Baselbiet

Den Rehkitzen droht der Tod im hohen Gras

..

Pro Jahr töten Mähdrescher im Baselbiet rund 100 Rehkitze, die sich auf Feldern in hohen Gras verstecken. Jetzt ist Mähsaison - und es gibt neue Möglichkeiten, die Tiere vor dem Tod zu retten.

Nun ist sie wieder da: Die Zeit, in der Rehkitze zu Dutzenden in den Wiesen sterben, weil sie von einer Mähmaschine oder einem Mähdrescher überfahren und zerhäckselt werden. 110 Rehkitze sind laut Jagdstatistik in der vergangenen Saison im Baselbiet so ums Leben gekommen. Bei den jungen Rehen ist der Mähtod die mit Abstand häufigste Todesursache. Zum Vergleich: Dem Autoverkehr fielen «nur» 35 Kitze zum Opfer.

Rehe setzen früher als üblich

Setzzeit ist ab Mitte Mai bis in den Juli hinein – normalerweise. «Doch im laufenden Jahr haben die Rehgeissen schon in der zweiten April-Hälfte gesetzt», sagt Ignaz Bloch, der oberste Baselbieter Jagdaufseher. «Das ist ausserordentlich früh», betont er. Grund dafür ist vermutlich die milde Witterung.

Nach dem Setzen lässt die Rehgeiss ihre Kitze – in der Regel sind es zwei – im vermeintlich sicheren hohen Gras zurück und kehrt nur zum Säugen zu ihnen zurück. Dank ihrem gefleckten Fell sind die zwischen 500 und 1000 Gramm schweren, geruchlosen Tiere vor Fressfeinden in der Regel bestens geschützt. Bloss: Gegen die modernen Mähdrescher hat die Natur noch keine Verteidigungs-Strategie «erfunden». Erst ab etwa drei Alterswochen sind die Kitze alt genug, um bei Gefahr zu flüchten.

Infrarot-Detektoren spüren Rehkitze auf

Um die Tiere vor dem Tod zu retten, gibt es mehrere Möglichkeiten. Detektoren mit Infrarot-Sensoren ermöglichen es beispielsweise, die warmen Rehkitze im kühlen Gras aufzuspüren. Dann können die Rehkitze mit Handschuhen oder einem Büschel Gras angefasst und am Feldrand deponiert werden. Die so genannten «Rehkitzretter» kosten allerdings rund 2500 Franken. Ob oder wie viele dieser Geräte in der Region im Einsatz sind, wird auf der kantonalen Jagdverwaltung nicht erfasst.

Am häufigsten angewendet wird darum die traditionelle Methode des Verblendens: Dabei platzieren die Jäger und Wildhüter am Vorabend störende Gegenstände im Feld, beispielsweise weisse Tücher oder reflektierendes Material. Darauf verlässt die aufgeschreckte Rehgeiss samt Nachwuchs die Kinderstube.

Das Problem dabei: «Viele Landwirte melden uns nicht, wann sie mähen», kritisiert Bloch. «Wir wünschen uns hier manchmal eine bessere Kommunikation.» Denn er ist überzeugt: Würden alle Bauern ihre Mähtermine rechtzeitig den Jagdgesellschaften mitteilen, könnten jährlich Dutzende von Rehkitzen gerettet werden.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1