Übermorgen Donnerstag entscheidet der Landrat über ein Thema, das in den letzten Wochen im Baselbiet so intensiv diskutiert worden ist wie kaum ein anderes – die Zukunft der Waldenburgerbahn (WB). Nach dem 9:4-Entscheid in der vorberatenden Bau- und Planungskommission (BPK) sind die Würfel zugunsten einer Meter-Spur gefallen. Könnte man meinen.

Trotzdem will kaum jemand auf ein Ja zur Umspurung der WB wetten. BPK-Mitglied Martin Rüegg (SP) bringt die Zweifel auf den Punkt: «Eine Umstellung auf Bus wird keine Chance haben, weil das für den Kanton viel zu teuer wäre und zu wenig Komfort für die Passagiere brächte. Doch der Entscheid über die Spurbreite ist ein emotionales Thema. Aus meiner Erfahrung ist bei solchen Themen im Landrat alles möglich.» Rüegg macht kein Geheimnis daraus, dass die SP gespalten ist. «Das ist bei den anderen Parteien mehr oder weniger gleich. Die Zukunft des Waldenburgerli ist keine Links-rechts-Frage.»

Auch in der FDP gebe es beide Lager, bestätigt Landrätin und Waldenburger Gemeindepräsidentin Andrea Kaufmann. Sie hofft auf einen Entscheid zugunsten der bisherigen 75-Zentimeter-Spur und weiss seit der letzten Zusammenkunft Ende Oktober praktisch alle Gemeinden aus dem Waldenburgertal hinter sich. Lobbyieren will Kaufmann aber nun in den verbleibenden Tagen nicht mehr. Keine Chance hätte sie damit bei ihrem Parteikollegen und BPK-Mitglied Thomas Eugster. Er sagt: «Die Argumente sprechen klar für die Bahn und dort für die zukunftsgerichtete Meter-Spur.»

Aus Liestaler Sicht betont er, dass zentral sei, dass die WB nicht auf Busbetrieb auf dem normalen Strassennetz umgestellt wird, denn dies würde den Verkehr auf dem Wasserturmplatz kollabieren lassen. Schon der Busbetrieb während der Bauzeit schaffe Probleme, für die man schlaue Lösungen finden müsse. Ebenso die Meterspur favorisiert CVP/BDP-Fraktionschef und BPK-Mitglied Felix Keller: «Sie ist langfristig im Unterhalt und den Investitionen die günstigere Variante.» Im Gegensatz zu SVP, FDP und SP wird die CVP/BDP voraussichtlich geschlossen auftreten.

Hohe Kosten für Dampfbahn

Resigniert tönt es seitens des Vereins Dampfzug Waldenburgerbahn. Sein Sprecher Robert Appel prognostiziert: «Im Landrat sind zwei Drittel für die Meter-Spur, ein Drittel ist für die Beibehaltung der 75-Zentimeter-Spur.» Als letzten Versuch, die Unentschlossenen doch noch für die schmalere Spur zu gewinnen, verschickte der Verein Anfang Dezember einen Brief an alle Landräte. Eine Meter-Spur, sagt Appel auf Nachfrage, bedeute «wahrscheinlich das Ende für den Dampfbetrieb».

Denn dann kämen zu den ohnehin anstehenden Sanierungskosten für die drei alten Wagen von 2,5 Millionen Franken nochmals rund 1,5 Millionen für den Umbau der Dampf-Lokomotive hinzu. SVP-Landrat Hanspeter Weibel ist überzeugt, dass die Kosten gar noch höher wären: Fahren die Dampfzüge auf demselben – modernisierten – Trassee wie die Pendlerzüge, dann müssten sie höheren Anforderungen an Technik und Sicherheit genügen als eine reine Touristenbahn.

Mit dem Argument, dass der WB-Betrieb nicht während eines Jahres auf Bus umgestellt werden müsse, wenn die heutige Spur beibehalten werde, laufen die Dampffreunde und die anderen Anhänger der Exoten-Spur allerdings ins Leere. BPK-Präsident Hannes Schweizer (SP) sagt, dass die WB-Strecke zwischen Liestal Bahnhof und Altmarkt so oder so ein Jahr lang gesperrt werden müsse. Die SBB hätten wissen lassen, dass ein Betrieb der WB während des Einbaus eines vierten SBB-Geleises dort unmöglich sei. Der eigene Bahnverkehr habe Priorität.