Gastronomie

Das sind die schönsten Bergbeizen der Region 2020 – und der neue Pächter auf dem Vogelberg überrascht

Der vergangene Sonntag beruhigte den neuen Pächter Armando Baumgartner: Auf dem Vogelberg lief es wie geschmiert.

Der vergangene Sonntag beruhigte den neuen Pächter Armando Baumgartner: Auf dem Vogelberg lief es wie geschmiert.

Armando Baumgartner hat als Gastronom die halbe Welt gesehen. Jetzt will er seine Karriere in der urigen Bergbeiz beenden. Persönlicher Erfolg und Geld werden für den neuen Pächter immer weniger wichtig, dafür setzt er auf innere Ästhetik.

Seit dem plötzlichen Tod der Pächterin im letzten Dezember ist der Vogelberg, eine der beliebtesten Bergbeizen in der Region, geschlossen. Vergangene Woche öffnete nun einer die Türen wieder, dessen Lebensweg keinen Moment in diese Abgeschiedenheit auf 1100 Meter über Meer hindeutete: Armin Baumgartner, aufgewachsen im Thurgau, gelernter Koch, Absolvent einer Hotelfachschule, Restaurant- und Hotelbetreiber sowie Ausbildner in der halben Welt, vor allem aber in Afrika, von Kenia über Ruanda bis nach Ägypten, die letzten 12 Jahre in einem Hotel in Ascona tätig.

Erste Fahrt auf Vogelberg war eine Irrfahrt

Dass er, dessen Vorname im Verlaufe der Jahre in andern Erdteilen von Armin zum klangvolleren Armando mutierte, den Vogelberg nie auf dem Kompass hatte, zeigte das erste Kennenlernen. Baumgartner sah die ausgeschriebene Pächterstelle, fuhr im Februar vom Tessin nach Lauwil, in dessen Bann die urige Bergbeiz steht. Dort fragte er nach dem Weg und musste als erste Lektion lernen, dass man von Lauwil nur zu Fuss auf den Vogelberg gelangen kann.

Über diesen Link können Sie die Karte auch auf Google Earth in einer mehrdimensionalen Ansicht abrufen.

Also nahm er den fast einstündigen Weg über den Passwang, der einzigen Zufahrtsstrasse zum Vogelberg, unter die Räder. Er sei immer noch in einem permanenten Lernprozess, erzählt Baumgartner. Alles, vom Eröffnen eines Postfachs bis zur Abfallentsorgung sei etwas kompliziert auf dem Vogelberg, der zwar zum Baselbiet gehört, aber aufs Solothurnische ausgerichtet ist.

«Ich habe im Herbst meines Berufslebens so etwas gesucht.» Armando Baumgartner Neuer Pächter des Vogelbergs

«Ich habe im Herbst meines Berufslebens so etwas gesucht.» Armando Baumgartner Neuer Pächter des Vogelbergs

Doch wieso will ein Weltenbürger wie er überhaupt auf den Vogelberg? «Ich stehe im Herbst meines Berufslebens und habe so etwas Abgelegenes gesucht. Je älter ich werde, umso eine kleinere Rolle spielen Erfolg und Geld. Dafür wird die innere Ästhetik wichtiger.» Darunter versteht er etwa die Ruhe auf dem Vogelberg und das Vogelgezwitscher, das ihn empfängt , wenn er morgens die Läden öffnet.

Aber die Ruhe ist relativ. An schönen Wochenenden wird der Vogelberg von Wanderern überrannt, der Job des Wirts wird zum Stress. An feucht-nebligen Tagen lässt sich dagegen keine Menschenseele blicken. Baumgartner meint dazu: «Ich habe diese Extreme gerne. Ich habe das auch schon an meiner Stelle auf der Rigi erlebt.»

Und auch auf dem Vogelberg erhielt er schon einen Vorgeschmack: Die ersten Tage nach der Wiedereröffnung waren nass-kalt und praktisch ohne Gäste, am sonnigen Wochenende herrschte quirliger Betrieb, obwohl die Gondelbahn auf die Wasserfallen coronabedingt immer noch ausser Betrieb ist.

Kalbsbraten ja, Hummer und Kaviar nein

Baumgartner sagt: «Ich war überrascht, wie gut das vor allem am Sonntag gelaufen ist. Und es hat mich beruhigt, dass ich alle 30 Kalbsbraten-Portionen verkaufen konnte.» Den sonntäglichen Kalbsbraten aus dem Holzofen möchte er auch zu seinem kulinarischen Aushängeschild machen.

Generell habe er das eher bescheidene Angebot seiner Vorgängerin ausgebaut und möchte künftig auch Bankette durchführen. Dabei setze er auf Einheimisches, Hummer und Kaviar seien bei ihm nicht zu haben.

Der Vogelberg gehört der Familienstiftung Voegelin. Vertreter Max Voegelin sagt zur Pächter-Wahl: «Wir hatten ein halbes Dutzend Bewerber. Armando Baumgartner hat mit seiner Persönlichkeit, seinem Auftreten und seiner Ausbildung überzeugt.» Man blicke mit ihm zuversichtlich in die Zukunft.
Wie lange der Pachtvertrag läuft, will Voegelin nicht sagen. Baumgartner ist 62 Jahre alt.

Diese Baselbieter Bergbeizen sind einen Ausflug wert

Weitere Berggasthäuser in der Region sind im soeben erschienenen Berg-Beizli-Führer 2020/2021 zu finden.

Verwandte Themen:

Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

Meistgesehen

Artboard 1