Gekonnt durchquert Marco Agostini langen Schrittes das Unterholz. Der schlammige Untergrund macht dem Pfeffinger zurzeit zu schaffen. Sich aufhalten lässt er sich aber auch von den Widrigkeiten des Winters nicht. Ob bei Regen, Kälte oder Schnee – der 53-Jährige ist unterwegs. «Gerade dann fühle ich mich im Wald wohl. Dann spüre ich die ganze Stärke der Natur.» Und genau für sie durchforstet Agostini seit Wochen die Wälder im Birseck und sammelt Abfälle aller Art. Bereits gegen 200 Kilogramm sind so zusammengekommen.

Mehr für die Sache, weniger Theorie

Und auch an diesem Nachmittag braucht er auf dem Länzberg ob Duggingen nicht lange, um fündig zu werden. Eine mehrere Meter grosse Plastikblache steckt sogar noch halbwegs im Boden. Daneben liegen Flaschen und ein Eimer. Jeder Fund sei wieder anders, erklärt der Pfeffinger. «Ich frage mich dann oft, wie die Sachen hierhergekommen sind und was für eine Geschichte dahintersteckt.» Während der Suche beschleichen ihn gemischte Gefühle. Traurig stimmte ihn zuletzt ein gefundener Schlafsack mit Decken und Kissen. «Hier hat wohl jemand übernachtet», begutachtet er abermals die Schlafstelle.

Als Marco Agostini im vergangenen Spätherbst auf einem Spaziergang mit seinem Hund Coco im Wald Abfall entdeckte, liess er diesen noch verärgert liegen. Doch der Abfall liess ihm keine Ruhe. «Wenn ich mich ärgere, muss ich auch etwas dagegen tun», sagte er sich zu Hause. Gesagt, getan. Mit einem Abfallsack ging er zurück zur Fundstelle und nahm die Abfälle mit. Damit begann sein Engagement für sauberere Wälder. Kürzlich lancierte er gemeinsam mit seiner Frau zum Thema Abfall im Wald eine regelmässig aktualisierte Homepage, auf der er auch über seine Touren berichtet.

Agostini ist immer ohne Handschuhe unterwegs. Er wolle die Natur und auch den Abfall spüren, betont er im Bewusstsein seiner Unvernunft. Für die Nähe zur Natur hat er seine politische Arbeit in der Geschäftsleitung der Baselbieter Grünen aufgegeben. «Ich möchte mich mehr der Sache widmen, die direkt der Natur zugute kommt», sagt er, während er weiter fleissig den schlammigen und von Blättern überdeckten Waldboden durchforstet. Ihm als Chemielaborant und ehemaliger Verkäufer in der Kunststoffindustrie sei besonders bewusst, was diese Abfälle in der Natur anrichten können. «Die Abfälle schaden den Böden und den Tieren, die sich daran verletzen oder sogar sterben können.»

Eine Bewegung gegen Abfälle

Während Wochen durchforstete er den Muggenberg und die Eggfluh bei Aesch und Pfeffingen. Aktuell ist er öfters auf dem Länzberg unterwegs. Ein klares Ziel, wohin ihn seine Abfallsuche führen soll, habe er nicht. Insgeheim hofft der Pfeffinger aber schon, mit seinem Engagement bei den Menschen ein stärkeres Bewusstsein für die Natur und die Folgen der Abfallverschmutzung zu erreichen. «Vielleicht entsteht daraus sogar eine Art Bewegung», meint er schon fast philosophisch.

Morgen Samstag trifft er sich mit Mitstreitern, die sich auf einen Zeitungsartikel hin im lokalen «Wochenblatt» bei ihm gemeldet haben, zum Rundgang durch den Wald. «Wer mitkommen möchte, soll sich doch bei mir melden», sagt er und ärgert sich sogleich über eine Metallstange, die mehr als einen Meter weit aus dem Boden ragt.

Auf der Ende der 1980er-Jahre zugeschütteten Deponie Lätte verstärkt sich sein Unmut. «Der Deponieabfall tritt aus. Ein unhaltbarer Zustand.» In der Tat: Pneus, Metallkessel, Betonröhren und sogar Skie ragen aus dem Boden. Bereits hat sich Agostini mit den Baselbieter Behörden in Verbindung gesetzt. «Das Deponieproblem ist grösser als das, was ich mit meinen Händen leisten kann.» Die Gemeinde Duggingen wird ihm für den Abfall einen Container zur Verfügung stellen. Die Arbeit wird ihm wohl nicht so schnell ausgehen.

www.suuberewald.com