Feuerwehr Baselland

«Das Problem hat sich akzentuiert»

Werner Stampfli

Werner Stampfli

Die Zukunft gehöre halb-professionellen Regionalfeuerwehren, sagt der Baselbieter Feuerwehr-Inspektor Werner Stampfli

Werner Stampfli, die Feuerwehren im Baselbiet haben teilweise Probleme, ihre Angehörigen im Fall eines Alarms innert nützlicher Frist auf den Fahrzeugen zu haben, zumindest tagsüber. Sind die Feuerwehren überhaupt einsatzfähig?

Werner Stampfli: Ja. Das ist garantiert. Fakt ist aber, dass die Verfügbarkeit der Feuerwehrangehörigen tagsüber eine stets grösser werdende Herausforderung darstellt. Das ist schon seit Jahren so – das Phänomen hat sich aber akzentuiert.

Welche Feuerwehren sind eher betroffen: stadtnahe oder ländliche?

Grundsätzlich sind alle Feuerwehren in der Schweiz mit diesem Phänomen konfrontiert.

Die Verkehrswege und der öffentliche Verkehr sind aber eher besser ausgebaut als früher. Wo liegt denn das Problem?

Für das Einrücken der Feuerwehrleute zum Feuerwehreinsatz sind Bahn, Tram und Bus nicht geeignet. Die Haltestelle müsste genau vor dem Magazin liegen, das ist in den wenigsten Fällen so. Auch das Auto ist nicht zuverlässig. Zehn Minuten nach Alarmierung müssen acht Einsatzkräfte vor Ort sein, als erstes Element sozusagen – so lautet die gesetzliche Vorgabe.

Nehmen wir mal folgenden Fall an: Eine Prattlerin ist Mitglied der örtlichen Feuerwehr, arbeitet aber in Basel am Bankenplatz. Bei einem Alarm ist die Wahrscheinlichkeit klein, dass sie schon nach zehn Minuten beim Magazin in Pratteln eingetroffen ist. Während der Rushhour ist das komplett aussichtslos.

Pratteln will nun Gemeindemitarbeiter gleich auch für die Feuerwehr aufzubieten. Ist das eine Lösung?

Ich begrüsse dieses Vorgehen. Pratteln ist übrigens längst nicht die erste Gemeinde, die dies tut. Es ist nicht die Lösung des Problems – es lindert es jedoch. Es wird ein grosses Potenzial genutzt. Ich gehe davon aus, dass es auch auf der Prattler Verwaltung ausgebildete Feuerwehrleute gibt, die nicht in Pratteln wohnen. Gibt es einen Grund, sie im Ernstfall tagsüber nicht in Pratteln einzusetzen? Nein.

Sie sagen, solche Modelle würde das Problem lindern, aber nicht lösen. Was wäre denn die richtige Lösung?

Unsere Feuerwehrstruktur stammt aus dem 19. Jahrhundert. Damals arbeiteten fast alle im Ort, in dem sie wohnten – heute ist das eher die Ausnahme. Das heisst, dass wir zwar genügend motivierte und ausgebildete Leute haben, aber die befinden sich – aus Sicht der Feuerwehr – häufig und vorab tagsüber am «falschen» Ort. Könnte man das Feuerwehrwesen neu aufbauen, so würden Regionalfeuerwehren zum Zug kommen, mit einem Stock an fest angestelltem Personal. Genau das sehen wir in der Region Liestal vor. Die Feuerwehren der Stadt und der umliegenden Gemeinden sollen zusammengefasst werden.

Wäre das nicht ein Abschied vom Miliz-System?

Nein – im Gegenteil: Diese Massnahme schützt langfristig das Milizsystem. Die festen Feuerwehrleute wären bei einem Ernstfall innert zehn Minuten am Einsatzort, danach oder parallel dazu würde je nach Bedarf weiteres Personal aufgeboten.

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