Bus

Das Prattler Erlebnisbad legt die Haltestelle trocken

Vielleicht fährt bald kein Bus mehr ins Prattler Erlebnisbad Aquabasilea.

Vielleicht fährt bald kein Bus mehr ins Prattler Erlebnisbad Aquabasilea.

Das Aquabasilea in Pratteln kümmert sich nicht mehr um unmotorisierte Gäste. Ein Missgeschick der Gemeinde lässt das zu: Wegen fehlender Regelung kann sie das Erlebnisbad nicht zu einer Mitfinanzierung am Ortsbus zwingen.

Bald wird man vielleicht nicht mehr ohne Auto ins Aquabasilea kommen – ausser man will die 500 Meter vom Bahnhof zu Fuss gehen. Denn ab dem Fahrplanwechsel im Dezember könnte kein Bus 79 mehr vor dem grössten Erlebnisbad der Schweiz halten. Der Prattler Gemeinderat schlägt am Montag nämlich dem Einwohnerrat vor, die Testphase des Busbetriebs um drei Jahre zu verlängern – mit einer veränderten Routenführung. Aquabasilea würde nicht mehr angefahren. Die Begründung des Gemeinderats: Die Badbetreiber hätten für den Bus «nicht wie bisher einen angemessenen Beitrag leisten» wollen, schreibt der Gemeinderat.

Das Erlebnisbad Aquabasilea mit angehängten Läden und Restaurants ist eine publikumsintensive Einrichtung. Mit der Mitfinanzierung des Ortsbusses sorgte Aquabasilea bisher für die Erreichbarkeit ohne Auto. Doch das Unternehmen dazu zwingen, sich am Ortsbus zu beteiligen, kann die Gemeinde nicht. Sie verpasste es nämlich 2001, im Quartierplan für Aquabasilea eine entsprechende Regelung festzuhalten.

Zwar steht dort, dass das Unternehmen für eine öV-Anbindung sorgen muss. «Aber es ist nicht abschliessend formuliert, wie diese Anbindung auszusehen hat», erklärt Gemeinderat Stefan Löw (FDP). «Die Gemeinde hat kein Druckmittel. Wir können Aquabasilea nur auf die Regelung hinweisen.» Eigentlich sei es im Interesse des Unternehmens, mit einem Bus dafür zu sorgen, dass möglichst viele Gäste kämen. Und es sei sowieso gut, wenn die Leute mehr zu Fuss gehen würden, zum Bahnhof sei es ja nicht weit.

Aquabasilea-Verwaltungsrat Andreas Schauer argumentiert anders. «Der Bus wird leider sehr wenig genutzt. Lediglich 2 bis 3 Prozent der Gäste kämen mit dem Bus, 95 Prozent mit dem Auto. «Der Bus hat einfach eine zu geringe Akzeptanz.» Er erinnert zudem an die Anfangsphase des Bads ab 2010. Gemäss Quartierplan zahlte Aquabasilea ein Jahr lang einen Shuttle-Bus, «mit dem Ziel, dass die Linie selbsttragend betrieben werden kann», so Schauer. Dies sei Teil der gemeinderätlichen Vorlage gewesen. Dann habe man den Ortsbus fünf Jahre lang unterstützt, «eine massive Anschubfinanzierung». Er erwartet von der Gemeinde jetzt «ein Konzept, das wirtschaftlich tragbar ist und nur während der Übergangsphase durch Private unterstützt wird».

Wie tief die Benutzerzahlen tatsächlich sind, lässt sich derzeit nicht belegen. Die Autobus AG Liestal, die den Ortsbus betreibt, gibt vor der Einwohnerratsdebatte keine Zahlen bekannt.

Fehler wurde später vermieden

Löw räumt ein, dass es die Gemeinde 2001 verpasst habe, einen griffigen Quartierplan durchzusetzen. Inzwischen zwingt der Kanton publikumsintensives Gewerbe mit mehr als 5000 Quadratmetern, auf eigene Kosten für eine öV-Anbindung zu sorgen. Aber das Gesetz gilt nur für ab 2008 erstellte Quartierpläne, und betroffen sind nur Verkaufsbetriebe. «Beides trifft auf Aquabasilea nicht zu», sagt Oliver Biedert, Leiter öffentlicher Verkehr bei der Bau- und Umweltschutzdirektion.

Im Grüssen vermied die Gemeinde Pratteln den Fehler von 2001. In den Quartierplänen ist festgehalten, dass die Firmen für Erreichbarkeit ohne Auto sorgen müssen, auf eigene Kosten. Die Regelungen gehen weit in die Details, etwa wie oft ein Bus fahren muss. Um dieser Pflicht nachzukommen, zahlten Ikea, Pfister, Toptip und das Grüssen-Center bisher einen Anteil am Ortsbus, und sie werden dies auch weiterhin tun. Auch der Obi-Fachmark im Grüssen wird für eine öV-Anbindung sorgen müssen – was sich allerdings erübrigt, falls wie geplant eines Tages das Tram zum Grüssen fährt.

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