Öffentlicher Verkehr

Das sind die wichtigsten Fakten zur Margarethenstich-Abstimmung

Am Fusse des Margarethenhügels sollen dereinst Trams der Linie 17 mit neuer Streckenführung verkehren.

Am Fusse des Margarethenhügels sollen dereinst Trams der Linie 17 mit neuer Streckenführung verkehren.

Das Baselbieter Stimmvolk entscheidet am 24. September über eine Tramerschliessung durch den Margarethenstich. Wir beantworten die drängendsten Fragen zur Abstimmungsvorlage.

Worum geht es bei der Margarethenstich-Vorlage?

Der Margarethenstich ist eine Strasse am Fusse des Margarethenhügels an der Grenze zwischen Basel und Binningen. Wird allerdings im Zusammenhang mit der Abstimmung vom Margarethenstich gesprochen, geht es nicht um die Strasse an sich, sondern um 365 Meter Tramgleis, die dort verlegt werden sollen.

Auf diesen soll später die Tramlinie 17 verkehren, die heute zu den Stosszeiten von Ettingen an die Schifflände beziehungsweise weiter bis zum Wiesenplatz fährt. Neu würde sie von Ettingen her kommend bei der Haltestelle Dorenbach Richtung Margarethen abbiegen und weiter via Bahnhof SBB an den Badischen Bahnhof fahren.

Weshalb braucht es diese Verbindung?

Im Fokus der öffentlichen Diskussion stand bisher vor allem die schnellere Anbindung der Leimentaler an den Bahnhof SBB. Die Befürworter stützen sich aber vor allem auf das Argument, dass der Margarethenstich das einwohnerreiche und arbeitsplatzarme Leimental besser an die wichtigsten Arbeitsplatzgebiete in Basel anschliesst.

Eine umsteigefreie Verbindung sei ein wichtiges Kriterium bei der Verkehrsmittelwahl. Deshalb erwarte man einen Umsteigeeffekt vom Auto aufs Tram von rund 1000 Personen pro Tag. Dies wiederum würde auch eine Erleichterung für die überlasteten Strassen im Leimental bringen.

Entlastet würde auch die Innenstadt. Das Leimental verfüge als einziges grosses Tal im Kanton über keine S-Bahn-Linie, weshalb eine Attraktivitätssteigerung beim Tram besonders wichtig sei. Von den Baselbieter Parteien hat einzig die SVP die Nein-Parole gefasst.

Welche Argumente führen die Gegner ins Feld?

Das Referendumskomitee argumentiert, dass die Tramerschliessung durch den Margarethenstich nicht besser, sondern schlechter werde. Erstens würden die umsteigefreien Verbindungen zu Novartis und BASF im Klybeck wegfallen. Zweitens würde der 17er künftig als Expresstram betrieben und nur noch grosse Haltestellen bedienen. Somit fände der von den Befürwortern angekündigte Umsteigeeffekt nicht statt.

Die Strassen würden nicht ent-, sondern zusätzlich belastet. Denn der 17er müsse künftig mit der Baslerstrasse und der Margarethenkreuzung zwei Hauptstrassen kreuzen, wodurch Wartezeiten für Autos entstehen, was zu Stau führe.

Weiter bezeichnet das Referendumskomitee die Vorlage als «Luxusprojekt» etwa aufgrund der mit dem Denkmalschutz abgesprochenen aufwendigen Stützmauer beim Margarethenviadukt.

Dass im Leimental so viele Millionen für den öV ausgegeben würden, während dieser im Oberbaselbiet und im Laufental zusammengespart werde, sei zudem eine Ungleichbehandlung der Kantonsteile.

Das Tram soll über die Hauptstrasse in den Margarethenstich einbiegen. Laut Kritikern wird sich wegen der nötigen Ampel der Strassenverkehr stauen.

Das Tram soll über die Hauptstrasse in den Margarethenstich einbiegen. Laut Kritikern wird sich wegen der nötigen Ampel der Strassenverkehr stauen.

Wird der 17er zum Expresstram?

BLT und Kanton machen sich tatsächlich Gedanken über die Einführung eines Expresstrams im Leimental, welches nur noch die grossen Haltestellen bedienen würde. Gemäss BLT gebe es diesbezüglich aber noch sehr viele offene Fragen und es werde garantiert Jahre dauern, bis das Expresstram über den Ideenstatus hinauskomme.

Das Nein-Komitee sagt, der Margarethenstich kostet 14 Millionen. Das Ja-Komitee spricht von 7,3 Millionen. Wer hat recht?

Beide. Eigentlich kostet die Verbindung sogar 21 Millionen. Allerdings trägt der Kanton Basel-Stadt einen Drittel dieser Kosten. Das Geld ist bereits gesprochen.

Für das Baselbiet bleiben somit noch 14 Millionen. Gegen diesen vom Landrat gesprochenen Verpflichtungskredit wurde das Referendum ergriffen, weshalb die Vorlage nun zur Abstimmung kommt.

Allerdings wird sich die Betreiberin BLT mit rund 2 Millionen beteiligen und der Bund rund 7 Millionen der Gesamtkosten (inklusive Basler Anteil) tragen. So verbleiben für den Kanton Baselland noch Kosten von rund 7,3 Millionen.

Die Situation von oben: Das Tram hält gerade an der Tramhaltstelle Dorenbach. Künftig soll es danach rechts abbiegen in den Margarethenstich.

Die Situation von oben: Das Tram hält gerade an der Tramhaltstelle Dorenbach. Künftig soll es danach rechts abbiegen in den Margarethenstich.

  

Was passiert mit dem ortsbildgeschützten Margarethenhügel?

Die Strasse muss für die Verlegung der Tramgleise verbreitert werden. Allerdings geschieht dies fast ausschliesslich auf der Seite des Dorenbachviadukts und nur am oberen Ende des Margarethenstichs hügelseitig. So kommt beispielsweise der Heimatschutz Baselland zum Schluss, dass das Projekt «das Gesamtensemble auf dem Margarethenhügel nicht wesentlich stört», wie Präsident René Riesen sagt.

Wie hängt dieses Tramprojekt mit dem Herzstück und dem Spiesshöfli zusammen?

Auch wenn diese beiden Projekte im Rahmen von Margarethenstich-Diskussionen immer wieder aufkommen, besteht höchstens indirekt ein Zusammenhang. Das Herzstück sieht einen Ausbau der Margarethenbrücke zu einem zweiten Zugang zum Bahnhof SBB vor. Der 17er würde dort halten und den Bahnhof somit noch etwas näher ans Leimental holen.

Beim Spiesshöfli in Binningen befindet sich noch immer eine Einschienenstrecke, welche die BLT zur Doppelspur ausbauen möchte. Das würde die Fahrplanstabilität auf den Linien 10 und 17 stärken, hat aber keinen direkten Einfluss auf den Margarethenstich.

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