Pionier

Das Rote Kreuz Baselland verhilft tausenden Arbeitssuchenden zu einem neuen Job

Porträt von Claudia Vallant, die via Rotes Kreuz den beruflichen Wiedereinstieg geschafft hat.

Porträt von Claudia Vallant, die via Rotes Kreuz den beruflichen Wiedereinstieg geschafft hat.

Mit dem Programm «Berufliche Integration» hat das Rote Kreuz Baselland in den letzten 20 Jahren über 1000 vorwiegend Frauen zu einem neuen beruflichen Standbein verholfen – eine Erfolgsgeschichte.

Gäbe es das Rote Kreuz nicht, würde bei der Altenpflege der Notstand ausbrechen. Denn Jahr für Jahr bildet die Organisation schweizweit Tausende von Pflegehelferinnen aus; im Baselbiet sind es jährlich 240, zuständig ist der Kantonalverband.

Und dieses Rote Kreuz Baselland hat vor 20 Jahren als nationaler Pionier die Pflege-Ausbildung um das spezielle Programm «Berufliche Integration» ergänzt. Kürzlich wurde dieses Jubiläum mit den involvierten Kreisen vom kantonalen Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit bis hin zu den Pflegeheimen gefeiert.

Das Programm «Berufliche Integration» steht allen bei regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) angemeldeten Stellensuchenden offen, die in die Pflege einsteigen möchten. Das Programm beinhaltet einen Deutschtest bei Fremdsprachigen, ein Gespräch, um die Eignung abzuklären, ein Praktikum sowie den eigentlichen Lehrgang. Während des Praktikums und des Lehrgangs werden die angehenden Pflegehelferinnen intensiv gecoacht.

Das Rote Kreuz Baselland hat mit dem Programm «Berufliche Integration» in den letzten 20 Jahren über 1000 vorwiegend Frauen zu einem neuen beruflichen Standbein verholfen. «80 Prozent der Absolventinnen finden nach der Ausbildung eine Stelle im Pflegbereich. Das Angebot ist gross», sagt Patrizia Hofer. Sie leitet beim Roten Kreuz Baselland den Bereich Bildung.

Im KV-Bereich out, bei Pflege in

Eine, die den Pflegerinnen-Weg via das Programm «Berufliche Integration» mit Erfolg beschritten hat, ist Claudia Vallant. Ihre Situation vor der Ausbildung war ein Stück weit typisch: Die 51-Jährige arbeitete Jahrzehnte als kaufmännische Angestellte, wechselte vor drei Jahren die Stelle und kündete am neuen Ort noch in der Probezeit, weil sie sah, dass es nicht funktionierte. Dann kam Vallant auf die Welt und musste trotz ihrer beruflichen Erfahrung erkennen, dass es alles andere als leicht ist, in ihrem Alter eine neue Stelle im KV-Bereich zu finden.

So landete sie beim RAV, das ihr zu einem Abklärungsgespräch beim Roten Kreuz Baselland verhalf. Dieses verlief positiv und Vallant fand mit Unterstützung des Roten Kreuzes eine halbjährige Praktikumsstelle in einem Pflegeheim. Parallel zu diesem Praktikum absolvierte sie den theoretischen Ausbildungsteil, der aus insgesamt 120 Stunden besteht. Zur Betreuung des Roten Kreuzes gehören auch regelmässige Standortgespräche und ein Bewerbungstraining.

Mit diesem Rucksack ausgestattet und dem entsprechenden Zertifikat in der Hand fand Vallant schnell eine Arbeitsstelle in einem Alters- und Pflegeheim, wo sie nun seit bald einem Jahr tätig ist. Der Job als Pflegehelferin gefällt ihr: «Wir Pflegehelferinnen haben am meisten und am engsten Kontakt mit den Heimbewohnern. Wer die Menschen gern hat und sich mit Empathie auf sie einlässt, erhält jeden Tag viel zurück.»

Arbeitsmoral ist hoch

In diesem Jahr hat das Rote Kreuz Baselland laut der Bildungsverantwortlichen Patrizia Hofer 74 Personen durch den Lehrgang «Berufliche Integration» begleitet. 45 von ihnen haben eine Stelle gefunden, die Restlichen sind noch im Programm. Die Kosten für den Lehrgang betragen 2200 Franken. Und der empfohlene Anfangslohn für eine Pflegehelferin, zu deren Kompetenzen die Körperpflege, Hilfe beim An- und Ausziehen sowie beim Essen und Trinken gehören, beläuft sich auf 3800 bis 4200 Franken monatlich bei einer hundertprozentigen Beschäftigung.

Eine Anfang Jahr veröffentlichte Studie habe gezeigt, dass die Arbeitsmoral der Absolventinnen hoch und die Fluktuation gering sei, sagt Hofer. 60 Prozent der Mitarbeitenden in den Baselbieter Alters- und Pflegeheimen verfügten über ein Zertifikat des Rotkreuz-Lehrgangs.

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Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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