Obestreich oder Schnitzelbanksingen? Das war am Fasnachtsmontag in Liestal die Gewissensfrage für alle Fasnachtsfreunde. Nach dem imposanten Umzug und dem spektakulären Chienbäse vom Sonntag hiess es tags darauf noch vor der Dämmerung: Hinein in die gute Stube, zu den Schnitzelbänklern. Parallel dazu das Freiluftprogramm als Obestreich mit Gässle bis 23 Uhr und abschliessenden Konzerten der Cliquen und Guggen vor dem Rathaus.

Das hört sich ebenfalls gut an, hat aber eher die Hardcore-Fasnächtler angesprochen, die von der grossen Sause vom Sonntag noch nicht genug hatten.

Überall gerammelt voll

Die grosse Masse indes – und das war bei diesem Hudelwetter halt doch der Normalfall – verzog sich in die neun Beizen und drei Cliquenkeller. Und selbstredend: überall gerammelt voll. Da haben dann nicht nur die Värslibrünzler Vollgas gegeben, sondern auch die Küchenchefs, die vom Hotdog bis zum Gourmet-Menü alles im Angebot hatten. Wen wunderts, dass der Schnitzelbank-Montag seit Jahren der Renner ist und als eigentliches Sahnehäubchen der Liestaler Fasnacht gilt?

Umso mehr, als dann beispielsweise bei Rindsfilet mit Kartoffelgratin – das kam in der «Schützenstube» auf den Teller – das fasnächtliche Genussempfinden zusätzlich angereichert wurde. An den Liestaler Schnitzelbänklern kommt keiner vorbei. Sie registrieren gesellschaftskritisch alles Kuriose, alle Ungereimtheiten und Schandtaten. Die darauf gedrechselten Sprüche sind gewissermassen die aufgestochenen Eiterbeulen des vergangenen Jahres.

Die meisten taten das mit gut gereimten, pointierten Versen und feinsinnigem Humor. Einige wenige aber blieben biederes Mittelmass und liessen in ihren Vorträgen nebst der Musikalität auch das Bissige und Originelle vermissen. Unverkennbar aber die Begeisterung, mit welcher die Schnitzelbänkler nach allem wühlten, das sich durch den Kakao ziehen lässt. Die Freude über solches Tun drückte das Frauenduo Chalte Kaffi in ihren Refrains dann so aus:

   

Mir si so glücklich Trallala, überall d Schnuure dinne z ha!

Das tun sie eben auch nach einem Gurken-Klau in der Migros:

I verstand nid wieso das öpper duet störe, d’Migros duet doch allne ghöre.

Bleiben wir beim Gemüse, zu kaufen auf dem Markt im Stedtli. Da werden Die Verbissene politisch und bissig:

Bim chaufe muesch nur obacht geh, duesch kei Kohlkopf us em Stadtrot neh!

Was sich am Genussmarkt so abspielt, kommentieren die Schlümpfli 94 ebenfalls politisch und topaktuell:

Dr Gnussmärt dä isch wirklich toll, s Stedtli das isch rappelvoll, si grüesse, winke und duen strahle, heijo es si bald wieder Wahle.

Die neue Waldenburgerbahn (WB) wird bekanntlich zukünftig in der gelben BLT-Farbe und nicht mehr traditionell als rot-weisses Bähnli in Liestal einfahren. Dazu lästern D Rotznaase in einem Zweizeiler:

So fahrt sie neu als gääle Waage, übers Rothuus und in d Psychi aabe.

   

Die Schnitzelbänkler werden zwar nicht nach Rang und Punkten bewertet, nach dem Auftritt des Schnitzel Fritz war man sich aber in den Liestaler Beizen einig: Das ist in der lokalen Szene unangefochten der Primus inter Pares. Er ist ein Alleinunterhalter, der die hohe Schule der Bank-Dichtkunst mit bissig, schräg und skurril gesetzten Pointen beherrscht und originelle Texte gekonnt und theatralisch hinüberbringt.

Dazu kommt der jeweils witzige Dialog mit seiner Gitarrenbegleitung Belinda. Das wirklich Lustige sind denn auch seine Menüvorschläge mit Speisekarte als Helgen, von denen er die Storys ableitet. So macht sich der mit Schweinelarve auftretende Koch über die aktuelle Genusswelle in Liestal als Nouvelle cuisine lustig und verbindet dabei zwei Themen witzig miteinander:

   

Mir gniesse alles in volle Züg, und s Törli isch renoviert, das isch jo scho chli öppis, will meh isch z Lieschtel nid passiert.

Die Schlusspointen – Schnitzel Fritz serviert sie als Dessert – sind dann die grossen Brüller:

Damit im Stedtli jo nid z vill laufe cha, haltet me d Uhr am Törli au no aa.

Das ist aber noch nicht alles:

Jetz lauft nüt meh und es isch total Rueh, und us Langwili macht s Puff an dr Burgstross au no zue.

Weiter auf der Speisekarte: Coq au vin de Parmelin: Der Ex-VBS-Chef habe am Pfeffinger Forum Sabine Pegoraro gefragt, wo er nach der Neubeschaffung die alten Flugzeuge entsorgen könne.

D Sabine seit, du gib mir die, sorg di dodrum nit. Jedem, wo bi mir es Auti chauft, däm gibi gratis e Flugi mit.