Herr Schlegel, Sie redeten kürzlich bei einem Anlass in Laufen der Politik und der Verkehrslobby ins Gewissen, untätig zu sein. Der Umfahrung Laufen–Zwingen geben Sie keine Chance mehr?

Hans-Jörg Schlegel: Das Projekt der Umfahrung Laufen-Zwingen stammt aus einer Zeit, als man meinte, alles sei finanzier- und machbar. Das Projekt, das jetzt auf dem Tisch liegt, ist perfekt: Der Umweltschaden und der Landverbrauch sind gering; die Ortschaften werden kaum tangiert. Aber das Projekt ist sagenhaft teuer und der Nutzwert in der Summe deshalb zu klein.

Was haben die Politiker und Lobbyisten also falsch gemacht?

Der Kantonsregierung kann ich keinen Vorwurf machen: Seit Sabine Pegoraro Baudirektorin ist, hat sie versucht zu retten, was zu retten war. Sie hat sich ja im Vorfeld der Vignettenabstimmung stark eingesetzt für den Netzbeschluss, mit dem die H 18 an den Bund gegangen wäre. Aber gegen die Autolobby hat niemand eine Chance in diesem Land. Diese hat meiner Meinung nach einen grossen Fehler gemacht, sich gegen die Erhöhung des Vignettenpreises zu stellen. Denn die Benzinsteuer, mit der sie die Strassen finanziert sehen wollen, wird immer weniger werden.

Sie loben Frau Pegoraros Engagement für den Netzbeschluss, erteilen aber auch der Hoffnung eine Absage, dass der Bund die Umfahrung finanzieren würde, wenn die H 18 in seinem Besitz wäre.

Der Bund überprüft die Strassenwünsche der Kantone systematisch nach ihrem Nutzen für die Wirtschaft, die Gesellschaft und die Umwelt. Je höher der Gesamtnutzen dieser drei Kriterien, umso höher wird das Projekt priorisiert. Aufgrund der erwähnten hohen Kosten besteht die Gefahr, dass das bestehende Laufentaler Projekt auf dieser Liste sehr weit nach hinten rutschen wird. Zudem gibt es kein baufertiges Projekt, das der Kanton dem Bund vorlegen könnte. Bereits im Jahr 2000 musste selbst der Projektierungskredit von 3 Millionen Franken in einer Volksabstimmung bestätigt werden. Und damals sprach man noch von 200 bis 300 Millionen Franken Baukosten statt der heutigen Milliarde. Deshalb dürfte die Planung der Umfahrung Laufen–Zwingen momentan auch beim Kanton keine Priorität mehr haben. Neue Strassenprojekte passieren das Volk heute nicht mehr so einfach wie noch vor 20 Jahren.

Aber es werden doch ständig neue Strassen gebaut: Das Volk hat der H 2 zugestimmt und wird das aller Voraussicht nach auch bei der Umfahrung Allschwil tun.

Ja, aber die H 2 hat einen riesigen Nutzen. Der halbe Kanton profitiert davon. Im Laufental reden wir jedoch im Vergleich von einem Drittel des Verkehrs und den doppelten Baukosten. Ich wage zudem zu behaupten, dass die Oberbaselbieter einer Umfahrung Laufen im Falle einer Volksabstimmung nicht zustimmen würden. Denn das Oberbaselbiet hat mit der Umfahrung Liestal selbst noch eine grosse Hypothek: Ich nehme an, dass die Sanierung zwischen 300 und 400 Millionen kosten wird.

Sie sprechen die mangelnde Zusammenarbeit und damit Lobbykraft beider Basel an. Sie sind damit alles andere als der Erste. Warum funktioniert die Verkehrs- und Raumplanung trotz aller Appelle aus Wirt- und Wissenschaft nicht besser zwischen den beiden Kantonen?

Die Mittelland- oder Alpenkantone halten viel mehr zusammen. Die beiden Basel stehen aber alleine. Und das wird sich nicht ändern, solange sie sich verhalten wie zwei Pflichtpartner und sich nicht in wirklicher Wertschätzung begegnen. Das verhindert bisher jedoch der Neid in Baselland und das Unverständnis in Basel-Stadt. Es ist furchtbar schade, dass die Prüfung einer Fusion abgelehnt wurde: Kantone wie Zürich und Bern können diesen Stadt-Land-Unterschied ausgleichen. Die Stadt Bern schaffte es so in nur zwei Jahren, eine zusätzliche Osttangente aufzugleisen.

Es herrsche «Stillstand bezüglich der übergeordneten Strasseninfrastruktur», sagen Sie. Was halten Sie zum Beispiel vom 5-Punkte-Plan der FDP?

Ich finde es positiv, dass sich Christoph Buser da einsetzt. Allerdings betreffen seine fünf Punkte nur teilweise Projekte, für die der Kanton Baselland verantwortlich wäre. Er hat recht, dass es eine Sünde war, dass beide Basel dem Kanton Aargau nachgegeben haben, die A 98 als Lokalautobahn zu begrenzen. Er hat auch recht, dass Basel die Osttangente lange verschlafen hat. Aber er es bringt nichts, im Nachhinein anderen an den Karren zu fahren.

Dann lassen Sie uns in die Zukunft blicken: Was schlagen Sie also konkret für das Laufental vor?

Einen Marschhalt und eine Neuorientierung. Ein 7,7 Kilometer langer Tunnel wäre sicher toll; er ist aber wie gesagt nicht bezahlbar. Mit dem Eggfluetunnel bei Grellingen und dem Kreisel in Zwingen haben wir zwei grosse Engpässe beseitigt. Das ist ausgezeichnet. Der Kanton und die Laufentaler müssen sich also überlegen, welche wirtschaftlich tragbaren Möglichkeiten wir für die restlichen Engpässe haben. Das Gesamtprojekt muss günstiger werden, damit es eine Chance auf Verwirklichung hat.

Dann ist das Postulat von FDP-Fraktionspräsident Rolf Richterich, der die Etappierung der Umfahrung Laufen-Zwingen vorschlägt, also ganz in Ihrem Sinn?

Prinzipiell ja. Herr Richterich schlägt vor, mit einer Kernumfahrung Laufen als erster Etappe zu beginnen. Ob sich diese in eine Gesamtlösung integrieren lässt, ist zu prüfen. Zudem bestehen dann die Verkehrsbelastungen der Hinterfeldstrasse in Zwingen und Brislach immer noch.