Nostalgiebahn

Das Nostalgie-«Tigerli» in Laufen: Eine Publikumsfahrt im Jahr muss vorerst reichen

Ihre Jungfernfahrt von Delémont nach Laufen hat die frisch instandgestellte Dampfloki E 3/3 mit Bravour bestanden. Jetzt stellt sich die Frage nach regelmässigen Nostalgiefahrten ins Baselbiet.

Noch bis spätabends feierte die Gesellschaft im Hôtel Victoria die Ereignisse des Tages. Ohne grössere Schwierigkeiten hatte wenige Stunden zuvor das «Tigerli» seine Jungfernfahrt von Delémont nach Laufen und wieder zurück bewältigt (bz von gestern).

Für die Vereinsmitglieder der Historischen Eisenbahngesellschaft ging damit ein langes Jahrzehnt mit Instandsetzungsarbeiten der E 3/3-Dampflokomotive zu Ende. Grund genug also, um noch am Samstagabend auf diesen Erfolg anzustossen; dies im bewährten Delsberger Stammlokal nahe dem alten Lok-Depot «Rotonde», dem Vereinssitz der Hobby-Bähnler.

Das «Tigerli» dampft nach Laufen und findet Anschluss

Das «Tigerli» dampft nach Laufen und findet Anschluss

Der Nostalgie-Dampfzug «Tigerli» war am zweiten Septemberwochenende 2019 von Delémont nach Laufen unterwegs. Die bz hat die Ausfahrt bei herrlichem Wetter begleitet.

Doch schon steht die nächste Bewährungsprobe bevor. Am 21. September wird die Historische Eisenbahngesellschaft das Tigerli, wie die 1907 gebaute E 3/3 in Bähnlerkreisen genannt wird, gleich nochmals auf die Reise schicken. Dann stehen die ersten öffentlichen Dampffahrten zwischen Delémont und Laufen auf dem Programm. Offiziell tritt die Bahn-Stiftung «SBB Historic» als Organisator auf, unter deren Schirmherrschaft sich die Delsberger Bahnfreunde dem Erhalt von historischem Bahnmaterial verschrieben haben. So findet auch der Vorverkauf über die SBB-Historic-Homepage beziehungsweise jene von Ticket Corner statt.

Viel Aufwand und hohe Kosten pro Fahrt

Wer allerdings denkt, es genüge, das Tigerli einzuheizen und auf die Gleise zu schicken, der irrt. Jede Fahrt muss fast schon generalstabsmässig geplant und vom Bundesamt für Verkehr bewilligt werden. Derart restriktiv sind die Schweizer Vorschriften für den Betrieb von historischen Dampfzügen.

Fast schon das geringste Problem dabei ist, dass nur ausgebildete Heizer und Lokführer mit Streckenkenntnis zugelassen sind. Letztere werden von den SBB gestellt. Sehr viel mehr Aufwand bedeutet jeweils der Abgleich mit dem regulären Schienenverkehr, um geeignete Zeit- und Streckenfenster für die Dampffahrten zu finden. Und selbstverständlich sind die Sicherheitsvorschriften streng: So darf ab der Waldbrandstufe 4 nicht gefahren werden. Manch einer dürfte sich daran erinnern, wie das «Waldenburgerli» im Juni 2011 ein Getreidefeld bei Bubendorf in Brand steckte, weil Funken aus dem Loki-Kamin der «Gedeon Thommen» die trockenen Halme entzündeten.

Private und Firmen können Extrafahrten buchen

Stichwort «Waldenburgerli»: Könnte die Historische Eisenbahngesellschaft – wie einst die Schmalspurbahn – sogar mehrmals pro Jahr durchs Baselbiet dampfen? Vereinspräsident Thomas Pulfer gibt sich skeptisch: Neben dem grossen administrativen Aufwand sprechen auch die Kosten von 5000 und 6000 Franken pro Fahrt dagegen. Diese können nur mit einem quasi ausgebuchten Zug, also 50 bis 60 zahlenden Gästen, amortisiert werden. Nicht nur das: Streng genommen müsste ein Teil der Einnahmen in einen Reparaturfonds fliessen, da die Abnützung des historischen Wagenmaterials hoch ist.

Unter solchen Voraussetzungen liegt vorerst nur ein öffentlicher Fahrtag pro Jahr drin, rechnet der diplomierte Treuhänder vor. Anderseits zeigt sich Pulfer offen für jede Anfrage nach Extrafahrten, sei es durch Private oder durch Firmen: «Die Kosten müssten einfach gedeckt sein.»

Meistgesehen

Artboard 1