Die zwei gebürtigen Holländer Jan (74) und Bernhard (71) Goossen und der Ziefner Hansruedi Wahl (65) bilden sozusagen das Fundament, auf dem jetzt ein prägendes Stück Baselbieter Wirtschafts- und Kulturgeschichte in die Zukunft gerettet werden soll: Die Goossens und Wahl gehören zur langsam aussterbenden Generation von Fachleuten, die Webstühle nicht nur bedienen, sondern auch warten und reparieren können.

Der Nadelwebautomat.

Der Nadelwebautomat.

Und sie sollen ihr Wissen und Können nun im Rahmen des Projekts «Webstuhlrattern» weitergeben. Wahl, der bis zur 2001 erfolgten Schliessung der letzten Baselbieter Bandfabrik, der Firma Senn & Co in Ziefen, während 30 Jahren dort gearbeitet hat, sagt zu seiner Motivation: «Ich bin zu hundert Prozent ein Textiler. Ich will nun die Möglichkeit schaffen, dass all die Webstühle in den Ortsmuseen weiterbetrieben werden können.» Apropos Textiler: Wahl ist diesbezüglich ein Multitalent und war auch schon Schweizer Meister im Stricken.

Können Sie den Webstuhl rattern lassen?

Beweisen Sie in unserem Quiz, dass Sie das Zeug zum Webstuhl-Experten haben.

Woher stammt Seide ursprünglich?

Aus Indien

Aus China

Aus Peru

Aus Chile

Warum stieg man in der Basler Seidenbandindustrie nach dem 1. Weltkrieg von Seide auf Viscose um?

Weil die Kosten für echte Seide nach dem Krieg stiegen.

Weil das in der Nachkriegszeit als modern galt und darum besseren Absatz fand.

Weil die Webstühle beim Verarbeiten von Viscose weniger schnell kaputt gingen.

Viscose wurde in der Bandindustrie nie verwendet. Sie würde in den Webstühlen reissen.

Im Mittelalter wurden in Basel kleine Webstühle verwendet, die jeweils nur ein Band weben konnten. Mitte des 17. Jahrhunderts kam aber zum Glück der Kunststuhl auf. Unter welchem Namen ist dieser hier besser bekannt?

Schiffchenstuhl

Bändelmühle

Holländerrad

Rechennetz

Das Museum.BL besitzt auch einen Sägerstuhl – eine Weiterentwicklung des Kunststuhls. Wieso spricht man wohl vom "Sägerstuhl"?

Weil er so dicke Bänder webt, dass sie nur mit einer Säge zerschnitten werden können

Weil die Maschine im Betrieb ein ähnliches Geräusch erzeugt wie eine Motorsäge.

Weil für diesen Webstuhl sehr viel Holz nötig ist, das erst zurechtgesägt werden muss.

Weil dieser Webstuhl viele Zahnräder enthält, die optisch an Sägen erinnern.

Eine Schätzfrage: Wie viele Fäden stecken in diesem von Jan Goossen entworfenen Band?

98

264

512

982

Und noch eine Schätzfrage: Wie viele Meter Band entstehen am Sägerstuhl im Museum.BL in einer Stunde?

2,3 Meter

4,6 Meter

6,9 Meter

9,2 Meter

Wie entsteht ein Moiréband ? Es weist eine Art optische Holzmaserung auf.

Das fertige Band wird in Salzwasser eingelegt, damit die Farbe sich an gewissen Stellen löst.

Das Band wird unterschiedlich satt gewebt. Die lockereren Partien erscheinen heller.

Unter einer Milchglasscheibe wird das Band längere Zeit an die Sonne gelegt.

Das fertige Band wird über eine Holzschiene gezogen, sodass es unregelmässig verzogen wird.

Im Museum.BL steht auch ein Nadelwebautomaten aus dem Jahr 1970. Welche Aussage über diese in den 1960er Jahren aufgekommen Webstühle stimmt nicht?

