«Wir hatten Vorfälle zu beurteilen, die sich vor rund zehn Jahren abgespielt hatten, und es stand Aussage gegen Aussagen», brachte Gerichtspräsidentin Irène Laeuchli das Problem zu Beginn der Urteilsverkündung am Strafgericht auf den Punkt. Der 46-jährige Angeklagte kam nicht ungeschoren davon, doch in Bezug auf Betäubung, K. o.-Tropfen und klare Übergriffe hagelte es Freisprüche.

Klar war, dass sich der Mann vor rund zehn Jahren mit einem Teenager bei sich zu Hause in Binningen getroffen hatte, es kam zu sexuellen Handlungen. Dass dies vor dem 16. Geburtstag des Teenagers geschah, war laut Laeuchli nicht klar nachgewiesen. Auch für die Verabreichung von sedierenden Substanzen gab es keine Beweise. Der Teenager hatte zu jener Zeit offenbar mehrere Kontakte zu älteren Männern und nahm später psychologische Beratung in Anspruch.

Laeuchli sagte, es sei denkbar, dass in den Therapien suggestiv auf die Erinnerungen eingewirkt worden sei. Der 46-Jährige hatte sich 2015 einen volljährigen Callboy nach Hause bestellt, auch hier sah das Gericht keinen Nachweis für K. o.-Tropfen.

Zum Treffen mit einem 14-Jährigen (der sich als 18 ausgab) war für das Gericht klar: Der Erwachsene habe die Verletzung des Schutzalters in Kauf genommen und damit eventualvorsätzlich sexuelle Handlungen mit einem Minderjährigen begangen. Er hat den Jungen illegal gefilmt und Fotos verschickt – also Kinderpornografie hergestellt. Das Gericht verhängte eine bedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten. Der Mann kann das Urteil weiterziehen.