Die Grünliberalen, das sind Präsident Hector Herzig und die beiden Landräte Hans Furer und Gerhard Schafroth. Sie alle haben eine Vergangenheit bei den Freisinnigen hinter sich. Einer Partei, derer sie irgendwann überdrüssig wurden. Sie alle haben einen schnellen Aufstieg bei den Grünliberalen hinter sich. Nach Gerhard Schafroth und Hans Furer amtet mittlerweile Hector Herzig als Parteipräsident. Und sie alle wollen mehr erreichen. Vor allem: mehr Einfluss. Über das Vorgehen sind sie sich allerdings selten wirklich einig.

Basis entscheidet

Derzeit gibt es Differenzen darüber, wie sich die Partei im Regierungsrats-Wahlkampf verhalten soll. Parteipräsident Herzig verkündete an einer Medienorientierung zusammen mit Vertretern der Linken vergangene Woche die Kandidatur von Thomi Jourdan, gläubiger Gemeinderat aus Muttenz. Gleichzeitig betonte Herzig, dass dies nicht die Unterstützung der GLP von Jourdan bedeutete. Wer die Gunst der Partei geniessen dürfe, Favorit Anton Lauber (CVP) oder Aussenseiter Jourdan (EVP), werde die Basis entscheiden.

Die Mitgliederversammlung geht am kommenden Dienstag über die Bühne. Zu einem Hearing seien selbstverständlich beide Kandidaten eingeladen, sagte Herzig.

Echte Wahl

Der Parteipräsident begründet seine aktive Rolle bei der Lancierung der Kandidatur von Jourdan mit hehren Zielen: Als Demokrat wolle er eine echte Wahl ermöglichen. Auf die Frage, ob er auch einen SVP-Kandidaten unterstützt hätte, weicht Herzig aus, um nochmals die Wichtigkeit einer Gegenkandidatur zu betonen. Durch seine Teilnahme an der Pressekonferenz habe er den Grünliberalen zudem ein Gesicht geben wollen. Das sei seine Aufgabe als Präsident.

Sein Gesicht gibt der Kulturmanager aus Langenbruck auch für Jourdans Kampagne her: Auf dessen Homepage bewirbt Herzig Jourdan mit den Worten: «Als begeisterter Hobby-Musiker weiss Thomi Jourdan, dass ein breites kulturelles Angebot für die Standortattraktivität von grosser Bedeutung ist – darum empfehle ich Thomi Jourdan als Regierungsrat!»

Stimmfreigabe

Diese Form der Profilierung kommt in der Partei nicht bei allen gut an. Hans Furer sagt gegenüber der «Schweiz am Sonntag», dass er das Vorgehen Herzigs «eher als unglücklich» empfinde. Der Anwalt, bekannt für schräge Vorstösse im Landrat, kündigt an, sich an der Mitgliederversammlung für Stimmfreigabe einzusetzen. Er finde es falsch, wenn sich die GLP nun für einen EVP-Kandidaten einsetze und damit die Zusammenarbeit mit den anderen Mitte-Parteien möglicherweise gefährde. Um sogleich nachzuschieben, dass dies «keine Kritik» an Herzig sei. Er akzeptiere andere Meinungen. Herzig hatte Furer zuvor telefonisch mitgeteilt, dass er sich mit ihm keinesfalls öffentlich streiten wolle.

Streit schadet der Glaubwürdigkeit

Die Zeiten des Zoffs seien nämlich endgültig vorbei, heisst es von grünliberaler Seite. Streit, das weiss Hector Herzig, schadet der Glaubwürdigkeit. Und auf Glaubwürdigkeit ist die kleine Partei gerade besonders stark angewiesen. Denn: Herzig und Konsorten befinden sich noch immer im unverhofften Aufwind, den ihnen Finanzdirektor Adrian Ballmer (FDP) mit seiner Rücktrittsankündigung im Dezember verschaffte. Gerhard Schafroth, der Steuerexperte aus Liestal, nutzte die Gunst der Stunde und brachte sich als möglichen neuen Finanzdirektor ins Spiel.

Die Partei kam an seiner Kandidatur nicht vorbei. Und lernte dabei erstmals das Gefühl von Einfluss im Baselbieter Politalltag kennen. Herzig genoss die Auftritte nach dem ersten Wahlgang sichtlich. Die Medien spekulierten, ob Schafroth, der nur rund sechs Prozent der Stimmen gemacht hatte, nochmals antritt und, falls nicht, wen die Partei im zweiten Wahlgang unterstützt. Schafroth zog sich schliesslich zurück und die GLP entschied sich für Eric Nussbaumer – der trotzdem gegen SVP-Mann Thomas Weber deutlich unterlag.

Viel Spannung aufrechterhalten

Nach der Ersatzwahl von Adrian Ballmer folgt nun jene des verstorbenen Peter Zwick (CVP). Das heisst für die GLP: Das Zwischenhoch hält an. Zumindest bis zum Dienstag, dem Tag der Entscheidung. Das letzte bisschen Wichtigkeit, das der Partei bis dann noch bleibt, will Hector Herzig wohl nicht früher als nötig aufs Spiel setzen. Die Devise ist: Möglichst lange möglichst viel Spannung aufrechterhalten.

Doch auch darin scheinen sich die Grünliberalen nicht ganz einig. Gerhard Schafroth, der Rastlose, sagt, dieses Hearing habe aus seiner Sicht nicht oberste Priorität. Wichtiger sei für ihn momentan die Sanierung der Pensionskasse.