Sie haben Nadeln statt Schiffchen, um den Schussfaden durch die Kettfäden zu führen.

Die Maschine stellt bei Fehlern wie Fadenbrüchen automatisch ab.

In einer Stunde wächst ein Band auf diesem Webstuhl um 20 Meter.

Eine elektronische Kettsteuerung ersetzt die Lochkartensteuerung.

Schaff lieber s Fäld

Sie wissen ja: "Die einte mache Bändel, die and’re schaffe s’Feld." Mit diesem Resultat sind Sie bei der letzteren Tätigkeit wohl besser aufgehoben.

Ab an den Webstuhl

Sie haben das Zeug, um den Webstuhl rattern zu lassen.

15 haben sich bis jetzt angemeldet

Dass «die flüchtigen Kulturwerte, die nur in den Köpfen vorhanden sind», wie Saskia Klaassen vom Museum.BL gestern an einer Medienkonferenz die Fähigkeiten von Wahl und der Gebrüder Goossen umschrieb, nun gerettet werden können, war lange Zeit alles andere als selbstverständlich: Die Regierung wollte aus finanziellen Gründen nichts von einem entsprechenden, 2009 im Landrat eingereichten Vorstoss wissen. Jetzt bietet sie aber indirekt via den Baselbieter Swisslos-Fonds Hand, der das 185 000 Franken teure Projekt «Webstuhlrattern» zur Hälfte alimentiert.

Der Sägerstuhl.

Der Sägerstuhl.

So funktioniert «Webstuhlrattern»: Der Trägerverein Textilpiazza, bekannt von der Aufarbeitung der Hanro-Sammlung in Liestal und jetzt fachlich unterstützt vom Museum.BL, hat kürzlich einen Ausbildungskurs für künftige Webstuhl-Fachleute ausgeschrieben. Bis jetzt haben sich 15 Personen zwischen 30 und 60 Jahren aus unterschiedlichsten Berufen angemeldet; darunter sind auch mehrere ehrenamtliche Mitarbeiter aus Baselbieter Ortsmuseen sowie als Exot ein Seidenraupenzüchter, der damit liebäugelt, wieder gewerbsmässig Seidenbändel zu produzieren. Diese Leute absolvieren nun zwischen April und Ende Jahr einen mehrtägigen Ausbildungskurs, wobei die Anzahl Kurstage von den individuellen Vorkenntnissen abhängt.

Gleichzeitig sollen, so erklärte Projektleiterin Céline Steiner, die noch existierenden 20 mechanischen Webstühle in 13 Ortsmuseen zwischen Frenkendorf und Oltingen «benutzerfreundlicher» eingerichtet werden. Steiner: «Bei all dem spielen Hansruedi Wahl sowie Jan und Bernhard Goossen eine zentrale Rolle.» Sie seien auch die Fachleute, die derzeit den Museen weiterhelfen, wenn sie bei technischen Problemen mit den Webstühlen anstünden.

Auch neue Weberinnen gesucht

Das Wissen der drei Experten soll aber auch in einem digitalen Handbuch verewigt werden. Das heisst, es wird niedergeschrieben und mit Anleitungsvideos angereichert. Dieses Handbuch wird Interessierten dann laut Steiner auch online zugänglich gemacht.

Die künftigen Webstuhl-Fachleute sollen nach ihrer eigenen Ausbildung aber auch andere weiterbilden. Geplant sei, dass sie im nächsten Jahr neue Museums-Weberinnen schulen, sagte Steiner. Denn an diesen herrscht ebenfalls Mangel und neue Weberinnen sind hochwillkommen. Reich werden sie zwar dabei nicht, dafür dürfen sie sich ein kulturhistorisches Krönchen aufsetzen: Die Seidenbandweberei steht seit 2012 auf der Unesco-Liste des erhaltenswerten immateriellen Kulturerbes. Und die Region Basel hat mit ihrer Vergangenheit dafür eine besondere Verantwortung.