Eine grössere Prattler Spedition steht vor dem Aus: Die Extra Express Logistik AG befindet sich in Liquidation, die letzten verbliebenen Mitarbeiter verlieren ihre Jobs.

Gerüchte, dass es beim Transport-Unternehmen wirtschaftlich nicht mehr rund läuft, waren in Pratteln schon seit Wochen zu vernehmen. Es ist offenbar auch zu mehreren Entlassungswellen gekommen. In den Tagen vor Ostern hat das Unternehmen nun die Bilanz deponiert, sagt Rolf Wirz, Sprecher der Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD), auf Anfrage.

Die Mitarbeiter seien an einer eigens zu diesem Zweck einberufenen Veranstaltung über die Insolvenz in Kenntnis gesetzt worden. Auch das Kantonale Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (Kiga) ist laut Wirz über den Konkurs informiert: «Es hat bereits die ersten notwendigen Schritte eingeleitet.»

Löhne nicht bezahlt

Die Extra Express Transport Logistik AG, wie die Firma offiziell heisst, besitzt eine Tochtergesellschaft im belgischen Vilvoorde und eine – laut Handelsregistereintrag weiterhin aktive – Zweigniederlassung im Basler Gellertquartier. Das Transport-Unternehmen beschäftigte laut eigenen Angaben rund 140 Mitarbeiter. Wo diese ihre genauen Arbeitsorte hatten, ist jedoch nirgends aufgeführt.

Gemäss VGD waren zum Zeitpunkt der Konkurseröffnung noch sechs Personen für das Unternehmen tätig. Von 37 ehemaligen Angestellten gebe es ausstehende Lohnforderungen.

Alles weist demnach auf einen scheibchenweisen Jobabbau hin. Damit konnte wohl eine Massenentlassung vermieden werden. Das Schweizer Arbeitsrecht definiert eine solche, wenn ein Betrieb mit mehr als 20 und weniger als 100 Arbeitnehmern innert 30 Tagen mindestens zehn Kündigungen ausspricht.

In solch einem Fall wäre das Unternehmen verpflichtet gewesen, die Belegschaft zu konsultieren und ihr die Gelegenheit einzuräumen, Rettungsvorschläge einzureichen. Ausserdem hätte die Massenentlassung beim Kiga angezeigt werden müssen.

Das Zivilkreisgericht Basel-Landschaft Ost hat über die AG am 7. April den Konkurs eröffnet. Das Unternehmen wollte gestern auf Anfrage der bz keine Auskünfte erteilen. Die Anfragen blieben allesamt unbeantwortet. Die Gewerkschaft Unia hatte per dato noch keine Kenntnis vom Arbeitsplatz-Abbau.

Auffällige Bemalung

Extra Express wurde laut eigenen Angaben im Jahr 1994 gegründet. Der Hauptsitz befindet sich im Osten Prattelns, in der Nähe des Hülftenkreisels und in Nachbarschaft zu anderen Logistikbetrieben. Die Lage ist verkehrstechnisch günstig: Die Autobahnen 22 und 2 befinden sich in der Nähe.

Das Unternehmen besitzt in Pratteln auch grössere Lagerflächen, als Fuhrpark werden 142 Einheiten ausgewiesen. Die Fahrzeuge besassen eine für einen Speditionsbetrieb auffällige Erscheinung: Sie waren schwarz lackiert, der Firmenname war pink-weiss aufgemalt.

Zumindest auf der Website der Extra Logistics herrschte am Mittwoch weiterhin Courant normal. «Starten Sie in ganz Europa durch», hiess es dort. Es konnten auch Fahrten gebucht werden – ebenso war eine offene Stelle ausgeschrieben.