Birsfelden

Demokratie auf der Pin-Wand

Der Dialogabend zum Birsfelder Zentrum mündete in eine klare Meinungsbekundung per Daumensymbol.

Der Dialogabend zum Birsfelder Zentrum mündete in eine klare Meinungsbekundung per Daumensymbol.

Vier Stunden lang gab die Bevölkerung ihre Meinung zur Zentrumsplanung ab.

Um 22 Uhr standen drei Einwände voller grüner, gelber und roter Daumen in der Alten Turnhalle in Birsfelden. Vier Daumen zeigten nach oben, sechs nach unten – und über ein Dutzend unentschieden nach rechts. Damit brachten die 220 Teilnehmer der Dialogveranstaltung über die Zentrumsentwicklung zum Ausdruck, was sie von den aktuellen Plänen des Gemeinderats halten. Dieser möchte mit einer Reihe von Neubauten quer durch den Ortskern Gassen und Plätze bilden, die Birsfelden eine Identität geben. Das per Wettbewerb gekürte Vorhaben hatten bislang nur Fachleute bewertet. Am Dialoganlass wollte der Gemeinderat die Meinung der Bevölkerung einholen.

Die Daumen waren das Ergebnis einer Mischung aus Fernseh-Show und Universitätsseminar. Die wenigen jungen und vielen älteren Birsfelder im Saal brüteten über viel Papier – und über noch mehr Fragen: «Wir beurteilen Sie die Situation der Fussgänger?» «Entspricht das Projekt den Bedürfnissen von alten Menschen?» «Ist der neue Standort des Museums richtig?» Die vom Gemeinderat angeheuerte Moderatorin gab sehr genau vor, wie die Diskussionen an den Tischen abzulaufen hatten – so pingelig detailliert, dass sie selber mal meinte: «Das ist jetzt etwas Kindergarten, ich weiss.»

Herzchen und Glühbirnen

Doch die Teilnehmer machten eifrig mit, verteilten untereinander Aufgaben, diskutierten, hörten einander zu, träumten von einem besseren Birsfelden, studierten Pläne und feilten an kompromissfähigen Formulierungen. Diese notierten sie auf bunten Zetteln, die sie nach einem vorgegebenen System auf Pin-Wände hefteten. Um andere Sichtweisen kennen zu lernen, mussten alle mal die Tische wechseln, auch das sah der Fahrplan so vor. Ordnung in die Wucht an Meinungen brachten dann Kleber mit roten Herzchen und gelben Glühbirnen, was schliesslich in die Benotung per rotem, grünem und gelben Daumen mündete.

«Ich fasse das Ergebnis so auf, dass wir am vorliegenden Projekt festhalten, aber noch einige Verbesserungen daran vornehmen müssen», meinte Gemeindepräsident Christof Hiltmann. Vom Dialogabend nimmt der Gemeinderat nicht nur simple Meinungsbekundungen per Daumen mit, sondern auch Einwände mit Hunderten von bunten Zetteln, die er ordnen und sortieren wird. Parallel dazu führt er bilateral Diskussionen mit Interessensgruppen, etwa Vereinen und Parteien. Aus all diesen Meinungen wird er das weitere Vorgehen definieren, im Dezember hat die Gemeindeversammlung das letzte Wort. Es ist aber bereits jetzt zu erkennen, worin der Knackpunkt des Projekts besteht: Die Birsfelder erachten die geplante Überbauung als zu dicht, und sie kritisieren das Verschwinden von Grünraum.

Rollatortauglichkeit gefordert

Dieses Bedürfnis hat Hiltmann erkannt: «Die Dichte ist sicher etwas, an dem wir noch arbeiten müssen.» Viele kritische Fragen gibts zudem zum nördlichen Teil, wo in einer Wohnsiedlung, die womöglich für Senioren sein wird, Kinder spielen sollen. Neu ist der Wunsch nach einem grösseren Zentrumsplatz. Die Teilnehmer machten sich zudem bereits Gedanken über Details, etwa dass die Beläge Rollator-tauglich sein sollen oder dass niemand sein Velo unterirdisch abstellen will.

Volle vier Stunden dauerte der Anlass, und auch gegen Ende hatte die Moderatorin kaum Mühe, die Aufmerksamkeit für sich zu gewinnen. Gemeindepräsident Hiltmann zeigte sich überzeugt, dass sich der Dialogabend mit der moderierten Diskussion als Vorgehensweise bewährt habe. Er stellte fest: «Trotz des warmen Wetters haben sich die Reihen nicht gelichtet.»

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