisch-konstruktiven Haltung habe er bisher auch aus der Bevölkerung nur positives Feedback erhalten. Mit einem Aufstand wie in Giffers rechnet der Stadtpräsident deshalb nicht.