2500 Arbeitsplätze, ebenso viele Bewohner: Im Frühling veröffentlichten die Prattler und Baselbieter Behörden, wie sie Salina Raurica bebauen wollen. Eingezont wurde die Ebene zwischen Pratteln und Augst schon vor vielen Jahren, der Prattler Einwohnerrat und der Kanton hatten das abgesegnet. Es gibt sogar Pläne, die Salina Raurica als Standort eines neuen Kantonsspitals vorsehen.

«Nur das Volk wurde nie befragt», sagt Denise Stöckli, die ehemalige Gemeinderätin (parteilos), die zusammen mit einer losen Gruppe von Bürgern gegen die Bebauung von Salina Raurica demonstriert hatte. «Nicht nur das Kapital soll bestimmen, was dort läuft. Sonst haben wir Prattler nichts davon.»

Lieber die zweitbeste als gar keine Lösung

Auf die Demo habe sie viele positive Reaktionen erhalten. Sie ist derzeit daran, den Widerstand gegen die Bebauung der Ebene zu organisieren. «Ich bin nicht alleine», versichert sie. Für sie ist klar: Die Prattler Bevölkerung soll selber bestimmen können, was mit der Ebene geschehen soll. Sie denkt an ein Referendum gegen die Quartierpläne, oder aber an eine Initiative, die das Erstellen von Wohnbauten untersagen würde. 

Auf Support der Politik können die Gegner kaum hoffen. «Eine unbebaute Ebene wäre für uns der Idealfall», findet zwar auch Patrick Weisskopf, Einwohnerrat der Unabhängigen und Grünen sowie Präsident der Entwicklungskommission. So diene die Grünfläche als Erholungszone für das Längi-Quartier. Aber einen Verzicht auf die Bauvorhaben hält er für unrealistisch. Es handle sich ja um Bauland. «Uns ist eine geordnete Bebauung als zweitbeste Lösung lieber als ungeordnetes Bauen», meint er. Und eine Rückzonung hätte hohe Entschädigungsforderungen zur Folge, «das können wir uns nicht leisten».

Stöckli kennt dieses Argument. Sie verweist aber auf Bundesgerichtsentscheide, die Einzonungen als nicht für immer und ewig geltend bezeichnet hätten. Und an eine der grössten Landbesitzerinnen in Salina Raurica gerichtet sagt sie: «Roche soll der Bevölkerung Land zurückgeben, als Dank für die guten Rahmenbedingungen, mit denen sie in den letzten Jahren viel Geld verdient hat.»

Interesse an einem Erhalt der Freifläche haben auch die Bauern, die dort derzeit Ackerbau betreiben. Denn der Boden ist wertvoll: Zwischen 5.50 und 6 Franken kostet ein Quadratmeter Landwirtschaftsfläche in Salina Raurica – guter Baselbieter Durchschnitt. «Der Boden ist flach und deshalb maschinell gut bearbeitbar, da kann man viel erwirtschaften», sagt Christian Hanselmann, im Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain verantwortlich für Boden- und Patentrecht. Zudem liege die Ebene tief, was klimatische Vorteile habe. «Für die Bauern ist das wertvoller Boden», sagt Hanselmann. «Und der Lärm der Autobahn stört sie überhaupt nicht.»
Nur: Die Bauern haben in Salina Raurica nichts zu sagen. Der Boden gehört ihnen nicht. Und auch hier gilt: Eine Rückzonung würden die aktuellen Besitzer kaum zulassen, ohne sich entschädigen zu lassen.

Noch unklar ist die Haltung der Umweltschutz-Organisationen. So hat sich der WWF Region Basel in den vergangenen Jahren kaum mit Salina Raurica beschäftigt, wie Geschäftsführer Jost Müller erklärt. «Wir werden uns einbringen, sobald das Thema wieder auf dem Radar ist», sagt er.

Keine seltenen Frösche mehr in Aussicht

Das Rheinufer sei sicher ein sensibles Gebiet, auf das man das Augenmerk richten müsse. Er deutet aber an, dass nicht mit einem Fall wie vor rund zehn Jahren zu rechnen ist. Damals setzte der WWF durch, dass für die Frösche in Salina Raurica ein neuer Lebensraum geschaffen werden musste.

Es sieht also eher schlecht aus für die Anhänger einer unbebauten Rheinebene. Stöckli will sich aber nicht geschlagen geben: «Wir werden sehen, ob es zu spät ist, um die Bebauung zu verhindern.»