Augst

Das Schimmel-Asylheim unter dem Gemeindehaus

Die Zivilschutzanlage unter der Gemeindeverwaltung in Augst sei ein Drecksloch. Menschenrechtsaktivistin Anni Lanz prangert Missstände an, welche Asylanten selber verschuldet haben.

Vierzehn Asylsuchende wohnen zwischen schimmligen Wänden. In schmuddligen Wolldecken gehüllt liegen sie eng beieinander, damit sie in der Nacht weniger frieren. Die Zivilschutzanlage unter der Gemeindeverwaltung in Augst sei ein Drecksloch, in dem zu wohnen menschenunwürdig sei. Bereits im Januar prangerte die Menschenrechtsaktivistin Anni Lanz die Missstände in dem Asylheim an.

Missstände schon lange bekannt

In einer E-Mail an diverse Landräte fügte sie ihren Beobachtungen Fotos als Beweis an. EVP-Landrätin Elisabeth Augstburger ärgerte sich an der letzten Landratssitzung vom Donnerstag darüber, dass Regierungsrat Adrian Ballmer keinerlei Missstände im Asylwesen ausmachte. Zusammen mit der SP-Landrätin Regula Meschberger will sich Augstburger nun selbst vor Ort ein Bild machen.

Gegenüber der bz betont Anni Lanz, dass sich seit Januar einiges getan habe: Die ABS Betreuungsservice AG, die das Asylheim betreibt, habe den Schimmel beseitigt und eine Holztüre eingesetzt, welche die kalte Luft von draussen abhalten soll.

Lanz kritisiert aber, dass die Leute bis zu vier Monaten unter Tag in der Anlage hausen müssten. Zudem könnten die Bewohner ihren Besitz nicht sicher aufbewahren, weil sie keine persönlichen Schliessfächer hätten.

«Wir können aus einer Zivilschutzanlage keine oberirdische Traumwohnung machen», betont Ernst Klauser, Verwaltungsratspräsident der ABS. Die ABS übernimmt im Baselbiet für 30 Gemeinden die Betreuung der Asylsuchenden.

«Putzen ist Frauenarbeit»

Unterkünfte unter Tag bergen Probleme: Heizen und Lüften seien komplizierter als über Tag – auch Schimmelbefall könne vorkommen. «Das Problem war, dass die Klienten beispielsweise die Stecker der Lüftung rausgezogen haben», erklärt Klauser. Die Stromleitungen wurden neu und zugriffssicher verlegt.

Bereits 2008 war die Anlage für zwei Jahre in Betrieb. Damals gab es keine Probleme. Das liege an der unterschiedlichen Klientel. Damals waren es Leute aus dem Balkan, Somalia oder Tamilen. «Probleme haben wir mit jungen Männern aus Ägypten und Tunesien, die mit einer hohen Erwartungshaltung hier her kommen», erklärt Klauser. Sie hätten nicht verstanden, dass sie für die Sauberkeit mitverantwortlich seien – putzen sei für sie eine Frauenarbeit.

«Die Asylsuchenden haben die abschliessbaren Kästchen einfach kaputt geschlagen», stellt Klauser klar. Darum habe die ABS das Mobiliar nicht erneuert. Ein Kasten sei aber sowieso nicht sicher. Klauser: «Wertgegenstände dürfen die Klienten auch dem Betreuungsteam gegen Quittung abgeben.»

Asylsuchende bedrohten Betreuer

Im Herbst 2011 musste die Anlage kurzfristig geschlossen werden. «Täglich war die Polizei in der Asylunterkunft, weil die ABS-Betreuer bedroht wurden», bestätigt Andreas Blank, Gemeindepräsident von Augst. Er betont, dass es in seiner Gemeinde keine freien Wohnungen als Alternative zur Zivilschutzanlage gäbe.

Heute habe sich die Lage stark beruhigt, sagt Klauser. «Einerseits, weil die nordafrikanischen Flüchtlinge weniger erwarten und andrerseits, weil wir sie intensiver betreuen und kontrollieren.»

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