Den höheren Mächten sei Dank, dass der bekannte deutsche Schokoladenhersteller erst viel später mit seiner Lila-Kuh den Werbemarkt aufmischte. Sonst wäre vielleicht von den «Milka-Taxis» die Rede gewesen. So aber waren es schlicht die «Veyeli», die Anfang der 1950er-Jahre mit ihrer leuchtend veilchenblauen Farbe das Stadtbild prägten. 39 dieser Veyeli kurvten zwischen 1952 und 1955 in Basel herum, ehe sie von einem moderneren und bequemeren Mercedes-180D-Modell abgelöst wurden.

Denn die lila Taxis sollten vor allem eines sein: billig. Dafür bot sich der Renault 4CV «Champs Elysées» mit Heckmotor an, dessen Massenproduktion fünf Jahre zuvor in Frankreich angelaufen war und die bis 1961 die stolze Anzahl von 1,1 Millionen Exemplaren ausspucken sollte. 5575 Franken betrug der Stückpreis, eine trotz allem beträchtliche Investitionen. Gemäss einer Abhandlung über die Geschichte der Taxis in Basel (siehe Box unten) wurde das Taxifahren erst durch die Veyeli richtig populär – obschon man sich ziemlich klein machen musste, um darin Platz zu finden, und bei der Fahrt das Gefühl nicht los wurde, direkt auf dem Motor zu sitzen.

Gnadenloser Preiskrieg im Basler Taxi-Gewerbe

Dass der Basler Taxi-Pionier Settelen und drei weitere Taxianbieter diese Investition auf sich nahmen und so ein eigentliches, kostengünstiges Basler Volks-Taxi schufen, hatte einen handfesten Grund. Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler stand unmittelbar davor, mit eigenen Fahrzeugen in den Basler Taxi-Markt einzufahren, um die aus seiner Sicht skandalöse Hochpreispolitik zu brechen. Dies hatte «Dutti» in Zürich derart erfolgreich vorgemacht, dass der Basler Regierungsrat Fritz Brechbühl (SP) im August 1951 ultimativ vom Basler Taxihalterverband eine massive Tarifsenkung forderte. Es war also die schiere Existenzangst, welche die Basler Taxi-Betreiber dazu trieb, den Renault 4CV zu beschaffen. Der Plan ging auf.

Duttweiler, der gerüchteweise bereits in Allschwil seine für Basel bestimmten gelben Vauxhalls parkiert hatte, zog sich angesichts der geschlossenen Basler Taxi-Reihen zurück. Was insofern bemerkenswert war, als die Basler Taxi-Anbieter in den vorangegangenen 40 Jahren viel Energie dafür aufgewendet hatten, sich aufs äusserste zu bekämpfen und gegenseitig in den Ruin zu treiben.

Knapp 70 Jahre später erinnern sich wohl nur noch die ältesten Semester an die Veyeli. Hingegen bietet sich an diesem Freitag auch Jüngeren die Gelegenheit, ein Originalfahrzeug aus der Nähe zu betrachten. Am 23. Concours d’Elegance, der grossen Oldtimer-Parade durch die Freie Strasse, wird ein echtes Veyeli als «Pace Car» den Autocorso anführen. Hinter dem Steuer wird Verwaltungsrat Balz Settelen sitzen. Concours-Organisator Hans André Bichsel hat sich persönlich dafür eingesetzt, dass die Settelen AG mit ihrem restaurierten Exemplar am Concours teilnimmt.